Vor 75 Jahren der Feuerwehr begetreten

Heinrich Wacker: „Sie konnten mich brauchen“

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Heinrich Wacker (91) aus Schwarme ist seit 1943 Mitglied in der Feuerwehr.

Schwarme - Von Karin Neukirchen-Stratmann. Eine besondere Auszeichnung hat Schwarmes Ortsbrandmeister Frank Tecklenborg während der Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr vorgenommen: Mit Heinrich Wacker wurde erstmals ein Mitglied für 75-jährige Zugehörigkeit zu der Wehr geehrt.

Heinrich Wacker, Jahrgang 1926, lebt mit seiner Frau Wilma mitten in Schwarme. Zur Feuerwehr kam er eher zufällig. „Der damalige Ortsbrandmeister Johann Masemann kam zu uns auf den Hof und sagte, sie könnten mich gebrauchen“, blickt Wacker zurück. Er war damals 16 Jahre alt, die meisten anderen Männer waren als Soldaten eingezogen. „Wenn die mich brauchen, dann mache ich das“, dachte sich Wacker damals und trat in die Feuerwehr ein. Das war im Januar 1943.

Am 1. November 1943 wurde dann auch Heinrich Wacker in die Wehrmacht eingezogen. Fünf Jahre Gefangenschaft in Russland folgten für ihn nach Kriegsende – drei davon in einem Steinbruch, wo er Schwerstarbeit leistete, zwei weitere in Moskau, wo er beim Aufbau der Universität mitarbeitete. Russische Sprachkenntnisse hat sich der 91-Jährige bis heute erhalten. Das Schicksal seiner Kameraden, mit denen er an der Front stand, bewegt ihn noch immer, seine Erinnerungen sind sehr präsent.

„Bilder von zerbombten Häusern vergisst man nicht“

„Bevor ich eingezogen wurde, hatten wir oft Feuerwehr-Einsätze in Bremen oder Hannover, nachdem die Städte bombardiert wurden“, erinnert sich Wacker. „Die Bilder von den zerbombten Häusern, Geschäften, den vielen Toten vergisst man nicht.“

Nach seiner Rückkehr nach Schwarme nach Krieg und Gefangenschaft arbeitete Wacker zehn Jahre lang auf seinem Bauernhof, bevor er 1960 in den Dienst der Bundespost eintrat. „Landwirt war ich dann noch im Nebenerwerb, mit sieben Kühen, zwölf Schweinen und zwölf Hektar Land.“

Natürlich war er auch gleich wieder bei der Feuerwehr aktiv, die Anfang der 1950er-Jahre eine wahre Eintrittswelle erlebte. „Damals waren fast alle Männer in der Wehr aktiv, vor allem die Männer von den Höfen, weil die auch tagsüber erreichbar waren“, erklärt der heutige Ortsbrandmeister Tecklenborg. In der Zeit hatte die Schwarmer Ortswehr 75 Aktive, heute sind es 42. Wacker war einige Jahre Kassenwart.

Im Musikzug an der Marschtrommel

Schon bald nach dem Krieg gründete sich der Musikzug der Wehr. „Das war 1952, da kam der Ortsbrandmeister Friedrich Niemann zu mir und meinte: ,Wir wollen einen Musikzug aufstellen, kannst du da was machen?‘“, erzählt Wacker. Ein Musikinstrument hatte er bis dahin nicht gespielt. Es wurde die Marschtrommel, „obwohl ich lieber flöten wollte, aber das konnte ich aufgrund einer Kriegsverletzung an der Lippe leider nicht.“

Bis 2008 gab es den erfolgreichen Musikzug. „Wir hatten bis zu 30 Auftritte im Jahr, spielten auf vielen Schützen- und Erntefesten“, blickt Wacker zurück.

Über 20 Jahre lang war er auch in der Wettkampftruppe aktiv, absolvierte zahlreiche Wettkämpfe im Landkreis Diepholz. An eine lustige Begebenheit erinnert er sich heute noch gut. „Wir waren auf dem Rückweg von einem Wettkampf in Twistringen und hielten in Neubruchhausen bei einer Kneipe an. Der Wirt sagte: ,Wenn ihr etwas Musik macht, dann gibt es Bier.‘ Gesagt, getan. Wir sind so lange geblieben, bis das Bier alle war.“

Erinnerung an Dampf-Kraft-Wagen

Viel hat sich in all den Jahren bei der Feuerwehr verändert, vor allem, was die technische Ausstattung angeht. Wacker erinnert sich noch gut an eines der ersten Fahrzeuge, einen Dampf-Kraft-Wagen. „Den musste man streicheln, dann sprang er an“, erzählt Wacker mit einem Schmunzeln.

Auch sonst musste man sich in den Nachkriegsjahren zu helfen wissen. So wurde das Fahrzeug bei Frost gerne mal in einen Kuhstall geschoben, damit nichts einfrieren konnte. „Bei den Kühen war es warm.“

Während es heute bei der Feuerwehr um die Digitalisierung geht, wurde damals nur per Sirene alarmiert, Handys gab es noch nicht. Wenn heute die Sirene im Dorf einen Einsatz meldet, dann hält es Wacker nicht im Haus. „Ich gehe dann raus und gucke, wo die hinfahren.“

Wacker ist Mitglied in der Alterskameradschaft und dort sehr aktiv, so beteiligt er sich gerne an den Seniorennachmittagen. Der rüstige Rentner hält sich mit Gartenarbeit fit.

Während der Jahreshauptversammlung bekam er für seine 75-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr ein goldenes Abzeichen überreicht. „Das hatten wir noch nie“, erklärt Tecklenborg nicht ohne Stolz. 

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