Gymnasium mit aufgebaut

Heinrichs geht in Pension: Zwischen Melancholie und Vorfreude

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Reinhard Heinrichs war immer gerne Lehrer. „Mein Beruf war meine Berufung“, sagt er.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Reinhard Heinrichs hat einen Plan: „Für das nächste halbe Jahr nehme ich mir fest vor, nichts zu planen“, sagt der 67-Jährige. Zweieinhalb Jahre länger als üblich hat er gearbeitet, aber mit Ende dieses Schuljahrs ist Schluss: Dann geht der Schulleiter des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen in den Ruhestand. „Die Freude überwiegt“, sagt er. „Aber mir wird auch etwas fehlen.“

Heinrichs hat das Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen mit aufgebaut, das im Sommer 2004 als Außenstelle des Sulinger Gymnasiums startete. Zwei Jahre später wurde es eine eigenständige Schule und Heinrichs der Leiter.

Der Weyher ist froh, sich für die Schule in Bruchhausen-Vilsen entschieden zu haben. Er habe damals auch ein Angebot aus Syke gehabt. „Aber der Reiz hat überwogen, ein neues Gymnasium mit zu schaffen und zu gestalten.“ Jahrzehntelang seien die Gymnasiasten aus Bruchhausen-Vilsen vorher in Verden, Syke und Nienburg zur Schule gegangen. „Wir mussten sie erst mal für das neue gymnasiale Angebot in Bruchhausen-Vilsen begeistern“, sagt Heinrichs. „Das war nicht so leicht. Aber wir haben es gut hingekriegt. Wir haben hier ein sehr gutes Team.“

84 Lehrkräfte hat Heinrichs in seiner Zeit als Schulleiter eingestellt. „Immer qualitativ hochwertige Leute“, sagt er. Die Nähe zu Bremen sei ein Vorteil, das Gymnasium in Bruchhausen-Vilsen für viele Bewerber attraktiv. „Ich sehe es als großen Erfolg, dass wir als kleine Schule mit knapp über 700 Schülern immer alle Stellen besetzen konnten.“

Ein Meilenstein sei die Einführung der Oberstufe gewesen. „Es wäre nicht schülerfreundlich, wenn die Jugendlichen die Schule wechseln müssten, um Abitur zu machen“, sagt Heinrichs. Er setzte sich zusammen mit Ex-Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch und Ex-Landrat Gerd Stötzel beim Kultusministerium ein – mit Erfolg. 2011 hieß es erstmals in Bruchhausen-Vilsen: „Wir können Abi!“.

Die Hochbegabtenförderung, die Antifa-AG, Kunst- und Theaterprojekte, die musikalische Förderung mit Freizeiten, Bläserklassen und Big Band, Kooperationen mit Vilsa-Brunnen, dem Kinderhospiz Löwenherz in Syke und Sportvereinen – diese und viele andere Angebote bereichern das Schulleben am Gymnasium, findet Heinrichs. „Außerdem haben wir Spanisch in der Oberstufe eingeführt und die Weichen dafür gestellt, dass es künftig ab Klasse sechs unterrichtet werden kann“, ergänzt er. Auch die Einführung von Sport als Leistungsfach mache die Oberstufe noch etwas attraktiver.

„Ich habe mich in Bruchhausen-Vilsen immer sehr wohl gefühlt“, sagt der Direktor. Er lobt die Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Schulleitung, dem Kollegium, den Eltern und Schülern sowie der Samtgemeinde als Schulträgerin. „Zusammen konnten wir ein hochwertiges Bildungsangebot im ländlichen Raum schaffen.“

Mehr als 40 Jahre lang hat Heinrichs unterrichtet. Von der Tafel zum Smartboard, vom Frontalunterricht zur Gruppenarbeit – in dieser Zeit hat sich viel verändert. Eins aber ist geblieben: „Ich hatte immer nette Schüler“, sagt er. „Ich freue mich immer, wenn ich sie wiedertreffe und sie mich erkennen.“

Nach dem Studium und dem Referendariat beschloss der gebürtige Bremer, in Niedersachsen zu arbeiten. „Ich wurde ausgelacht“, erzählt er schmunzelnd. „Damals hatte man in Bremen eine gewisse Überheblichkeit.“ Bereut hat er die Entscheidung nie.

1978 trat Heinrichs eine Stelle am Gymnasium Syke an, zehn Jahre später wechselte er als Oberstufenkoordinator nach Sulingen – bis Bruchhausen-Vilsen 2004 seine neue und letzte Station wurde.

Im September wird Heinrichs 68, normalerweise werden Lehrer spätestens mit 65 pensioniert. „Ich durfte länger arbeiten“, sagt er und freut sich, dass das Kultusministerium seine Verlängerung befürwortete. Sein Beruf sei für ihn auch Berufung gewesen. „Ich habe immer sehr gern mit Kindern gearbeitet.“ Sein Vater, ein renommierter Jurist, hätte den jungen Reinhard gerne in seine Fußstapfen treten sehen. Aber für den Sohn stand schnell fest: Lehrer wollte er sein. „Ich habe ein Herz für Kinder“, sagt er. Schon während seines Studiums half er an der Orientierungsstufe Heiligenrode aus, an der auch seine Frau arbeitete. „Das hat mir unwahrscheinlich viel Spaß gemacht.“

Geärgert haben ihn die vielen von den wechselnden Landesregierungen beschlossenen Reformen. „Wir mussten das Kollegium von G-9 nach G-8 bewegen – und dann wieder zurück zu G-9“, sagt er beispielhaft und wünscht dem Bruchhausen-Vilser Gymnasium „mal fünf – zehn wären sicher zu hoch gegriffen – Jahre ohne Reformen, damit es in Ruhe arbeiten kann“. Ein schwieriges Thema sei auch immer wieder phasenweise die Unterrichtsunterversorgung gewesen. Heinrichs: „Das Problem kann nicht gelöst werden, weil den Schulen kein Reservepool zur Verfügung gestellt wird.“

Was wird ihm im Ruhestand besonders fehlen? „Die Arbeit im Schulleitungsteam, das sehr harmonisch zusammengewachsen ist. Und die Freude der Schüler, wenn es gelingt, das Angebot der Schule zu erweitern“, antwortet er und lacht. „Oder, ganz banal, wenn es hitzefrei gibt.“

Mit Blick auf die bevorstehende Pensionierung sei er „mal sentimental bis melancholisch“, verspüre aber auch Vorfreude, sagt der Vater zweier erwachsener Söhne. Ab diesem Sommer wird er mehr Zeit haben für seine Familie. „Meine Frau hat mich mit Sicherheit von allen am meisten unterstützt“, ist er dankbar. Und auch seine beiden Enkel sind glücklich, ihren Opa in Zukunft häufiger zu Gesicht zu bekommen. Ansonsten joggt Heinrichs jede Woche etwa 25 Kilometer und macht gerne Urlaub am Meer. „Vielleicht spiele ich auch ein paar mehr Tennis-Turniere“, überlegt er. Aber abwarten, erst mal bleibt er bei dem Plan, keinen Plan zu haben.

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