Leser vermissten ihre Bücherei

Gemeindebücherei wieder geöffnet: „Schön, dass ihr wieder da seid“

Leser müssen sich erst an die neue Wegführung in der Bücherei Bruchhausen-Vilsen gewöhnen, dürfen sie seit gestern aber wieder benutzen. Fotos: Anne-Katrin Schwarze
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Leser müssen sich erst an die neue Wegführung in der Bücherei Bruchhausen-Vilsen gewöhnen, dürfen sie seit gestern aber wieder benutzen. Fotos:

Br.-Vilsen - Lange hat sie gegrübelt, wie sie ihre Gäste durch den relativ kleinen Raum lotsen kann, um allen Vorgaben zu genügen. Jetzt sieht es in der Gemeindebücherei in Bruchhausen-Vilsen ein bisschen nach Baustelle, aber auch nach Labyrinth aus. Die Nutzer dieser öffentlichen Einrichtung stören sich daran wenig. „Schön, dass ihr wieder da seid“, begrüßte Leserin Steffi Ludwig Montagnachmittag Büchereileiterin Ute Zickmantel. Nach sechs Wochen durfte sie „ihre“ Bücherei wieder öffnen.

Rot-weißes Flatterband mahnt „Abstand halten“, auf einer Einbahnstraße sollen sie die Nutzer möglichst einzeln durch die Regalreihen bewegen. Die meistgestellte Frage „Wo finde ich denn…“ soll das Personal aus sicherem Abstand, nicht aber direkt am Regal beantworten, der Kontakt zwischen Lesern und Leiterin beschränkt sich auf nette Worte und freundliche Blicke, wenn man die Mimik der Nutzer richtig deutet, die Mund und Nase hinter einer Alltagsmaske verbergen müssen, wollen sie die Bücherei betreten.

Vor allem die Stammnutzer lassen sich von diesen Maßnahmen nicht abschrecken. Noch vor 15 Uhr standen sie bereits Schlange, um sich mit neuem Lesestoff einzudecken. Sechs Wochen ohne Nachschub, für viele eine lange Zeit. Band 3 von Anna Todds Reihe „After“ hat 962 Seiten. Steffi Ludwig nutzte den ersten Öffnungstag, um den Teil „Love“ gegen den Band „Forever“ einzutauschen. Mehr Zeit zum Lesen habe sie jetzt nicht, berichtet die berufstätige Mutter. Doch sie lese vor allem abends gerne, statt fernzusehen. Ein Wälzer ist für sie höchstens ein mehrwöchiges, nicht aber monatelanges Projekt. Ihre Tochter, eine Drittklässlerin, lese während der langen Schulpause aber „deutlich mehr als sonst“. Sie wünschte sich Montag Nachschub aus der Reihe „Lotta-Leben“. „In der Onleihe sind die Bücher leider vergriffen“, hat Familie Ludwig festgestellt.

Steffi Ludwig holt Nachschub für die Familie.

Obwohl Leseausweis-Inhaber Zugang zu mehr als 20.000 Titeln aus etwa 100 niedersächsischen Büchereien haben, sei es in den vergangenen Wochen durchaus zu Engpässen gekommen, weiß Ute Zickmantel. Allein von den in Bruchhausen-Vilsen registrierten Nutzern hätten im April nahezu doppelt so viele die Ausleihe digitaler Medien genutzt wie noch im Januar oder Februar.

„Ich habe ja lieber ein Buch in der Hand“, sagte Steffi Ludwig und griff Montag zielstrebig zu. Lange zu stöbern, ist derzeit nicht möglich. Nicht mehr als vier Personen dürfen den Raum im Schulzentrum betreten, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Montag kam es daher zu Wartezeiten. Viele nutzten die erste Gelegenheit, Ausgeliehenes gegen Ungelesenes einzutauschen.

Kontaktlose Rücknahme.

Gerda Immoor-Bartels freute sich über vier Hörbücher, die sie noch nicht kannte. „Ich höre die Texte über Funkkopfhörer bei der Hausarbeit.“ Beim Staubsaugen und Bügeln werden sie in der nächsten Zeit Nele Neuhaus und Andreas Föhr mit ihren Krimis begleiten.

Im Haus Rathmann gehört Jim Knopf zu den beliebtesten Gästen aus der Bücherei. Sein fünfjähriger Sohn lasse sich Jims und Lukas‘ Abenteuer gerne vorlesen. Vater Tobias Rathmann nahm Montag erstmals auch eine Romanform von Michael Endes beliebter Geschichte mit nach Hause. „Vielleicht klappt das schon, denn mein Sohn guckt gerne Bilder an.“ Für alle Fälle landete auch ein Bilderbuch von Elmar im Warenkorb, mit dem sich jeder Besucher am Eingang ausstatten soll. Sind alle Körbe unterwegs, ist der Raum unter Coronabedingungen voll, so die Idee. Wer die Öffentlichkeit weiterhin meiden möchte, kann Bücher und Co. kontaktlos zurückgeben und auf einem Tisch im Flur ablegen.

Gerda Immoor-Bartels mag Hörbücher.

Von dort werden sie erst nach 24 Stunden zurück in die Regale geräumt. Nach dieser Zeit sollen mögliche Coronaviren nicht mehr vom Buchdeckel aus übertragen werden können, habe die Verwaltung beim Gesundheitsamt in Erfahrung gebracht, erklärt Ute Zickmantel das Prozedere.

Etwa 2000 Medien sind seit dem Lockdown Mitte März bei den Nutzern unterwegs. Etwa zehn Prozent davon wurden Montag zurückgebracht. Alle übrigen Leser haben bis zum 19. Mai Zeit, Entliehenes zurückzubringen. Bis dahin sind die Ausleihfristen für alle Medien automatisch kostenfrei verlängert. Wer die Ausnahmesituation nutzt, um das Lesen für sich (wieder) zu entdecken, kann sich bis Ende August kostenfrei für die Onleihe registrieren lassen.

Tobias Rathmann auf der Suche nach Bilderbüchern.

Seit Montag ist die Bücherei in Bruchhausen-Vilsen bis auf Weiteres dienstags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Die Nutzer der anderen Büchereien in der Samtgemeinde müssen sich bis zum 19. Mai gedulden.

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