Seit 35 Jahren im engen Käfig

Initiative will Papagei „Alfred“ befreien

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Hans-Hermann Braune und Elisabeth Willich-Braune bei ihrem Einsatz. Sie wollen Papagei „Alfred“ retten.

Bruchhausen-Vilsen -  Ein trister November-Tag in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen: 40 Kilometer sind Elisabeth Willich-Braune und Hans-Hermann Braune gefahren, um zu diesem Hof zu kommen. Der Grund ist ebenso trist wie das Wetter.

Der Vorsitzende des Bremer Papageienschutz-Centrums Bremen und seine Stellvertreterin wollen einen Papagei retten, der in einem viel zu kleinen Käfig sitzt – seit mindestens 35 Jahren, so haben sie recherchiert. Sie wollen dieses Tierleid sofort beenden. Genau wie die „Interessengemeinschaft Papagei“, die eine Bremerin mit fünf Bürgern gegründet hat.

Aus Angst vor Repressalien will die 63-Jährige ihren Namen nicht nennen. Nur soviel schildert sie auf Nachfrage: Bei einem Besuch auf dem Hof habe sie sich in einer Tür geirrt – und in einem Raum, in den nur wenig Licht drang, den Papagei in seinem Käfig entdeckt. Mehr als fünf Monate sei das jetzt her: „Das war offensichtlich ein Abstellraum. Niemand hat sich gekümmert!“ Die Bremerin informierte das Veterinäramt, erstattete Anzeige und wandte sich an das Papageienschutz-Centrum Bremen.

„Wir wissen, dass es nicht in Ordnung ist, wie er gehalten wird“

Elisabeth Willich-Braune und Hans-Hermann Braune sagten sofort Hilfe zu. Sie sind in diesen Ortsteil von Bruchhausen-Vilsen gekommen, um die Besitzer des Exoten zu überzeugen: Das Fluggehege im Schutz-Centrum in Bremen-Findorff bietet ideale Bedingungen für eine artgerechte Haltung von „Alfred“. So heißt der Papagei, wie die Tierschützer im Gespräch mit der Besitzerin erfahren. „Wir haben den Eindruck, dass Sie Hilfe brauchen“, sagt Hans-Hermann Braune vorsichtig. Er bietet der Besitzerin an, „Alfred“ gleich mit nach Bremen zu nehmen. Doch die Frau lehnt ab: „,Alfred‘ gehört zum Hof.“

Das ist nicht „Alfred“, sondern Timneh-Graupapagei ‚Walle‘. Er wurde den Tierschützern in diesem Käfig gebracht, in dem er auch bei seinen Besitzern gelebt hatte. 

Die Schwiegereltern hätten ihn vor 35 Jahren angeschafft. Mittlerweile sei er blind und könne nicht mehr fliegen. Elisabeth Willich-Braune blickt zu Boden. Die 63-jährige Zeugin hatte von einem hängenden Flügel und einem entsetzlichen Zustand des Käfigs berichtet. „Können wir Alfred mal sehen?“, fragen die Tierschützer freundlich. Doch die Besitzerin lehnt ab.

„Wir wissen, dass es nicht in Ordnung ist, wie er gehalten wird“, sagt sie leise. Ein größerer Käfig sei bestellt. Punkt. Enttäuscht verlassen die Tierschützer am Ende den Hof – und fragen sich, ob „Alfreds“ Zustand womöglich noch schlimmer ist, als von der Zeugin geschildert. „Sonst hätte uns die Besitzerin den Papagei doch zeigen können!“, sagen sie.

Papageien gehören nicht in Käfige

Besagte Zeugin stellt sich eine ganz andere Frage: „Wieso tut das Veterinäramt nichts?“ Man bemühe sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und in enger Kooperation mit den Besitzern intensiv um eine Verbesserung, so Thorsten Abeling als stellvertretender Leiter des Landkreis-Fachdienstes Veterinärwesen auf Anfrage. „Die Halter haben von uns einen Aufgabenplan für Ernährung, Pflege und Unterbringung des Papageien erhalten.“ So schnell wie möglich solle die Lebensqualität des Papageien verbessert werden.

Elisabeth Willich-Braune und Hans-Hermann Braune hoffen inständig, dass genau das umgehend gelingt. Aber sie sind skeptisch: „Papageien gehören nicht in Käfige!“ 60 Exoten aus schlechter Haltung – bundesweit und viel zu oft aus viel zu engen Käfigen – haben sie im Schutz-Centrum aufgenommen. Ihr Einsatz in Bruchhausen-Vilsen ist nicht der erste: „Wir hatten vor Jahren schon mal einen Fall in Süstedt. Da war ein Mieter aus seiner Wohnung ausgezogen und hatte einen Papageien im Käfig einfach zurückgelassen.“

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