Sektlaune in der Sprechstunde

Silvesterrevue in Schwarme bietet eine Mixtur aus Musik, Schauspiel und Kabarett

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Wenig vertrauenserweckend: Allgemeinmediziner Dr. Günter Bode in der Rolle des Zahnarztes.

Schwarme - Von Ulf Kaack. Wer jetzt noch Karten erwerben will, der ist zu spät dran und hat Pech gehabt. Die Revue zum neuen Jahr mit dem Titel „Sprechstunde zum Jahreswechsel“ ist restlos ausverkauft. Und zwar beide in Robberts Huus in Schwarme stattfindende Aufführungen. Wir waren trotzdem bei den Proben dabei und geben einen Blick auf das, was die einen erwartet und die anderen verpassen.

Seit Jahrzehnten gibt es eine gepflegte Tradition im Hause der Familie Bode in Schwarme. Zwischen den Feiertagen kommen dort die Familie, Freunde und langjährige Weggefährten zusammen, um gemeinsam zu musizieren. „Das begann einst als Hausmusik im kleinen Kreis und ohne Publikum“, blickt Initiator Dr. Günter Bode auf die Anfänge zurück. „Bis heute ist der Rahmen völlig ungezwungen, alle Beteiligten wollen Spaß an der Musik und vor allem an der Geselligkeit haben. Irgendwann hatten wir Zuhörer und der Kreis wurde größer. Seit zehn Jahren erarbeiten wir uns nun gezielt ein Programm und führen es immer zum Jahreswechsel in Robberts Huus auf.“

Doch was erwartet die glücklichen Besitzer einer Eintrittskarte am Silvester- und am Neujahrsabend? Wie immer eine Mixtur aus anspruchsvoller Kultur und Unterhaltung, aus Musik und Schauspiel, aus Kabarett und Klamauk. Eine Revue halt. Bierernst, das versprechen die Akteure, wird es nicht zugehen im Schwarmer Kulturzentrum, vielmehr ist Sektlaune angesagt.

Das unterstreicht unsere Visite – ja, diese Vokabel ist an dieser Stelle äußerst treffend gewählt – während der Proben. Hektisch geht es nicht zu, aber beschäftigt. Auf den Tischen liegen Manuskripte und Notenblätter zwischen Kaffeebechern und Butterkuchen verteilt. Auf dem Podium wuseln die Darsteller.

Proben für die „Sprechstunde zum Jahreswechsel“

 © Ulf Kaack
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Robberts Huus stellt eine Arztpraxis dar und bildet den roten Faden der Revue. Bühne und Zuschauerraum sind zu einem riesigen Wartezimmer umfunktioniert worden, der Behandlungsraum ist dagegen klein und unauffällig am Rand des Geschehens platziert.

Medizin ist zum Oberbegriff der Abende auserkoren worden. Im Zentrum stehen drei Ärzte, die auch im echten Leben einen Doktortitel tragen: allen voran Mastermind und Allgemeinmediziner Dr. Günter Bode, Augenarzt Dr. Jürgen Lohmeyer (Syke) sowie Dr. Christian Melsheimer (Bremen), der als promovierter Physiker offensichtlich etwas aus der Art schlägt.

Ein aus Stuttgart angereistes Streichquartett intoniert die TV-Titelmelodie der Schwarzwaldklinik. Zuerst liebevoll, fast verniedlichend nuanciert, zum Ende hin dann immer disharmonischer klingend. Das ärztliche Dreiergestirn wird indes nicht müde, die eigene Zunft messerscharf unter die Lupe zu nehmen. Mal singend, mal in Versform, mal vorgetragen als Werbespot für die Pharmaindustrie … Dabei setzen sich die Doktoren, die eigene Kompetenz überschreitend, auch mit Themen wie Klonen, Genforschung oder Krankenkassenabrechnungen auseinander. Selbst vor dentalen Eingriffen macht das Trio keinen Halt.

Beate und Günter Bode ziehen 2018 weg

Auch musikalisch geht es genreübergreifend zu: Man bedient sich im Repertoire von Klassikgrößen wie Johann Sebastian Bach und Antonín Dvorák, ebenso im Fundus von Max Raabe. In wechselnden Besetzungen bringen die Sänger und Instrumentalisten elegante Schlager zu Gehör, wissen mit afrikanischer Folklore und Volksmusik aus dem beschaulichen Alpenländle zu überraschen. Hier passt zusammen, was nicht zusammen passt.

Wie das Programm zustande gekommen ist, berichtet Dr. Günter Bode: „Wir haben uns – wie jedes Jahr – im Sommer getroffen und uns gemeinsam auf das Thema verständigt. Im nächsten Schritt trugen wir Ideen zusammen, wie das Ganze inhaltlich gefüllt werden kann. Anschließend hat meine Frau Beate die musikalischen Arrangements ausgearbeitet, während ich für den Plot, praktisch das Drehbuch, verantwortlich war. Alle Beteiligten konnten sich langfristig auf das vorbereiten, was nun auf sie zukommt. Mit unseren Proben führen wir aktuell alle Elemente der Revue zusammen und arbeiten im Team die Details heraus.“

Dabei ist Non-Perfektionismus Teil des Konzepts. Das Ensemble wird humorvolle und facettenreiche Unterhaltung auf einem soliden künstlerischen Niveau präsentieren, ohne die gängigen Klischees zu bedienen und sich selbst dabei allzu ernst zu nehmen.

Einen Wermutstropfen gibt es bei aller Euphorie zu vermelden: Nach einem knappen Dutzend erfolgreich inszenierter Silvester- und Neujahrsrevuen wird sich hinter dieser fixen Größe im Schwarmer Kulturkalender am kommenden Montag der finale Vorhang senken. „Sprechstunde zum Jahreswechsel“ markiert den Schlusspunkt, denn mit dem für Ende 2018 terminierten Umzug von Beate und Günter Bode ins südliche Niedersachsen findet die beliebte Veranstaltungsreihe ein Ende. Aber das verspricht, fulminant zu werden.

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