Persönlichkeitsstörung diagnostiziert

Sexueller Sadismus nicht nachgewiesen

Im Mordprozess gegen einen 49-Jährigen ist fraglich, ob tatsächlich ein sexueller Sadismus vorliegt. Diagnostiziert wurde allerdings eine dissoziale Persönlichkeitsstörung.  - Foto: dpa

Verden/Bad Rehburg - Von Wiebke Bruns. Liegt bei dem Angeklagten Jörg N., der sich seit September 2016 vor dem Landgericht Verden wegen Mordes verantworten muss, doch kein sexueller Sadismus vor? Es sei eine „Verdachtsdiagnose“ in dem vorherigen Prozess gegen den 49-Jährigen gewesen, betonte der Vorsitzende Richter Volkers Stronczyk am Mittwoch.

Und das vorläufige Gutachten im aktuellen Prozess sei so zu verstehen, dass der Sachverständige die Diagnose nicht bestätigt, dies aber für die Frage der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung auch für sekundär halte.

Zunächst ging es aber gestern bei der Befragung von zwei Häftlingen, die zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Maßregelvollzugszentrum (MRVZ) in Bad Rehburg untergebracht waren, um die Kernfrage des Prozesses: Hat der 49 Jahre alte Angeklagte im September 2015 die 23-jährige Judith Thijsen ermordet?

Verteidiger wecken Zweifel an DNA-Spuren

Das Gericht war mit der Ladung der Zeugen einem Beweisantrag der Verteidiger Mathias Huse und Torben Werk gefolgt. Beide Männer sitzen mittlerweile in Haft. Es ging bei den Fragen um scheinbar nicht vorhandene Computerkenntnisse des Angeklagten. Aus Sicht der Verteidiger ein Indiz dafür, dass der Angeklagte zum Opfer nicht über das Internet Kontakt aufgenommen hat. Und mit der Bestätigung, dass man sich gegenseitig Taschen ausgeliehen hat, wollten sie aufzeigen, dass ein Kaugummipapier mit DNA-Spuren des Angeklagten auch durch Dritte zum Tatort gelangt sein könnte.

Bei neuen Beweisanträgen ging es erneut um die Frage, ob ein sexueller Sadismus vorliegt. Dieser sei nie sicher festgestellt worden, betonte der Vorsitzende. „Durchgängig diagnostiziert wurde eine dissoziale Persönlichkeitsstörung“, so Stronczyk.

Staatsanwalt pocht auf Sicherungsverwahrung

Damit ist die Frage der Unterbringung der Sicherungsverwahrung im Fall einer Verurteilung aber noch nicht vom Tisch. Wie bereits bei dem vorherigen Prozess gegen Jörg N. in Aurich hält auch die Staatsanwaltschaft Verden die Unterbringung für erforderlich, denn es bestehe eine „hohe Wahrscheinlichkeit“, dass der Angeklagte weitere Gewaltdelikte begehen wird. „Weil er sich als Psychopath mit sexuellem Sadismus auf Vergewaltigung mit Würgen bis zur Bewusstlosigkeit“ spezialisiert habe, so der Vorwurf in der Anklageschrift.

Während eines unbegleiteten Freigangs aus dem MRVZ soll der Angeklagte den Mord begangen haben. „Böse Zungen könnten behaupten, dass das Maßregelvollzugszentrum eine Mitschuld hat, falls es zur Verurteilung kommen sollte“, merkte Verteidiger Mathias Huse an. Eine Frage, die das Gericht jedoch nicht zu klären hat, wie der Vorsitzende betonte. „Wir sind kein Untersuchungsausschuss, und unsere Aufgabe ist es auch nicht, Rechtspolitik zu betreiben“, so Stronczyk.

Der Prozess geht zeitlich in die Verlängerung. Vorsorglich wurden Termine bis Juli 2017 festgelegt. Man wisse ja nicht, was noch an Anträgen kommt. „Wir wollen nach derzeitigem Stand das Verfahren aber im Juni beenden“, so Stronczyk. Kommende Woche wird nicht verhandelt. Der Prozess wird am 19. April fortgesetzt.

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