Dem Schreiben verschrieben

Autor Horst Friedrichs spricht über Anfänge - und liest diese vor

Horst Friedrichs las in Robberts Huus aus verschiedenen Werken - unter anderem aus „Schreie aus dem Jenseits“ aus der „Horrorzone“-Reihe. Foto: Vivian Krause
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Horst Friedrichs las in Robberts Huus aus verschiedenen Werken - unter anderem aus „Schreie aus dem Jenseits“ aus der „Horrorzone“-Reihe.

Schwarme - Von Vivian Krause. Er komme nah an den Dichter Johann Wolfgang von Goethe, aber nicht an den Philosophen Karl Marx heran, sagte Hermann Schröder, Vorsitzender des Heimat-, Umwelt- und Kulturvereins „Eule“, scherzhaft vor „exklusiver Runde“ bei einem Vortragsabend in Robberts Huus in Schwarme. Und meinte damit Horst Friedrichs aus Hoya, der mehr als 650 Werke veröffentlicht hat. Darunter 350 Jerry-Cotton-Heftromane.

Insgesamt sind es über 3 000 Geschichten des FBI-Agenten Jerry Cotton, die mittlerweile veröffentlich worden sind. Friedrichs ist laut Schröder nicht nur derjenige Autor, der die meisten Cotton-Romane verfasst hat, sondern auch derjenige, der am längsten für die Reihe schrieb. Nämlich seit 1967. Doch Friedrichs war nicht der einzige Autor der Reihe. Er schätzt, dass es mehr als 150 sind. Zuletzt veröffentlichte Friedrichs 2018 zwei neue Romane, die Nummern 3200 und 3201. In diesen brachte er Cotton zurück nach New York. Denn: Der Agent war zuvor für einige Zeit zum Ermitteln in Washington.

In den Romanen muss es direkt losgehen, sagt Friedrichs, der lieber amerikanische als deutsche Krimis liest und schaut. In deutschen Werken sei es oft so, dass sie nach dem „Whodunit“-Prinzip, also dem „Wer hat es getan“-Prinzip, aufgebaut sind. Zu Beginn gibt es eine Leiche und dann wird der Mörder gesucht. Bei Jerry-Cotton-Romanen hingegen gebe es immer mehrere Handlungsstränge, mehrere Ebenen. Dies bilde „ein viel spannenderes Geschehen“, sagte Friedrichs.

Sein Name versteckt sich sowohl hinter den Cotton-Romanen als auch hinter dem Pseudonym Kenneth Roycroft. Dabei handelt es sich um den Nachnamen seiner Frau Helen. Sie begleitete ihn zwar zur Lesung in Schwarme, jedoch nie auf eine seiner Reisen nach New York. Dort war der Autor mehrere Male - er schätzt bis zu sechs Mal –, um für die Romane zu recherchieren.

Die erste dieser Reisen war im Jahr 1973, gemeinsam mit Peter-Schmidt Bormann. Bormann - Vorsitzender des Kultur- und Kunstvereins (KuK) der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen - war einer der Zuhörer in Schwarme. Friedrichs und Bormann erlebten in New York filmreife Situationen. Sie begleiteten Cops für acht Stunden auf Streife. Unter anderem waren sie dabei, als vermeintliche Verbrecher in einer Wohnung aufgespürt werden sollten. „Wir mussten immer mit dem Rücken an der Wand entlang gehen“, erinnerte Friedrichs sich. Auch lernten sie, dass die Cops niemals frontal vor einer Haustür stehen. Denn: Die Gangster schießen zuerst durch die Tür. Bei „ihrer Streife“ hingegen, waren die Verdächtigen nicht mehr in der Wohnung, nur das Fenster stand auf und eine noch qualmende Zigarette erinnerte an die einstige Anwesenheit der Verbrecher.

Um Verbrechen geht es auch in den Romanen. Obwohl er in New York war, legt der Autor Wert darauf, dass die Schriftstücke keine Reiseführer werden. Die Eindrücke seien dermaßen prägend, dass man sich leicht verleiten lassen könne, über bestimmte Straßen zu schreiben. „Wenn du über eine Stadt schreiben willst, fahr niemals hin“, nannte Friedrichs einen Grundsatz unter den „Unterhaltungsschreibern“.

