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Elke Igwerks und Bernd Witte aus Asendorf heiraten am 22.2.22

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Paar vor einem blühenden Busch
Elke Igwerks und Bernd Witte heiraten am 22.2.22. © Oliver Siedenberg

Asendorf – Sie hat es mit Zahlen. Da musste er nicht lange überlegen: Wenn sie heiraten, dann an einem besonderen Datum. 22.2.22. Mehr gleiche Zahlen auf der Heiratsurkunde sind in diesem Leben nicht möglich. Bevor er seiner Zukünftigen den Antrag machte, hatte er diesen Termin beim Standesamt reserviert. Wenn schon, denn schon. Heute sagen Elke Igwerks und Bernd Witte ganz offiziell „Ja“ zueinander.

Beide haben schon Ehen hinter sich, beide haben erwachsene Kinder aus diesen Ehen, beide sind 58 Jahre alt. „Den ganzen Schnickschnack einer grünen Hochzeit brauchen wir nicht mehr“, waren sie sich einig, als er sie an einem Abend im Herbst vergangenen Jahres fragte: „Willst Du meine Frau werden“. Für Elke hatte es keinen Grund gegeben, mit der Antwort auch nur zu zögern. Dass Bernd sich aber auch um den Termin Gedanken gemacht hatte, war das i-Tüpfelchen einer Beziehung, die sich – natürlich – so unverhofft wie einzigartig ergeben hatte und heute in dem gegenseitigen Versprechen mündet: „Ich vertraue Dir und will für Dich da sein. Mit all Deinen Macken. Darauf kannst Du Dich verlassen“.

Gleich alt und gar nicht weit von einander aufgewachsen, kennen sich die beiden seit der Schulzeit. „Damals wären wir nicht zusammengekommen“, sind sie sich bei der Erinnerung an ganz unterschiedliche Freundeskreise einig. Ein Notfall sorgte nach Jahrzehnten für ein Wiedersehen, das ihr Leben noch einmal auf den Kopf stellte. Der Asendorfer brauchte ein Medikament und hielt an der nächstgelegenen Apotheke – das war ausnahmsweise nicht „seine“ im Ort, in der er Stammkunde ist, sondern „ihre“ Lindenberg-Apotheke in Vilsen, in der sie hinter dem Tresen zum Inventar gehört.

Mit einem Medikament allein ist diesem Kunden nicht geholfen, das spürte die emphatische Fachkraft. Da sie sich seit Jahrzehnten kannten, bot sie dem Schulfreund an: „Wenn Du mal reden möchtest, melde Dich“. Vier Wochen brauchte es, bis Bernd auf dieses Angebot zurückkommen konnte und wollte. „Ich hatte einiges hinter mir“, erzählt er, jetzt ganz gelöst, über „eine schwierige Zeit“. Bei einem Glas Wein redeten die beiden. „Ein wunderbarer Abend“, erinnern sie sich ganz genau. Ein weiterer, umso längerer Abend mit Wein und Gesprächen folgte. Am 16.6., hat Elke nicht vergessen. „Dann war alles klar. Wir waren zusammen“, berichtet sie. An einem 28.8. stellten sie dann die Weichen für die gemeinsame Zukunft, auch das weiß Elke, die an einem 7.7. auf die Welt kam, noch genau und wirft ihrem Zukünftigen einen Luftkuss zu.

Diese beiden sind verliebt, vertraut, glücklich. Das bemerkt selbst ein Außenstehender, ohne dass große Worte gemacht werden. Für Schnickschnack sind sie eben nicht. Heute heiraten sie im kleinen Kreis. Die engste Familie und Trauzeugen finden sich an der Behlmer Mühle ein, wegen der Corona-Auflagen dürfen aber nur zehn Personen einschließlich Brautpaar das Trauzimmer betreten. Sie wird ein bodenlanges rotes Abendkleid tragen, er seinen grauen Anzug mit einem neuen schwarzen Hemd. Weißes Kleid, Maßanzug, alles bis ins Detail geplant – „Das hatten wir beide schon“, winkt der Bräutigam ab. „Bei uns ist alles so richtig stimmig“, freut sich die Braut über die Beziehung, die seit dreieinhalb Jahren reift. „Wir halten es unkompliziert, dann kann nichts schiefgehen und niemand ist enttäuscht“, lehrt ihn die Lebenserfahrung, diesen besonderen Tag ohne überzogene Erwartungen anzugehen. Und doch, so ganz ohne Rituale wollen sie sich nicht trauen.

Es gab einen fröhlichen Mädelsabend und einen Junggesellenabschied mit befreundeten Paaren. „Endlich mal eine Gelegenheit, sich zu treffen“, freut sich Elke, dass die Pandemie-Auflagen jetzt zumindest ein kleines Fest erlauben. Im Sommer wollen sie Haus und Garten zu einer Party öffnen. „Da kommen bestimmt 100 oder 200 Gäste zusammen“, überschlagen sie den großen Freundeskreis und sind zuversichtlich, dass das dann möglich sein wird. Ihr Glück wollen sie feiern.

