Schulleiterin verlässt Oberschule

Schulbehörde rechtfertigt kurzfristige Abordnung als unumgängliche Maßnahme

Frau sitzt lächelnd an einem Schreibtisch.
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Vor drei Jahren übernahm Natascha Rogge gut gestellt ihr Amt.

Samtgemeinde – Natascha Rogge, seit drei Jahren Leiterin der Oberschule (OBS) in Bruchhausen-Vilsen, verlässt ihren Schreibtisch. Kurzfristig. Kollegium, Schüler, Eltern, Schulträger und Politik trifft die Nachricht völlig unerwartet. Das ist eine unumgängliche Maßnahme, rechtfertigt das Regionale Landesamtes für Schule und Bildung (RLSB).

Update vom 19. März: Samtgemeinde – Die Geheimniskrämerei um die kurzfristige Abordnung der Oberschulleiterin Natascha Rogge zur Schulbehörde (wir berichteten) sorgt für reichlich Spekulationen. „Was ist denn bei euch schon wieder los?“, diese Frage höre er seit Tagen, nicht nur von Eltern, sondern auch im Ort, sagt Jürgen Schiffbach. Er ist eine von drei Lehrkräften, die die Leitung der OBS ab sofort übernehmen.

Schulleiterin geht mitten im Halbjahr

Die stille Post will wissen, es gibt Ärger im Kollegium. „Das ist absoluter Quatsch“, sagt Jürgen Schiffbach, hörbar verärgert über das Gerede in der Gerüchteküche. Als neue Schulleiterin habe Natascha Rogge vor drei Jahren neue Ideen mitgebracht, die auch mehr Arbeit bedeutet hätten, doch der Kontakt zur Schulleitung sei gut. „So gut wie er sein soll“, sagt der langgediente Lehrer und frühere Konrektor. „Natascha Rogge hat hier für alle ein offenes Ohr und eine immer offene Tür. Sie ist morgens die Erste und nachmittags die Letzte im Haus“, führt er aus.

„Im Kollegium der Oberschule Bruchhausen-Vilsen gibt es keine ,erheblichen Unstimmigkeiten‘, die mich dazu bewegen, die Abordnung anzunehmen“, schreibt sie auf eine entsprechende Nachfrage zu ihrem überraschenden Verlassen der Schule. „Ich bin beziehungsweise war sehr gerne Schulleiterin an der OBS“, heißt es weiter.

Genau das macht den Unmut vor allem aus dem Kollegium nachvollziehbar. „Hier läuft es gut. Die Kollegen sind sauer, weil eine Vakanz an der Behörde sofort besetzt wird, während hier eine Lücke gerissen wird“, berichtet Jürgen Schiffbach von der Stimmung, nachdem Natascha Rogge ihr Kollegium Anfang März mit der Tatsache konfrontiert hatte, die Schule noch vor den Osterferien zu verlassen.

Mit Tatsache konfrontiert

Gegen sie als Person richte sich das nicht, betont er. Obwohl sie weder dem Kollegium noch auf eine wiederholte Anfrage etwas zu ihren Beweggründen sagt, sei dem engeren Leitungsteam bekannt gewesen, das sie sich grundsätzlich für die Arbeit in der Behörde interessierte. „Vom Zeitpunkt bin ich allerdings überrascht“, sagt Jürgen Schiffbach. Hätte der Wechsel mit den Sommerferien stattgefunden, wäre das nicht groß diskutiert worden. „Wir hätten sie gerne auch kollegial verabschiedet“, meint Schiffbach. Mitten im Halbjahr, mitten in der Corona-Pandemie mit ihren nahezu täglich wechselnden Anforderungen an die Schulleitung, kurz vor den Abschlussprüfungen – „für diese Zeitplanung habe ich kein Verständnis“, meint Jürgen Schiffbach. Seine Kritik richte sich vor allem gegen diesen Ablauf.

Die Schulbehörde hatte ihn, Friederike Heyne und Frauke Hermes als Vertreter für Natascha Rogge benannt. „Frau Hermes verlässt die Schule im Sommer“, relativiert er. Diese „Lösung“ der Behörde sei aus seiner Sicht damit keine.

Wiederbesetzt werden kann die Stelle der Schulleitung zunächst nicht: Bis Ende des Jahres gilt sie als besetzt, weil Frau Rogge abgeordnet, aber nicht versetzt wird. Frühestens Anfang 2022 könne die Stelle ausgeschrieben werden, sagt Behördensprecherin Bianca Trogisch auf Nachfrage.

