MBB in der „Kastanie“ / 150 Zuschauer erleben in Clubatmosphäre Blues vom Feinsten

Ein schweißtreibender Abend in Hollen

Brillierte mit einem eingängigen und soliden Blues-Marathon in der familiären Atmosphäre der „Kastanie“: die Martfeld Blues Band. - Foto: Ulf Kaack

Hollen - Von Ulf Kaack. Für manche mag der Name des Ensembles ein wenig provinziell anmuten. Doch was die Martfeld Blues Band (MBB) am Freitag auf der Bühne der „Kastanie“ ablieferte, hatte einen globalen Spirit. Blues vom Feinsten, vorgetragen mit Leidenschaft, erlebten rund 150 Zuhörer.

Ein knackvoller Saal, schweißtreibende Temperaturen, die Luft zum Schneiden dick: In der „Kastanie“ herrscht Clubatmosphäre. Es beginnt gewittrig. Regen prasselt, Blitze zucken, Donner grollt. Mit „Riders on the Storm“ von den Doors eröffnet die MBB den Abend. Überhaupt ist der 30. Januar in Martfeld ein Jour fixe, lädt die Band doch seit vielen Jahren an diesem Tag zum kollektiven Hör-Erlebnis ein. Die Atmosphäre ist locker und familiär. Man kennt sich. Vor allem Sänger Norbert Orth ist es, der immer wieder von der Bühne herab den Dialog zum Publikum herstellt, Anekdoten und Begebenheiten aus der Vergangenheit ausplaudert.

Weiter geht es mit Klassikern wie „Plastic Factory“ von Captain Beefheart, „Money Talks“ von J. J. Cale, „The Wind Cries Mary“ von Jimi Hendrix – allesamt eingängige Mid-Tempo-Songs.

Was im Publikum zu Beginn zunächst ein rhythmisches Wippen von Kopf und Oberkörper auslöst, animierte einen großen Teil wenig später zum ausgelassenen Tanzen. Meist ein wenig kantig und ungelenkt, wie es halt so ist bei dieser Art Musik.

Bei der Songauswahl orientieren sich die Musiker weniger am traditionellen Old-School-Blues mit seinen Wurzeln im Mississippi-Delta, sondern am kraftvollen Blues-Rock der 60er- und 70er-Jahre aus den USA und Großbritannien. Auch genrefremde Titel werden einfach „eingebluest“, beispielsweise „She’s not there“ und „Black magic Woman“ von Santana oder „Why don’t we do it in the Road“ von den Beatles.

Die Band spielt mit Präzision. Die überwiegend mit Überlänge kredenzten Songs geben reichlich Freiraum für solistische Aktivitäten. Immer wieder bricht René Gebauer mit seiner scheinbar endlos verzerrten Mundharmonika ins Arrangement ein. Aggressiv, mitreißend. Man zieht unwillkürlich den Kopf ein.

So unaufgeregt wie virtuos bedient Gitarrist Willy Blank-Toppe seine Fender Stratocaster. Deren Klang ist klar und unverfälscht, ohne Effekte und digitale Gimmicks.

Indes hat Joachim von Lingen sein Keyboard auf historische Sounds programmiert. Was er dem Instrument entlockt, klingt verdammt gut nach Hammond-Orgel, Lesley und Fender Rhodes. Authentizität auf ganzer Linie.

Horst Wiesch als Überraschungsdrummer

Alasdair Patterson am Schlagzeug und Horst Ziegler mit seinem knurrigen Fretless-Bass steuern ein solides Rhythmusfundament bei. Sie nuancieren wo nötig, sorgen für Groove und auch schon mal für Fragilität in den leisen Passagen. Dabei halten sie die Arrangements zusammen, geben ihnen aus dem Hintergrund heraus ein stabiles Korsett.

Und dann, in der Mitte des Sets, eine Überraschung der besonderen Art: Für fünf Songs nimmt Horst Wiesch, bis 2014 hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, hinter dem Schlagzeug Platz. Sein Gastauftritt ist mehr als ein effekthascherischer Gag. Der Mann hat es drauf an den Drums, meistert „Little Wing“ aus der Feder von Jimi Hendrix ebenso wie „Strange Brew“ von Cream komplex akzentuiert und mit spielerischer Leichtigkeit. Er sollte über eine zweite Karriere, nun im Musikbusiness, ernsthaft nachdenken.

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