Mit einem Verlobungsring hielt der Schornsteinfegermeister formvollendet auf dem Sofa im gemeinsamen Zuhause um ihre Hand an. Die ersten Gratulanten waren ihre beiden quirligen Hunde. Mit Ringen, die sie gemeinsam sorgfältig ausgesucht haben, wollen sie besiegeln, was sie aneinander haben – Einen Menschen, auf den sie sich verlassen wollen und können. Zum Essen laden sie ihre kleine Gesellschaft ins Forsthaus auf den Heiligenberg ein, dort ist Elke groß geworden. „Das ist wie Nachhausekommen“, freut sie sich auf den Tag, an dem sie sich verwöhnen lässt. Dass seine Frau es an diesem 22. Februar warm hat, dafür sorgt Bernd mit einem Erbstück: Elke wird die Nerz-Stola seiner Mutter tragen.

Sonne oder Schnee für die Hochzeitsfotos, darüber hätte sich auch dieses „ältere“ Ehepaar gefreut – der Wetterbericht machte da leider wenig Hoffnung. Man kann nicht immer das volle Programm erwarten, sagt der Verstand. Wir finden einen Kompromiss, sagt die Liebe. Dafür haben sie den 22.2.22 als Hochzeitsdatum.

´22 – Das Jahr der Trauungen

An einem einprägsamen Datum zu heiraten, ist beliebt, bestätigt Angelika Leder, Standesbeamtin in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Bei Geburtstagen sind Schnapszahlen wie 33 eine willkommene Gelegenheit, zwischen den runden Ehrentagen groß zu feiern. Fällt eine Hochzeit auf ein Schnapszahlendatum, unterstellt man dem Bräutigam gern, „weil er sich das leichter merken kann“. Doch es sind längst nicht nur die Herren die treibenden Kräfte. „Ein besonderes Datum wird gerne ausgesucht“, heißt es im Rathaus. 2022 bietet sich an. Am 2.2.22 ließ sich ein Paar trauen, heute am 22.2.22 sind es drei Paare. Das ist ungewöhnlich viel für den Februar, weiß Angelika Leder. Reserviert sind außerdem Termine am 22.4.22 und 22.7.22. Der 22.5.22 fällt ausgerechnet auf einen Sonntag. Einen Ansturm gab es seinerzeit auf den 20.7.20.

Noltesche Mühle beliebtester Trauort

Die Pandemie bringt so manche Statistik durcheinander, doch zumindest in Bruchhausen-Vilsen gilt: Geheiratet wird immer. „Trotz der Corona-Pandemie ließen sich im vergangenen Jahr 94 Paare trauen. Das sind nur ein einige Heiratswillige weniger als in den Vorjahren“, informiert Fachbereichsleiter Volker Kammann.

Mehr als zwei Drittel wählten einen der fünf besonderen Trauorte. Neben dem Trauzimmer im Rathaus kann man sich in Mühlen, einem historischen Haus und der Eisenbahn das Ja-Wort geben. Beliebtester Trauort war 2021 mit Abstand die Noltesche Mühle in Süstedt. 40 Paare entschieden sich für eine Trauung in deren gemütlichen Räumen; 31 standesamtliche Trauungen fanden im Rathaus statt. Die übrigen verteilten sich etwa gleich auf die Behlmer Mühle in Engeln, die Fehsenfeldsche Mühle in Martfeld und „Robberts Huus“ in Schwarme. Eine Trauung fand im Salonwagen der Museumsbahn statt.

Gut angenommen werde darüber hinaus „das umfangreiche Angebot“, sich auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses trauen zu lassen, so Kammann. Vergleichbar mit den Vorjahren, suchten sich etwa die Hälfte aller Paare einen Termin am Freitagnachmittag oder Samstag aus.

Trauungen unter freiem Himmel waren 2021 so beliebt wie noch nie, wohl auch, weil die Pandemieauflagen draußen leichter umzusetzen waren: Es gab 29 Hochzeiten unter freiem Himmel. Beliebtester Heiratsmonat war Juni, gefolgt von August und Juli. Insgesamt ließen sich 19 Paare in der Samtgemeinde trauen, die außerhalb wohnen. „Sie kamen aus den verschiedensten Orten Niedersachsens. Aber auch Paare aus München, Bremen und Frankfurt/Main haben sich bei uns das Ja-Wort gegeben“, führt Volker Kammann aus.

Alles zum Heiraten in der Samtgemeinde unter www.bruchhausen-vilsen.de/buergerinfo/buergerservice/rathaus/standesamt

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