Sechste Martfelder Literaturtage bieten große textliche Bandbreite

Nach dem Eisbrecher trauten sich viele aufs Sofa

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Irina Hilbig las den ersten Text und machte den Gästen damit Mut, selbst auf dem Literatursofa Platz zu nehmen und etwas vorzulesen.

Martfeld - Von Heiner Büntemeyer. Die Martfelder Literaturtage haben in unserer Region ein Alleinstellungsmerkmal. Schon zum sechsten Mal wurden sie veranstaltet, und zum sechsten Mal nahmen wieder rund 20 Gäste bei Irena Hilbig Platz auf dem „Literatursofa“. Im Kirchenschiff der ehemaligen katholischen Kirche standen Stühle, Sessel, ein Sofa und ein großer Ohrensessel. Daneben eine helle Leselampe. Diesen gemütlichen Platz durfte jeder Gast einnehmen, der Passagen aus einem seiner Lieblingsbücher vorlesen mochte.

Nicht alle hatten ein Buch mitgebracht, eine Dame hatte mehrere Jahre hintereinander aus ihrem Lieblingsbuch vorgelesen und wollte in diesem Jahr einfach nur mal zuhören. Ein anderer Gast, der zum ersten Mal gekommen war, beschloss spontan, im nächsten Jahr wiederzukommen und dann auch vorzulesen.

Irena Hilbig hatte schon geahnt, dass sie wieder als „Eisbrecher“ den ersten Text lesen musste. Dafür hatte sie Peter Wohllebens Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ ausgewählt. Ein Buch, das neugierig machte auf weitere Kapitel. Daher las sie später noch einmal, und es ist denkbar, dass unter den Zuhörern einige waren, die noch mehr wissen wollen und hinterher, wie Irena Hilbig berichtete, „mit anderen Augen durch den Wald gehen werden“.

Eine Zeitreise in die späten 1950er-Jahre unternahm Gisela Balbasus. Sie hatte aus Elke Heidenreichs „Ein Traum von Musik“ die Geschichte von Reinhard Mey ausgewählt und las später auch noch die Story über Udo Jürgens.

Zwischen den Lesungen spielten die „Landbardel“ Birger Tramm und Norbert Teuber, die bei einigen Songs von „Brigitte“ unterstützt als „Landbardelino“ spielten und sangen.

Natürlich hatten sie mit „Komm, schenk mein Glas noch einmal ein“ auch eins der gefühlvollen, wunderschön melancholischen Lieder von Reinhard Mey im Repertoire.

Aber sie spielen nicht nur Balladen, sie können auch anders. Das bewiesen sie beispielsweise mit dem Hit der Bee Gees „Have you seen my wife Mr. Jones?“

Ein ganz anderes Genre stellte Martin Schwark mit dem Buch von Jorge Bucay „Die drei Fragen. Wer bin ich? Wohin gehe ich? Mit wem gehe ich?“ vor. Er hatte lange mit dem Vorlesen gezögert, denn dieses Buch enthält psychologische Tiefen, auf die Martin Schwark die Zuhörer zunächst einstimmen musste.

Zum zweiten Mal las Claudia Buckermann auf dem „Literatursofa“. Trotzdem war es eine Premiere, denn sie las aus einem E-Book Passagen aus „Ein Mann namens Ove“ von Frederik Backmann vor.

In der Pause bedienten sich die Gäste an einem Büfett mit Getränken und kleinen, selbst hergestellten Leckereien. Dabei standen die Gäste in Gruppen zusammen, diskutierten das Gehörte und waren sich darin einig, dass es wieder ein gelungener, sehr inspirierender Abend besonders für jene war, die (noch) nicht auf dem „Literatursofa“ Platz genommen hatten.

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