Nicht nur durch Ausflüge nach Amerika, auch durch intensive Recherchen zum New York Police Department (NYPD) und FBI (Federal Bureau of Investigation, etwa: Bundesamt für Ermittlung) schaffte Friedrichs die Grundlagen für den Romanhelden Cotton. „Bei meinen Cotton-Romanen gleicht keiner dem anderen“, sagte Friedrichs.

Hefte von anderen Jerry-Cotton-Autoren liest er eher sporadisch: Oft die erste Seite, und „wenn es ganz spannend ist“ auch ein ganzes Heft. Er selbst habe teilweise bis zu drei Jerry-Cotton-Heftromane pro Monat geschrieben. Für Taschenbücher brauche es mehr Zeit.

„Mein Geschäft war die Dauerhaftigkeit und, sich auf verschiedene Beine zu stellen“, sagte Friedrichs. Er machte im Rahmen des rund dreistündigen Vortragsabends in Schwarme nicht nur deutlich, wie vielfältig sein bisheriges Lebenswerk ist, sondern auch, wie wichtig der Anfang eines Romans ist. Mit dem Anfang müsse der Autor den Leser davon überzeugen, dass es ein Roman ist, den er kaufen muss. Bei Jerry-Cotton-Romanen beispielsweise seien diese „kurz und knackig“, in „Der Millionär aus dem Zuchthaus“ ist der Einstieg bereits ausführlicher, ebenso wie im Taschenbuch „Brooklyn-Bastards“. Dies machte Friedrichs für die Zuhörer greifbar, indem er die Anfänge vorlas. „Eine ganz andere Geschichte“, wie er sagte, sind die Romane zur Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“. „Schwer zu vergleichen mit Cotton“, meinte Friedrichs.

Er liebt nicht nur das Schreiben, sondern auch die Musik. Friedrichs ist leidenschaftlicher Jazz-Posaunist, spielte unter anderem in der Band „Middlestreet Jazzmen“ mit Mitgliedern aus Verden, Syke, Weyhe und Hoya. Diese finden sich im Übrigen auch in einem seiner Jerry-Cotton-Werke („Blues und blaue Bohnen“) wieder. Die Namen der Mitglieder wandelte er ab, ließ sie nach New York reisen und verwickelte sie in einen Kriminalfall. Das Schöne an den Romanen sei laut Friedrichs, dass der Rahmen - Schauplatz, Personen, Art der Verbrechen - „unendliche Möglichkeiten“ biete.

Die Jerry-Cotton-Romane von Friedrichs sind nie verfilmt worden. Die Grundlage dafür haben laut ihm Drehbuchautoren geschrieben. Doch durch diese hat die Romanfigur Cotton letztlich ein Gesicht bekommen. „George Nader war der personifizierte Cotton“, sagte Friedrichs, der den Schauspieler persönlich kennengelernt hat. Doch an diesem Abend war nicht Nader, sondern Horst Friedrichs - zumindest für Hermann Schröder - der personifizierte Jerry Cotton.

Zur Person

Horst Friedrichs ist 1943 in Hamburg geboren. Er machte eine Lehre bei einer Hamburger Firma als Import- und Exportkaufmann. Dann kam er 1966 zur Zeitung und begann, als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Durch eine Annonce stieß er auf eine Anzeige des Bastei-Verlags. Dieser war auf der Suche nach Jerry-Cotton-Autoren. Seitdem schrieb Friedrichs für die Reihe. Zudem veröffentlichte er zahlreiche weitere Werke: Westernromane, Gangsterkrimis, Romane zu Fernsehserien, Sachbücher, Thriller – und mit Opferwissen einen „WeserKrimi“, der unter anderem in Nienburg, Hoya und Eystrup spielt. Das Gesamtwerk des Autors beläuft sich auf mehr als 650 Titel – exklusive Übersetzungen. Heute arbeitet er als freier Mitarbeiter bei der Kreiszeitung. Und schließt weitere Romane nicht aus.

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