Leiterstelle unbesetzt, vier Lehrer abgeordnet

Elternvertreter: „Sind Oberschüler nichts wert?“

Br.-Vilsen - Die Oberschule in Bruchhausen-Vilsen hat‘s nicht leicht. Seit zwei Jahren steht sie ohne Leiter da, mindestens bis Februar wird das auch so bleiben. Und das ist noch nicht alles: Im gerade begonnenen Schuljahr muss die Oberschule erneut Lehrer an andere Schulen abordnen, nun sogar vier statt wie bisher zwei. Für Elternvertreter Michael Dunekacke ist das Maß voll. „Sind unsere Oberschüler nichts wert?“, fragt er und gibt sich die Antwort gleich selbst: „Sie scheinen dem Land wurscht zu sein.“

Die schwere Zeit ohne Schulleitung begann im Sommer 2015. Für die Schule hat sich in all der Zeit nichts geändert. Ohne Verstärkung müssen sich die stellvertretenden Schulleiter Friederike Heyne und Jürgen Schiffbach zusammen mit ihrem Team seit 2015 um alle anfallenden Aufgaben kümmern.

Erst im Dezember 2016 wurde die Leiter-Stelle neu ausgeschrieben. Laut Pressesprecherin Bianca Schöneich war das Ziel, „schnellstmöglich“ einen neuen Schulleiter einzustellen.

An Bewerbern mangelt es nicht

Bewerber sind da: Vier Kandidaten stellten sich im Frühling dieses Jahres Schulförderverein, Politik und Verwaltung vor, die eine Stellungnahme abgeben durften. Im Juni erklärte Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann, dass man sich auf einen Favoriten verständigt und die Behörde informiert habe. Zu dem Zeitpunkt hoffte er noch, dass die Stelle zu Beginn des Schuljahres 2017/18 besetzt werden kann. Das hat nicht geklappt.

„Das Besetzungsverfahren läuft“, erklärt Schöneich und bittet um Verständnis dafür, dass „wir aus Gründen des Personen- und Datenschutzes in einem laufenden Verfahren keine detaillierten Angaben zum Stand machen können“. Die Behörde sei aber zuversichtlich, dass der neue Leiter seinen Job Anfang des nächsten Halbjahres antreten könne.

Elternvertreter Dunekacke hat kein Verständnis dafür, wie das Land mit der Oberschule umgeht. „Was läuft falsch in der Schulpolitik?“, fragt er und spielt auf ein weiteres Thema an: „Wie kann es sein, dass fast keine Oberschule die 100-prozentige Unterrichtsversorgung, die allen vor Jahren versprochen wurde, auch nur annähernd erreicht?“ Nach seinen Berechnungen kommt die Schule in Bruchhausen-Vilsen wegen der Abordnungen von Lehrern auf 85,9 Prozent. Eine Zahl, die Schöneich nicht bestätigt. „Die Unterrichtsversorgung für das gerade begonnene Schuljahr wird am 17. August erhoben und nach Prüfung durch das Kultusministerium veröffentlicht“, sagt sie.

Land: „Abordnungen üblich und bewährt“

Nach Angaben von Dunekacke müssen vier Oberschullehrer aus Bruchhausen-Vilsen für jeweils zwölf Stunden die Woche an der Grundschule in Wietzen oder in Bruchhausen-Vilsen unterrichten. „Was kann die Schule dafür, dass das Land es nicht schafft, genug Lehrer einzustellen?“, schimpft er. „Eine vage Begründung der Landesschulbehörde zeigt das Dilemma: Andere Oberschulen im Landkreis Diepholz seien noch schlechter versorgt, man müsse sehen, dass der Mangel gleich verteilt werde.“

Für den Vorsitzenden des Schulelternrats nicht hinnehmbar: „Für unsere Kinder fällt massiv Unterricht aus, und bestimmte Fächer können über einen langen Zeitraum nicht erteilt werden.“

Schöneich zufolge sind „Abordnungen eine übliche und häufig angewendete Maßnahme in der Personalbewirtschaftung zum Ausgleich der Unterrichtsversorgung“. Die Pressesprecherin: „Das ist natürlich immer nur Plan B. Oberstes Ziel ist es, eine neue Lehrkraft zu finden.“

Oberschullehrer an Grundschulen: unzumutbar

Dass Oberschullehrer an Grundschulen unterrichten müssen, hält Dunekacke weder für die Lehrer noch für die Schüler für zumutbar. Schöneich widerspricht: „Abordnungen von Oberschullehrkräften an Grundschulen sind eine übliche und bewährte Maßnahme. Die Oberschullehrkräfte haben eine fundierte pädagogische Ausbildung, die es ihnen erlaubt, ohne Zusatzqualifikation an Grundschulen zu unterrichten.“ Die Mitarbeiterin der Behörde sieht sogar Vorteile für die Lehrer: „Viele nehmen den Unterricht an Grundschulen als Bereicherung wahr, weil sie einen fundierten Einblick in die Grundschulpädagogik bekommen und beispielsweise erfahren, wie Kinder in den vierten Klassen auf die weiterführenden Schulen vorbereitet werden. Diese Erfahrungen können sie dann auch für den Unterricht an ihrer Stammschule nutzen.“

„Das Land geht leichtfertig mit Bildung um“, kontert Dunekacke. „Man gewinnt den Eindruck, dass die Schüler und Lehrer an Oberschulen Menschen zweiter Klasse sind.“

mah

Rubriklistenbild: © dpa

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