36. Oldtimerschau in Asendorf

Selbst die Ordner fahren Oldies

Oldtimerbesitzer haben zu improvisieren gelernt: Dieser Fiat-Tipolino wurde mit Sonnensegel ausgestattet. - Foto: Heiner Büntemeyer

Asendorf - Von Heiner Büntemeyer. Auf der B 6 bildeten sich am Sonntagvormittag in beiden Richtungen kleine Staus, doch wenn die schnelleren Autofahrer endlich entschlossen den Stauverursacher überholen konnten, dann hellte sich ihre Miene doch ein wenig auf: Es waren wunderbar gepflegte Oldtimer unterwegs, deren Fahrer bei dem herrlichen Wetter die Ausfahrt genossen und nicht rasen wollten oder konnten. Sie wollten nur ankommen. Ihr Ziel war die 36. Oldtimerausstellung am Automuseum Asendorf.

Dort herrschte den ganzen Tag über ein ständiges Kommen und Fahren, Ordner waren auf Oldtimer-Mopeds auf dem Gelände unterwegs, um den neu Ankommenden einen Platz zuzuweisen.

Überall schlenderten Besucher durch die Reihen der abgestellten Fahrzeuge. Vor einigen bildeten sie Gruppen, um über technische oder optische Details zu fachsimpeln, und die stolzen Besitzer informierten über die Entstehungsgeschichte ihrer Fahrzeuge. Nicht selten hatten sie diese im „Rostzustand“ in irgendwelchen Schuppen oder Scheunen aufgetrieben und sie vor der Schrottpresse bewahrt.

Für die Restaurierung seines alten, blauen Hanomag-Straßenschleppers, Baujahr 1939, hat sein Besitzer, ein Industriemechaniker aus dem Landkreis drei Jahre benötigt. Die Frage, ob sich das gelohnt hat, stellt sich nicht. Natürlich würde niemand dieses Fahrzeug auf der Straße vermissen, aber Oldtimerfans geht es um mehr als den Nutzen. Ihnen geht es darum, alte Technik wieder sichtbar , alte Mechanik wieder „gängig“ zu machen. Einige sprechen auch davon, dass sie altes Kulturgut erhalten.

Wenn ihnen das geglückt ist, lassen sie ihre fachgerechte Arbeit vom Tüv überprüfen, und das Siegel gilt ihnen dann als Lohn und Anerkennung für ihre Arbeit. „Die freuen sich beim Tüv immer schon, wenn ich mit einem meiner Opel-Oldtimer komme“, berichtet Hartmut Timke aus Okel und lenkt seinen eleganten „Kapitän“ von 1954 in eine Parklücke.

Um die Zulassung für ihrer Oldtimer müssen die Besitzer auch zu Zugeständnissen bereit sein. Bei ganz alten Modellen müssen die Winker, wie beispielsweise bei dem in Asendorf gezeigten alten Ford von 1939, durch Blinker ersetzt werden. Besonders wichtig sind auch die übrige Beleuchtung und natürlich die Bremsanlage.

Aber selbst Uralt-Zweiräder, die noch mit einer Karbidlampe ausgestattet sind, bekommen eine Zulassung. Allerdings mit der Einschränkung, dass sie nur tagsüber gefahren werden dürfen.

Wolfgang Pietschek mit seinem Wanderer-Motorrad von 1914. - Foto: Heiner Büntemeyer

Wolfgang Pietschek aus Nienburg berichtet im Benzingespräch von einem ganz neuen Trend: Bei vielen Oldtimer-Sammlern stehen gegenwärtig Fahrzeuge im Originalzustand, möglichst mit Gebrauchsspuren als so genannte „Zeitzeugen“ besonders hoch im Kurs. Er selbst hat so eine alte Wanderer aus dem Jahr 1914, die noch voll funktionstüchtig ist, mit der er jedoch keine Ausfahrten unternimmt, weil die Fußbremse darin besteht, dass ein Holzklotz in eine Keilnut am Hinterrad gedrückt wird. Dieses Holzklötzchen ist zwei Zentimeter breit, die Bremswirkung minimal. „Bei Regen bremst man besser mit den Schuhsohlen“, sagt der Besitzer und lacht.

Der kleine Zweizylinder-V-Motor leistet nur vier PS, aber der Hersteller hat dem Fahrzeug im Hinterrad eine Getriebenabe eingebaut. „Es war der erste erfolgreiche Versuch, über ein Getriebe zu schalten“, erklärt Pietschek.

Es könnten am Sonntag an die 1 000 Fahrzeuge gewesen sein, die am Automuseum einen Stopp einlegten. Viele kamen nicht nur, um ihre glänzenden Modelle zu präsentieren, sondern auch, um auf dem großen Teilemarkt zu stöbern und die immer seltener werdenden Ersatzteile und Werkzeuge für ihre Fahrzeuge zu erwerben.

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