TV-Beitrag zeigt Wirkung

Hermann Meyer-Toms sucht noch immer Nachfolger für seinen Biolandhof

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Hermann Meyer-Toms gibt sein Wissen gerne an einen möglichen Nachfolger weiter. Zum Beispiel wie Porree aussieht, bevor er in der Ladentheke liegt.

Schwarme - Von Vivian Krause. Ist das der Hof, der vor Kurzem im Fernsehen zu sehen war? Diese Frage mag sich der Fahrer des Autos stellen, das langsam auf der schmalen Straße am Biolandhof Meyer-Toms in Schwarme vorbeifährt. Kurze Zeit später kommt eben dieser Wagen aus der entgegengesetzten Richtung zurück. Kein Einzelfall, betont Hermann Meyer-Toms. „Vielleicht wird es Zeit, mal Autogramme zu geben“, scherzt er. Der Grund: ein Beitrag im NDR zur Suche nach einem Hofnachfolger.

„Meine Kinder wollen keine Landwirtschaft machen“, sagt Hermann Meyer-Toms. Dabei schaut er gedankenverloren durch die Glasscheiben des Hofcafés. Leben auf dem Hof, Kinder, die herumrennen – das ist es, was sich der 64-Jährige für die Zukunft des Biolandhofs wünscht. Weiter sagt er: „Der Hof ist ein Stück weit meine Pflicht.“ Dieser ist etwa seit 1624 in Familienbesitz, schätzt der Landwirt. Jede Generation habe einen kleinen Teil zum Betrieb beigetragen. Seit rund 30 Jahren wird er nun ökologisch bewirtschaftet. „Ein Bruch wäre schade“, sind sich Hermann Meyer-Toms und seine Frau Jutta Grabowski einig.

Fernsehbeitrag hat die Tochter ins Grübeln gebracht

„Meine jüngste Tochter hat jetzt Interesse geäußert“, sagt Meyer-Toms lächelnd. So viel hat der rund 45-minütige Beitrag, der im NDR ausgestrahlt wurde, also doch gebracht.

Ein Rückblick: Im Oktober schaltete Meyer-Toms online eine Anzeige. Er suchte einen Hofnachfolger. Durch diese wurde der NDR auf den Schwarmer Betrieb aufmerksam. Bei den Dreharbeiten im März zur Serie „Mein Traum von Hof“ haben Meyer-Toms und seine Frau Jutta Grabowski zwei mögliche Nachfolger empfangen. Zum einen waren das Michael, Anne und Anna-Lena, eine Familie aus Münster. Der erste Eindruck vom Hof war „interessant“. Interessant war dann aber auch der Abgang. Anne fühlte sich der Arbeit nicht gewachsen, und da es eine Familien- und keine Mehrheitsentscheidung sei, einen Hof zu übernehmen, verabschiedeten sich die Drei.

Hofcafé, -laden, Gewächshäuser und 50 Hektar Felder

Anders verhielt es sich mit zwei Kanadiern. Die Quereinsteiger Thomas und Veronika waren hin und weg von dem Hof. Sie schliefen in einem Bauwagen auf dem Gelände und fühlten sich direkt wohl. Dass den beiden Künstlern das Fachwissen fehlt, war allen bewusst. Dennoch schien die Chemie zu stimmen. Abends musizierten die vier sogar gemeinsam. Bis Mitte Mai waren Veronika und Thomas auf dem Hof. „Jetzt machen sie vielleicht wieder Musik“, sagt Hermann Meyer-Toms bei einem Gespräch nach der Ausstrahlung der Sendung.

Doch was würde der Nachfolger überhaupt übernehmen? Neben einem Hofcafé und einem Hofladen gibt es außerdem rund 50 Hektar Felder und etliche Gewächshäuser. Sämtliches Gemüse wird nach Biostandards hergestellt. „Das ist sehr arbeitsintensiv“, betont Meyer-Toms. Heißt: Arbeit gibt es immer, Feierabend hingegen nie so richtig.

Nachfolge innerhalb der Familie ist größter Wunsch Meyer-Toms

Früher gab es auf dem Hof in Schwarme noch Tierhaltung. „Ich bin mit Kühemelken, Schweinemisten und Eiersuchen aufgewachsen“, sagt Meyer-Toms. Nachdem er den Hof dann von seinem Vater übernommen hatte, begannen 1985 die ersten Schritte in Richtung Gemüseanbau. Vor rund zehn Jahren verschwanden dann die letzten Tiere vom Hof. „Man kann nicht alles schaffen“, sagt der 64-Jährige. Vor allem nicht alleine: Unterstützt werden Meyer-Toms und seine Frau von fünf Mitarbeitern sowie Praktikanten und Studenten. Auch Juttas Sohn Grischa Grabowski hilft auf dem Hof. Die Übernahme sei aber kein Thema, sagt Jutta Grabowski.

Zurück zum Interesse der Tochter. Marie Spiekermann wohnt derzeit mit ihrem Mann und ihrem Kind in Oldenburg. Der Beitrag scheint in ihr etwas bewirkt zu haben. „Wir hatten da nie so richtig drüber geredet“, sagt Meyer-Toms. Dennoch wäre eine Nachfolge innerhalb der Familie der größte Wunsch. „Wir sind mit dem Hof verwachsen“, sagt er. „Ich will aufhören, aber der Hof soll nicht aufhören.“ Und es wäre zudem schön, weiterhin eine Funktion auf dem Hof zu haben.

Drei Optionen für die Zukunft

Für Meyer-Toms gibt es daneben drei Optionen: Es findet sich ein Nachfolger, und er gibt somit die Verantwortung für den Hof in neue Hände. „Verantwortung gebe ich jetzt schon ab“, sagt Meyer-Toms und vergleicht sein Team mit einer Fußballmannschaft. Er ist in der Metapher der Trainer, derjenige der den Überblick behält, koordiniert, aber eben nicht mehr 90 Minuten auf dem Spielfeld steht.

Eine weitere Option wäre, den Betrieb als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) weiterzuführen. Meyer-Toms würde dann aber nicht die Mehrheit der Anteile haben, erklärt er.

Der dritte Weg ist die Übergabe der Flächen an andere Betriebe und den Hofladen und das Café zu behalten.

Der Beitrag ist in der NDR- Mediathek zu finden.

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