Schwarme möchte spielen

Schwarmer Rat: Stadtplaner sieht Potenzial für Investitionen im Wert von zehn Millionen Euro

Wird Schwarme in die Städtebauförderung aufgenommen, soll das „Quartier Krähenkamp“ ein zentraler Bereich für Kultur, Feste und Dorfgemeinschaft werden. Die Fassade des Schießstandes soll dann saniert werden.
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Wird Schwarme in die Städtebauförderung aufgenommen, soll das „Quartier Krähenkamp“ ein zentraler Bereich für Kultur, Feste und Dorfgemeinschaft werden. Die Fassade des Schießstandes soll dann saniert werden.

Schwarme – Würde Schwarme in die Städtebauförderung aufgenommen, könnten Maßnahmen im Wert von etwa zehn Millionen Euro verwirklicht werden. Die Gemeinde hätte davon „nur“ ein Drittel, nämlich 3,4 Millionen aufzubringen. „Eine Riesenchance für Schwarme, sich zu entwickeln“, formulierte Georg Pilz (SPD) am Dienstagabend und wusste den gesamten Rat hinter sich. Dass recht weit oben auf der langen Wunschliste der Einwohner ausgerechnet ein Spielplatz steht, überraschte Rat und Verwaltung jedoch.

Familienfreundlichkeit, eine bedarfsgerechte Lebens- und Wohnqualität sowie eine nachhaltige Grund- und Nahversorgung als Leitbilder hatte Stadtplaner Michael Brinschwitz seiner Analyse zugrundegelegt. Unter anderem bei Spaziergängen mit Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg und dessen Stellvertretern Georg Pilz und Hermann Schröder (UWS) hatte Brinschwitz festgestellt, die ortsbildprägende Bausubstanz ist teilweise in schlechtem Zustand, ein zentraler Bereich ist nicht erkennbar, es gibt öffentlichen Freiraum mit Aufwertungspotenzial, die Schulwegsicherung ist ein Thema, stellte er Rat und Öffentlichkeit während der Ratssitzung vor. Bei sieben anwesenden Ratsleuten war das Gremium gerade so beschlussfähig, die Zuschauerreihen im Gasthaus Zur Post waren mit neun Einwohnern vergleichsweise stark besetzt.

Am Projekt „Lebendige Zentren“ an sich herrscht größeres Interesse. 42 Prozent der Teilnehmer der gemeinsamen Bürgerbefragung stammten aus Schwarme, 37 Prozent aus Martfeld, 20 Prozent von außerhalb, führte Gemeindedirektor Bernd Bormann aus. Eine überraschend gute Resonanz, befand Oldenburg. Denn aus der geplanten Bürgerwerkstatt musste coronabedingt eine Online-Umfrage werden. Der Bürgermeister sagte jedoch zu, die Einwohner, sobald möglich, weiter zu beteiligen.

Ursprünglich sollte das Programm die Nachbarn Martfeld und Schwarme ausdrücklich gemeinsam fit für die Zukunft machen. Mitten in der Analyse änderten sich jedoch die Förderrichtlinien, jetzt werden die Orte allein betrachtet. Das bedauerte Georg Pilz ausdrücklich. Nahverkehr oder Nahversorgung lassen sich heute kaum allein für Orte dieser Größenordnung regeln. 29 Prozent der Umfrageteilnehmer hatten angegeben, gemeinsam stärker sein und Herausforderungen lösen zu können. Die Frage, besteht die Möglichkeit zur Zusammenarbeit zwischen Martfeld und Schwarme, hatten immerhin 73 Prozent mit „Ja“ beantwortet. 26 Prozent sprachen sich für den Bestand der getrennten Gemeinden aus.

Doch auch für Schwarme allein gibt es reichlich Handlungsbedarf, zeigte der Stadtplaner auf. Er schlägt für den Bereich Haupt- /Hoyaer Straße rund um Robberts Huus vor, eine „neue, attraktive Mitte“ zu schaffen. Auch das Quartier Krähenkamp soll von der Städtebauförderung profitieren. Aus der Ecke Kirchstraße/Kirchweg könnte ein ansehnlicher Platz werden. Fördermittel könnten außerdem für eine bessere Erreichbarkeit des Raiffeisenmarktes sorgen. Sogar die Sanierung des Freibades fiele unter die Städtebauförderung, an der sich Land und Bund zu jeweils einem Drittel beteiligen. Rückzahlungsfrei. Auch für private Investoren biete das Programm Fördermöglichkeiten, so Brinschwitz. Die Nachnutzung ortsbildprägender oder leerstehender Häuser könnte damit ebenso attraktiver werden wie deren Sanierung.

„Die Liste ist visionär und nicht in Stein gemeißelt“, betonte Bormann. Auf dieser Grundlage fand sie die einstimmige Zusage des Rates.

Ein Blick in die Umfrageergebnisse

Insgesamt haben sich 253 Menschen an der Umfrage beteiligt, 105 aus Schwarme, 84 aus Martfeld, 51 aus anderen Orten. Den täglichen Einkauf erledigen alle Teilnehmer zu 39 Prozent in Martfeld, 22 Prozent in Schwarme, 13 Prozent in Bruchhausen-Vilsen und 26 Prozent außerhalb, vor allen in Thedinghausen. Die Schwarmer kaufen ihre Lebensmittel zu 81 Prozent im NP-Markt, sogenannte Non-Food-Artikel zu 47 Prozent bei Raiffeisen. Als Dienstleistungen nutzen die Einheimischen zu 43 Prozent die Geldinstitute, zu 27 Prozent den Frisör. Wer nicht in Schwarme einkauft, tut das zu 31 Prozent in Martfeld, 27 Prozent im Flecken und 38 Prozent außerhalb der Samtgemeinde. Dass besonders Non-Food-Artikel zu 54 Prozent außerhalb gekauft würden, verwundere nicht, sagte Bormann. 86 Prozent der antwortenden Schwarmer wollen langfristig in ihrem Ort wohnen. „Ein Top-Wert“ freute sich Bormann. Für noch mehr Zufriedenheit mit der Heimat könnten Angebote für Jugendliche und zur Erwachsenenbildung sorgen, so die Angaben in der Umfrage. Die Hälfte der Befragten hält die Gemeinde „mittel attraktiv“ für Besucher. Verbessert werden könnte das durch ein Radwegenetz, Gastronomie oder Veranstaltungen, heißt es in den Antworten, die die Teilnehmer selbst formulierten. Etwa ein Drittel könne sich mit „ja“ oder „vielleicht“ vorstellen, eine Ferienwohnung einzurichten.

Immer wieder taucht das Stichwort Spielplatz in der Umfrage auf, obwohl auch das nicht als Antwortoption vorgegeben war. Der Rat wolle das aufgreifen, hieß es. Hermann Schröder (UWS) entwarf sogar das Bild eines „hammermäßigen Generationenspielplatzes“. Familien seien bereit, für einen guten Spielplatz Wege in Kauf zu nehmen, meinte er und nannte als Beispiel ein Angebot in Kirchlinteln. Verwaltungs-Chef Bernd Bormann lenkte den Blick vor die eigene Tür und erinnerte an den Wasser-Erlebnispark in Bruchhausen-Vilsen, an dem regelmäßig Fahrzeuge aus anderen Landkreisen parken.

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