Schulträger informiert Minister

Während die Oberschule ab sofort mit kommissarischer Führung da steht, ist die Lage an der benachbarten Grundschule Bruchhausen-Vilsen umso dramatischer. Sie ist praktisch führungslos. Der Schulleiter kann sein Amt seit Längerem schon nicht wahrnehmen, seine Stellvertreterin wechselt zum 1. April an eine Schule nach Schleswig-Holstein. „Die Aufgaben der Konrektorin wird eine Lehrkraft aus dem Kollegium übernehmen“, kommentiert das die Pressestelle in Lüneburg. Zur Behauptung in einem Leserbrief, Natascha Rogge sei wegen dieser Situation an der Grundschule als Ansprechpartnerin vorgesehen gewesen, sagt die Sprecherin, das treffe nicht den Sachstand. „Die Leitungsverantwortung in der Grundschule Bruchhausen-Vilsen ist klar geregelt“, teilt Bianca Trogisch mit.

Kein Wort davon, dass der Schulleiter derzeit gar nicht im Haus ist. „Im Falle eines längerfristigen Ausfalls des Schulleiters der Grundschule Bruchhausen-Vilsen unterstützt Herr Wittmershaus als erfahrender Schulleiter der Grundschule Asendorf die Grundschule Bruchhausen-Vilsen“, heißt es aus Lüneburg, als handele es sich um einen hypothetischen Fall.

„Wir halten sowohl Zeitpunkt als auch Umgehensweise für unglücklich“, sagt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann nach einer Debatte am Donnerstag im nicht-öffentlich tagenden Samtgemeindeausschuss aus Sicht des Schulträgers. In dieser Funktion habe er keine Einflussmöglichkeit auf die Stellenbesetzung, „aber wir haben uns entschieden, Kultusminister Grant Hendrik Tonne diese Entwicklung vorzutragen“, kündigt er ein Schreiben der Samtgemeinde nach Hannover an.

Leitungsverantwortung geregelt

„In der Außenstelle Syke des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung sind von insgesamt fünf Stellen schulfachlicher Dezernenten derzeit drei Stellen besetzt. Um den Aufgaben und der Verantwortung in der Beratung und Unterstützung der Schulen, aber auch der Eltern und Schüler, insbesondere in der andauernden Corona-Lage gerecht werden zu können, bedarf es dieser Maßnahme“, nimmt Bianca Trogisch Stellung zu der überraschenden Abordnung der Bruchhausen-Vilser Schulleiterin. Die Abordnung von Frau Rogge sei eine unumgängliche Maßnahme, um alle Schulen im Zuständigkeitsbereich letztlich zum Wohle der Schüler bestmöglich und persönlich zu begleiten, so die Sprecherin. Die OBS werde von Frau Rogge auch aus ihrer neuen Funktion heraus unterstützt und eng begleitet. „Vor Ort wird ein erfahrenes Team die Leitung der Schule übernehmen, sodass in Abwägung der Argumente dieser Schritt in der Gesamtverantwortung für die Region und bei allem Respekt für die insgesamt herausfordernde Situation auf allen gesellschaftlichen Ebenen verantwortbar ist“, rechtfertigt sie.

Beitrag vom 12. März: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Entscheidung“, sagt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann im Gespräch mit der Kreiszeitung.Denn die 48-Jährige übernimmt nicht etwa die Leitung einer anderen, größeren Schule, sondern sie wechselt zum Regionalen Landesamt für Schule und Bildung (RLSB), also zur Schulbehörde. Voraussichtlich ab 22. März nehme sie in Syke die Aufgaben einer schulfachlichen Dezernentin wahr, sagt Behördensprecherin Bianca Trogisch auf Nachfrage.

Abordnung noch im März

Natascha Rogge habe Interesse an dieser Stelle bekundet, heißt es aus Lüneburg. Sie selbst stand gestern für ein Gespräch nicht zur Verfügung. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, darf ich keine Auskunft geben“, beantwortete sie eine Anfrage.

Behörde schafft Vakuum an Schule

Schulträger, Kommunalpolitiker und auch Elternvertreter gehen davon aus, dass in Syke eine vakante Stelle mit der Schulleiterin aus Bruchhausen-Vilsen besetzt werde. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass man hier ein Vakuum schafft, um dort eine Stelle bis zum Jahresende zu besetzen“, sagt Bernd Bormann. Als Schulträger habe die Samtgemeinde auf Personalentscheidungen dieser Art jedoch keinerlei Einflussmöglichkeiten.

