Wirtschaftsförderin unterstützt mit Rat und Tat

Kunsthandwerker aus Martfeld bezieht Corona-Soforthilfe – doch dann gerät er in eine Sackgasse

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Dieter Danowski, Kunsthandwerker

Martfeld / Br.-Vilsen – Die Corona-Krise hat viele Selbstständige beruflich kalt erwischt, die von heute auf morgen ihre Absatzkanäle und damit ihr komplettes Einkommen verloren haben. Einer von ihnen ist Dieter Danowski aus Martfeld.

Der 43-Jährige ist Solo-Selbstständiger und fertigt aus Münzen Schmuckstücke. Die kommen an bei den Besuchern auf den Märkten, auf denen er normalerweise an fast jedem Wochenende unterwegs ist. „Seit März aber sind alle Veranstaltungen abgesagt. Und das geht noch mindestens bis Ende August“, sagt der Martfelder.

Große Events wie die „Sail“ in Bremerhaven oder der Brokser Heiratsmarkt in Bruchhausen-Vilsen wären in diesem Jahr seine Umsatzbringer gewesen. „Ich lebe vom Live-Geschäft und säge am Stand Münzen aus“, sagt Dieter Danowski, der mittlerweile auf seine Rücklagen zurückgreifen muss. Mitte März hatte er die Soforthilfe für Selbstständige beim Land Niedersachsen beantragt und binnen einer Woche 3.000 Euro erhalten. Mittlerweile ist das Landesprogramm eingestellt und vom Bundesprogramm abgelöst worden. Der Haken dabei: Die Soforthilfe, die aus Bundesmitteln gezahlt wird, darf nicht für die Bestreitung des Lebensunterhaltes, sondern lediglich für Betriebsausgaben eingesetzt werden. Die aber sind bei Dieter Danowski, der kein festes Ladengeschäft hat, minimal.

Soforthilfe in der Corona-Pandemie: Selbstständige haben mit Hürden zu kämpfen

Erst war er frustriert. „Ich bin in so eine Art Loch gefallen“, erzählt er. Von jetzt auf gleich fanden keine Veranstaltungen mehr statt, die sozialen Kontakte, die er sonst zu anderen Kollegen und Veranstaltern auf den Märkten hat, fielen weg. Jetzt versucht der Selbstständige, etwas an seiner Situation zu ändern. Unter www.muenzkunst.de hat er einen eigenen Internet-Shop für seine Ringe und Anhänger auf die Beine gestellt und bereits einmal seinen Stand vor dem Edeka-Markt „Kööp in“ in Martfeld aufgebaut. „Ich habe gemerkt: Ich muss kämpfen“, sagt Danowski.

Das scheint aktuell der beste Weg zu sein, findet Uta Seim-Schwartz. Die Wirtschaftsförderin der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen weiß von ähnlichen Schicksalen und hat ein paar Tipps in petto, die helfen könnten.

Um sich in der Region bekannter zu machen, sei die Facebook-Gruppe „Was ist los in Bruchhausen-Vilsen?“ eine gute Chance. Wer sich mit Beratung für die Zukunft neu aufstellen möchte, könne über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eine Beratung in einer Höhe von bis zu 4.000 Euro in Anspruch nehmen – für Freiberufler sogar ohne Eigenanteil. Zudem gebe es einige Unterstützungsmöglichkeiten, die die Bundesregierung für Kreative und Kulturschaffende kreiert habe, zum Beispiel Ausfallhonorare für freischaffende Kreative, für freie Orchester und Ensembles oder Museen. Auf den ersten Blick nichts Passendes für Dieter Danowski.

Corona-Pandemie: Wirtschaftsförderin weist auf weitere Möglichkeiten neben staatlicher Soforthilfe hin

Ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wäre eine weitere Alternative. Den aber müsse er ja auch wieder zurückzahlen. Aber wie und wann? „Diese Kredite sind ein Teufelskreis“, findet der 43-Jährige. Ihm bliebe am Ende nur die Beantragung von Arbeitslosengeld II. Hier hat die Bundesregierung den Zugang erleichtert und die Vermögensprüfung für die nächsten sechs Monate ausgesetzt. Zudem werden in den ersten sechs Monaten die Ausgaben für Unterkunft und Heizung in der tatsächlichen Höhe anerkannt. Und auch die Selbstständigkeit muss in dieser Zeit nicht aufgegeben werden.

Aber: Wer mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenlebt, bildet eine Bedarfsgemeinschaft. Geht der andere einer beruflichen Tätigkeit nach, kann dieses eine entsprechende Reduzierung des Arbeitslosengelds II für den derzeit nicht berufstätigen Partner nachsichziehen.

Helfen kann auch das bundesweit agierende Internet-Portal der Sparkassen: Hier kann man als Selbstständiger Gutscheine anbieten, Kunden können diese erwerben und unterstützen so die Unternehmen vor Ort. Dass die Situation derzeit nicht einfach ist, weiß Uta Seim-Schwartz. Dieter Danowski wiederum hofft, dass er seine Münzsägerei trotz aller Widrigkeiten durch die Corona-Krise schiffen kann. „Nach 15 Jahren als Selbstständiger fände ich es schade, das aufgeben zu müssen.“

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