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Schwarmer Apotheke kapituliert vor Versandapotheken und schließt

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Die Schwarmer Apotheke mit dem benachbarten Lebensmittelhandel bildet das Geschäftszentrum von Schwarme. Jetzt kündigt Eigentümer Dr. Daniel Strassner an, die Apotheke zum 30. Juni zu schließen.
Die Schwarmer Apotheke mit dem benachbarten Lebensmittelhandel bildet das Geschäftszentrum von Schwarme. Jetzt kündigt Eigentümer Dr. Daniel Strassner an, die Apotheke zum 30. Juni zu schließen. © Till Jakob Schwarze

Schwarme – Die Schwarmer Apotheke schließt. Als Gerücht macht das im Ort bereits die Runde. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt Inhaber Dr. Daniel Strassner seine für Schwarme folgenschwere Entscheidung. „Die Situation für Apotheken auf dem Land ist prekär, es mangelt an Mitarbeitern, und auch wir bekommen den wachsenden Onlinehandel der Versandapotheken zu spüren“, führt er als Gründe an.

Am 30. Juni wird die Apotheke am kleinen Einkaufszentrum an der Hoyaer Straße schließen, kündigt Daniel Strassner an. Er betreibt in Thedinghausen die Brunsviga Apotheke und hatte die Schwarmer Apotheke 2009 als Filiale übernommen.

Schon Ende der Nuller-Jahre machten sich die Schwarmer Sorgen, was aus ihrer Apotheke werden soll. Seinerzeit zog sich Apothekerin Dörte Timm zurück. Hilfe kam aus der Nachbarschaft. Der Thedinghäuser modernisierte die Räume und stellte den Betrieb zukunftsfähig auf, wie er erinnert.

„Mit Dr. Sven und Annett Jähnichen konnte ich eine Filialleitung finden, die bereit war, sich in Schwarme niederzulassen“, bezeichnet Daniel Strassner seine Wahl als glücklich. Er freute sich zu sehen, dass „das nette Ehepaar und seine drei Kinder sich bis heute pudelwohl in Schwarme fühlen.“ „Über die Jahre haben wir viele Stammkunden gewonnen und uns mit unserem Sortiment ganz auf die jeweiligen Bedürfnisse eingestellt“, berichtet Sven Jähnichen. Daher falle ihm der Entschluss schwer, die Schwarmer Apotheke im Sommer zu schließen, betont Strassner; „uns ist bewusst, dass wir eine Lücke hinterlassen und sich unsere Kunden umorientieren müssen.“

Doch zunehmender Verwaltungsaufwand und Personalnot machten ihm immer mehr zu schaffen. „Dazu kommt der wachsende Onlinehandel. Die Versandapotheken schöpfen nur den Rahm ab. An uns bleiben aber die kostenintensiven Faktoren individuelle Beratung, Notdienst und Serviceleistungen hängen“, lässt er sich aus und erklärt, warum er die Filiale nicht mehr wirtschaftlich betreiben könne.

„Wir sind sehr darum bemüht, für alle Seiten eine gute Lösung zu finden“, versichert Daniel Strassner. Ehepaar Jähnichen habe im Einvernehmen auf eine Weiterbeschäftigung verzichtet. Aus dem Kreis der Mitarbeiter bleibe eine Angestellte im Unternehmen. Die anderen orientierten sich beruflich neu, teilt der Apotheker mit.

In der Brunsviga Apotheke sei das Team darauf eingestellt, „die Leistungen der Schwarmer Apotheke vollständig“ zu übernehmen, bietet er den Kunden an. Er werde „alles in seiner Macht stehende tun, damit die Versorgungssicherheit in der Region erhalten bleibt.“

„Erst die Sparkasse, jetzt die Apotheke. Ich bedauere das sehr. Hoffentlich schreitet das nicht weiter voran“, sagt Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg zu dieser Ankündigung. Er habe beim Besuch eines Altersjubilars von dieser Entwicklung erfahren, die der Apotheker ihm gegenüber dann auf Nachfrage bestätigt habe.

Schwarme folge damit einem traurigen Trend, heißt es aus Thedinghausen. „Immer mehr Apotheken müssen aufgeben“, sagt Daniel Strassner. „Grund genug, das eigene Kaufverhalten zu überdenken und regionale Dienstleister sowie den Einzelhandel zu unterstützen“, appelliert er. „Das ist wichtig, damit unsere Gemeinden lebendig und lebenswert bleiben“, meint er. Schwarme verliert mit der Apotheke eine wesentliche Einrichtung der lebendigen und lebenswerten Gemeinde.

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