Schweine, Hühner und Emus: Nutztierarche in Schwarme zeigt ihre Tiere / Schwerstes „Patenkind“ der Welt

Familie Wolters gibt Fleisch ein Gesicht

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Diese Henne und ihre Küken verzückten viele Kinder.

Schwarme - Von Julia Kreykenbohm. Nico Wolters wirkt schon wie ein echter Profi. Der Zwölfjährige wartet gelassen an der Absperrung, hinter der es zu den Gehegen der verschiedenen Tiere der Nutztierarche Wolters in Schwarme geht. „Kommt ruhig näher, ich beiße nicht“, fordert er die Gäste auf, die an der Tierführung teilnehmen. Während die Erwachsenen gemächlich ein paar Schritte nach vorn machen, scharen sich drei kleine Mädchen dicht um ihn und schauen erwartungsvoll zu Nico auf. Dann müssen alle aus Hygienegründen einen Plastikbezug über ihre Schuhe stülpen, und schon geht es los zum ersten Gehege, in dem sich leise grunzend ein paar Wollschweine tummeln.

„Wer glaubt, dass Schweine nicht intelligent sind, der irrt“, erklärt Nico seinen Zuhörern. „Die DNA eines Schweins stimmt zu 95 Prozent mit der des Menschen überein.“ Ein kleiner Junge blickt skeptisch zu seiner Mutter. „Aber wir wälzen uns wenigstens nicht im Schlamm.“ Bei den Mädchen kommen die schlammbespritzten Borstentiere auch nicht so gut an. Dafür sind sie hellauf entzückt, als eine Henne an ihnen vorbeiläuft, der zwei kleine, flauschige Küken hinterher wuseln.

Interessiert folgt die Gruppe Nico weiter zu den gescheckten Angler-Sattelschweinen, zum Geflügel, zu den Zebus (indische Hausrinder) und den beiden Emus Bonny und Clyde. Dabei verblüfft er die Gäste immer wieder mit Informationen über die Nutztiere, bezieht sie durch Fragen mit ein, unterhält sie mit seinen Anekdoten – und zieht sich auch mal gekonnt charmant aus der Affäre. „Wie alt sind denn diese Wollschweine jetzt genau?“, will eine Besucherin wissen, und Nico grinst: „Da fragen Sie was, was Sie jetzt nicht hätten fragen dürfen. Ich versuche, es herauszufinden.“

Nicos Tierführungen sind nur eins der zahlreichen Angebote, die die Nutztierarche für ihr allererstes Hoffest organisiert hat. Auch eine Hüpfburg und ein altes Feuerwehrauto stehen bereit, 40 Flohmarktstände sind aufgebaut, es gibt Kinderschminken und Wasserspiele. Quads auf Niedersachsens erster Elektro-Cross-Bahn laden ein, eine Runde über die Piste zu fegen.

Mit den Besucherzahlen sind die Veranstalter zufrieden. „Es können natürlich immer mehr sein“, meint Hofbesitzerin Melanie Wolters. Sie und ihr Mann wollen künftig alle Interessierten einmal im Jahr zu einem Tag der offenen Tür einladen. „Zum einen wollen wir unseren Hof bekannter machen. Wir finanzieren das alles privat und freuen uns daher, wenn Leute unsere Idee unterstützen – ob mit Geld oder Sachspenden wie Holz für die Unterstände.“

Und die Idee ist, vor allem Kindern zu zeigen, dass „Fleisch ein Gesicht hat“. „Die Art, wie mit Tieren in Mastbetrieben umgegangen wird, ist furchtbar, und wir wollen dazu ein Gegenbeispiel setzen“, sagt Melanie Wolters. Auf ihrem Hof würden die Tiere bis zum Tod artgerecht gehalten und keines werde aufgegeben, nur weil es keinen Profit mehr erziele.

Zum anderen hoffen die Wolters, dass bei solch einem Fest Tierpatenschaften geschlossen werden. Zum Beispiel für Angel. Er ist erst dreieinhalb Jahre, wiegt aber schon eine Tonne. „Er wäre wohl das schwerste Patenkind der Welt“, sagt Wolters und lacht. Angel ist ein Rotes Höhenvieh, eine Hausrind-Art, die vom Aussterben bedroht ist. Beim Hoffest zieht er bei strahlend schönem Wetter brav eine Kutsche mit Besuchern über das Gelände und lässt sich auch von klickenden Kameras nicht stören.

Auch der neue Hofladen öffnet am Festtag zum ersten Mal seine Türen. Viele Leute drängeln sich an dem Stand, um beispielsweise Wurst von den verschiedenen Schweinerassen zu bekommen. „Wir bieten gegen Vorbestellung auch Rindfleisch und Geflügel an“, sagt Wolters. Zudem gebe es Saft sowie Honigprodukte, die aus Bassum geliefert werden.

Der Imker ist an diesem Tag vor Ort und zeigt eins seiner Bienenvölker im Schaukasten. Die zweijährige Karolina Jacobson ist fasziniert. „Wo ist die Biene Maja?“, will sie von ihrer Mutter Marina wissen. Diese ist zusammen mit Stefanie Hövel und deren Tochter Maris zum Hoffest gekommen. „Es ist wirklich schön hier. Man sieht, wie viel Liebe dahinter steckt“, lobt Hövel. „Es ist doch toll, wenn man Kindern so etwas zeigen kann. Ich würde meine Tochter jedenfalls nie in eine Massentierhaltung mitnehmen.“

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