Offiziell sei er von dieser Entwicklung noch nicht informiert worden, so der Samtgemeindebürgermeister in einem Gespräch gestern Mittag. Der Syker Dezernent Mario Hippenstiel habe lediglich Fachbereichsleiterin Cattrin Siemers in einem Telefonat am 2. März in Kenntnis gesetzt. Diesen Weg finde er „eigenartig“, sagt Bormann. Natascha Rogge habe ihn jetzt für die kommende Woche um ein Gespräch gebeten, um sich zu verabschieden.

Schulleiterin wird an Schule gebraucht

„Als Schulträger bedauere ich sehr, dass sie uns jetzt verlässt. In den vergangenen drei Jahren hat sie hier eine super Arbeit geleistet und mit uns toll zusammengearbeitet“, bescheinigt er. Dass in der „jetzigen Zeit“ zugunsten einer freien Dezernentenstelle entschieden werde, während die Folgen der Corona-Pandemie die Schulen an ihr Limit bringen, erschließe sich ihm nicht. „Frau Rogge wird an dieser Schule sicherlich deutlich mehr gebraucht“, sei seine persönliche Meinung.

Bianca Trogisch hingegen betont, es handele sich nicht um eine Versetzung, sondern um eine zeitlich befristete Abordnung, voraussichtlich bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Nach Auskunft der Pressestelle übernehme Konrektorin Friederike Heyne die Schulleitung, unterstützt werde sie von der didaktischen Leiterin Frauke Hermes sowie von Jürgen Schiffbach. Das Team Heyne/Schiffbach hatte die OBS bereits während der fast dreijährigen Vakanz vor Amtsantritt von Natascha Rogge kommissarisch geleitet. „Ich habe 100-prozentiges Vertrauen darauf, dass das in dieser Besetzung gut laufen wird“, sagt Bormann den Vertretern – erneut – die Unterstützung des Schulträgers zu.

Bis Februar 2018 übernahmen Friederike Heyne und Jürgen Schiffbach die Schulleitung kommissarisch, bevor Natascha Rogge vor drei Jahren die Stelle offiziell übernahm. Bis jetzt. Auf dieses Wechselspiel angesprochen, sagt Bianca Trogisch: Von einem steten Wechsel könne hier nicht die Rede sein. Die Schulleitung sei immer mindestens kommissarisch besetzt gewesen.

Da es sich um eine Abordnung handle, die grundsätzlich immer zeitlich begrenzt sei, gelte die Stelle an der OBS nicht als vakant, sondern mindestens bis Jahresende als besetzt, erläutert Bianca Trogisch. „Frau Rogge kann somit nach derzeitigem Stand zum 1. Januar 2022 in ihre Position als Schulleiterin der OBS Bruchhausen-Vilsen zurückkehren“, sagt sie.

Elternvertreter enttäuscht

„Ich bin überrascht und enttäuscht“, sagt Elternvertreter Michael Dunekacke. Vor allem darüber, dass Natascha Rogge selbst Interesse an der Abordnung bekundet habe. „Die Abordnung blockiert die Stelle“, weiß er. „Das finde ich der Schule, den Schülern und den Eltern gegenüber verantwortungslos“, macht er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Die OBS hat in den vergangenen Jahren viel durchgemacht“, erinnert Dunekacke an Schulleiterwechsel, die jahrelangen Umbaumaßnahmen und jetzt die Pandemie. „Wir Eltern haben immer um die Besetzung der Schulleiterstelle gekämpft.“ Die Zusammenarbeit mit Natascha Rogge habe Spaß gemacht. Sie habe ihn persönlich von ihrer Abordnung informiert, jedoch nicht kundgetan, dass sie auf eigenen Wunsch nach Syke wechsele.

Ohne Nennung von Gründen

Eltern und Schüler hat Natascha Rogge am 8. März ein kurzes Schreiben zukommen lassen, dass der Redaktion vorliegt. „Ich möchte mich von euch und ihnen verabschieden, da ich bis auf Weiteres … abgeordnet werde“, heißt es darin denkbar knapp. Sie informiert in einem Satz auch über die Vertretungsregelung. Zu Gründen ihres, wenn auch zeitlich begrenzten, Weggangs aus Bruchhausen-Vilsen nennt sie auch in diesem Brief keine Gründe.

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