Aus dem Amtsgericht: Angeklagter zu Geldstrafe verurteilt

Autofahrer mit Pistole bedroht

Schwarme/Syke - Von Dieter Niederheide. Eine Verkehrssituation, wie sie sich täglich mehrfach auf den Straßen abspielt, ist an einem Tag im Dezember in Schwarme eskaliert. Der Vorfall zwischen zwei Autofahrern wurde jetzt zu einem Fall für die Strafrichterin des Amtsgerichts Syke.

Die Situation im Dezember endete damit, dass einer der Autofahrer, ein 30-jähriger Bremer, den anderen, einen Schwarmer, in eine Pistolenmündung blicken ließ. Dass es eine Schreckschusswaffe war, konnte der Schwarmer nicht erkennen. Jetzt hatte sich der Bremer wegen Bedrohung vor der Strafrichterin zu verantworten.

Was war passiert? Aus Richtung Emtinghausen kommend, gab es in Richtung Martfeld zwischen den beiden Autofahrern folgende Situation: Der eine betätigte die Lichthupe, weil der andere langsam fuhr. Dann überholte Ersterer. Dabei soll ihm der Überholte, also der Schwarmer, den Mittelfinger gezeigt und gestikuliert haben. Das war für den Bremer Anlass, den „Kontrahenten“ in Schwarme zum Halten zu bringen. Dann stieg der 30-Jährige aus, ging auf den Wagen des Schwarmers zu und zückte plötzlich eine Waffe, die er auf den Schwarmer richtete. Schließlich steckte er die Waffe wieder ein, stieg ins Auto und fuhr weiter.

Im Gerichtssaal gab der Bremer an, dass er sich bedroht gefühlt habe. Der andere Autofahrer habe den Eindruck gemacht, in seinem Wagen nach einer Waffe zu suchen.

Sein Verteidiger argumentierte, dass sein Mandant Soldat in Afghanistan war und im Zuge der Ausbildung gelernt habe, in Gefahrensituationen so zu handeln. Die Strafrichterin machte klar: „Die Waffe zu ziehen, mag für Afghanistan gelten, aber wir sind hier nicht in Afghanistan“.

Der Schwarmer gab als Zeuge an, dass der Bremer zunächst hinter ihm fuhr und die Lichthupe betätigte, ihn überholte und in Schwarme ausbremste. „Ich habe ihm, als er überholte, nicht den Stinkefinger gezeigt, ich habe gestikuliert“, sagte er. Dann sei er ausgebremst worden, „von etwa 30 Stundenkilometer auf Null“.

Die bedrohliche Lage für den Schwarmer entstand, als der Bremer plötzlich die Pistole zog und auf seinen Wagen zukam. Dabei sagte der 30-Jährige, der Schwarmer möge doch bitte mal die Straßenverkehrsordnung lesen. Die Waffe habe der Schwarmer für eine echte gehalten und Angst um das Kind, das mit im Auto war, gehabt.

Ein Rentner, der auf einem Spaziergang durch Schwarme war und Zeuge der Situation wurde, sagte vor Gericht aus: „Ich habe mich erschrocken“.

Seitens des Staatsanwalts hieß es, dass der Angeklagte sich durch den angeblich gezeigten Mittelfinger irgendwie beleidigt gefühlt habe. Doch das sei keine Gefahrensituation gewesen und kein Grund, eine Waffe auf den anderen zu richten. „Das war eine äußerst bedrohliche Situation“, war der Staatsanwalt überzeugt und forderte eine Geldstrafe von 1 800 Euro.

Der Verteidiger sprach im Plädoyer von verschiedenen Motivlagen der beiden Autofahrer. Der Mandant habe aufgrund seiner Ausbildung als Soldat so reagiert. Der Anwalt vertrat die Meinung, dass eine Geldstrafe unter Vorbehalt tat- und schuldangemessen sei.

„Heute würde ich in solch einer Situation weiterfahren, nicht mehr halten“, sagte der Angeklagte.

Die Strafrichterin verurteilte den Bremer wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe unter Vorbehalt in Höhe von 1 800 Euro. Das heißt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Dazu gab es eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro, zahlbar an eine gemeinnützige Organisation.

„Das war eine Überreaktion, Sie sind hier doch nicht in einem Krisengebiet“, sagte sie.

Rubriklistenbild: © dpa

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