DRK-Bereitschaft fünf Tage im Einsatz / „Die Familie muss sehr tolerant sein“

Schnittwunden und Prügeleien

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In diesem Jahr hilft ein neu konzipierter Plan Thorben Block (links), Rainer Schneider sowie ihren DRK-Bereitschaft-Kollegen bei den Einsätzen auf dem Brokser Markt. Jeder Stand hat eine eigene „Hausnummer“, das Gelände ist in Straßen unterteilt.

Br.-VIlsen - Von Vivian Krause. Blutüberströmt sitzt ein Mann in einem Rettungswagen. Er hat eine Platzwunde am Kopf. Der Angetrunkene ist gegen ein Andreaskreuz gelaufen. Die Helfer der Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bringen den Patienten ins Krankenhaus, wo seine Wunde genäht wird. Einsätze wie dieser sind auf dem Brokser Heiratsmarkt keine Seltenheit. Die Mitglieder des DRK sind an allen fünf Markttagen vor Ort. Die Sanitäter sind für die Erstversorgung von Verletzten verantwortlich und an zwei Standorten auf dem Marktgelände vertreten: am Brokser Jugendhaus und gegenüber vom Musikladen-Zelt.

Verstärkung hat das Rote Kreuz von einem Notarzt. Er entscheidet, ob ein Verletzter ins Krankenhaus muss oder nicht. Frank Müller und Ivonne Arndt haben dafür extra ihre Praxen in Asendorf beziehungsweise Sulingen geschlossen. Auch die ehrenamtlichen Helfer des DRK nehmen sich Urlaub, um auf dem Fest zu sein.

So auch Rainer Schneider. Er arbeitet hauptberuflich als Pflegekraft im Maßregelvollzug in Zeven und ist zudem Bereitschaftsleiter des DRK in Bassum. Der Wildeshauser ist zum siebten Mal Teil des DRK-Bereitschaft-Teams auf dem Brokser Markt. Schneider ist nur einer der Auswärtigen, die die Bruchhausen-Vilser unterstützen. „Wir greifen auf Hilfe von außerhalb zurück“, sagt Thorben Block, der gemeinsam mit Joy Bergmann und Robert Fuderer das Sanitätsteam beim Markt leitet. Die Freiwilligen kämen unter anderem aus Bremen, Siedenburg, Sulingen und Bassum.

Bei der Besprechung vor Dienstbeginn folgt die Einteilung. Namen und Nummern werden durch den Aufenthaltsraum des DRK im Jugendhaus gerufen. Die Betroffenen verstehen die Anweisungen, sie nicken und sind für diesen Tag Fahrer, Fußstreife oder im Sanitätsraum eingesetzt.

Tagsüber sind etwa 15 Ehrenamtler vor Ort, zu Spitzenzeiten sind es doppelt so viele. Die Einsatzleiter machen klar: „Wir wollen niemanden von uns Helfern in Gefahr bringen.“ Wenn Gefahr droht, geben sie per Funk das Kommando „Rückzug“.

„Arbeit macht einfach Spaß“

„Die Arbeit auf dem Markt macht einfach Spaß“, sagt Schneider. Nicht immer herrscht jedoch Harmonie. So würden die Ehrenamtler schon mal von Alkoholisierten angepöbelt oder der Rettungswagen mit Flaschen beschmissen. Doch es geht auch anders: „Sonntag kamen hier ein paar Betrunkene vorbei und haben sich einfach mal bedankt“, erinnert sich Block. Die Dankbarkeit und die Wertschätzung, die die Helfer während der Markttage erfahren, seien Gründe, warum sie immer wieder kommen.

So auch Herbert Brefka. Er ist seit etwa 40 Jahren im Team. Es gab laut ihm Zeiten, da hat die Bereitschaft Bruchhausen-Vilsen den Markt noch alleine, ohne Hilfe auswärtiger DRKler, gestemmt. „Da hatten wir etwa 40 Aktive.“ Heute sind es noch rund 15. „Jetzt können wir das alleine gar nicht mehr bewerkstelligen.“

Die Einsätze werden von zwei DRKlern in einem Container koordiniert. Dieser ist in diesem Jahr erstmals aus Platzgründen aus dem Jugendhaus ausgelagert worden. Dort stehen zwei Computer, an denen die Einsätze erfasst werden. In Zeiten mit mehreren Verletzten behalten sie so den Überblick über freie Plätze im Sanitätsraum sowie laufende Einsätze. Zudem gibt es dort zwei Telefone und Funkgeräte. „Über ein Telefon sind wir nur für die Leitstelle erreichbar“, sagt Block. Bei Notrufen werde überwiegend die 112 gewählt. Einige Patienten kommen aber auch direkt zu den DRKlern. Ein weiteres Telefon steht für alle anderen Gespräche zur Verfügung. Aus einem Funkgerät dringen vereinzelt Stimmen. Die Ansage erinnert an eine in einer Bahn. Unverständlich und verschrabbelt. Die Helfer rühren sich nicht. „Wir bekommen hier auch was von den anderen Einsätzen im Landkreis mit“, erklärt Block. „So wissen wir auch, was außerhalb des Markts los ist.“

Mehr als nur „Decken verteilen und Pflaster aufkleben“

Dass das DRK mehr leistet als nur „Decken verteilen und Pflaster aufkleben“ – ein weitverbreitetes Klischee, wie Block bedauert – beweisen die fünf Markttage. Von Marktbeginn bis zum letzten Bier auf den Zelten sind die Ehrenamtler im Schichtsystem im Einsatz. Die Hauptzeiten sind Freitag- und Samstagnacht sowie der Marktdienstag. In diesem Jahr wurden die DRKler vor allem zu Schlägereien und zur Versorgung von Schnittwunden gerufen.

Thorben Block holt sein Smartphone aus der Hosentasche. Er ruft eine Wetter-App auf. „Das gehört auch zur Vorbereitung“, sagt er. „Und für Dienstag sieht es nicht gut aus.“ Zumindest für die Helfer von der DRK-Bereitschaft. Die Vorhersage: 28 Grad und Sonne. Hitze verursache Kreislaufprobleme und Schwächeanfälle.

Der Markt sei in diesem Jahr recht ruhig, sagt Block. Er vermutet, dass das einerseits an der erhöhten Polizeipräsenz und andererseits an den Sicherheitsdiensten in den Zelten liegt. Verwundert, aber zugleich erfreut sind die Helfer darüber, dass sie bis gestern Nachmittag noch keine schwer alkoholisierten 15- und 16-Jährigen behandeln mussten. Insgesamt zählte DRK-Bereitschaftsleiter Günter Schweers bis gestern Nachmittag 115 Hilfeleistungen auf dem Markt. 16 der Versorgten kamen ins Krankenhaus.

Ein Durchkommen ist oft schwer

Für die Helfer ist es oft sehr schwer, mit dem Rettungswagen über den Markt zu den Patienten zu kommen. Die Besucher sehen zwar, dass ein Rettungswagen durch möchte, machen aber nicht zwingend Platz. „Wir fahren eigentlich nur mit Blaulicht über das Gelände. Aber manchmal lässt sich auch das Einschalten des Horns nicht vermeiden“, sagt Block. 20 Mal war das bis gestern Nachmittag der Fall. Auffällig bei den Einsätzen ist: Hilfesuchende übertreiben am Telefon oft. Da wird ein schlafender Alkoholisierter schon mal zum Bewusstlosen oder ein kleiner Kratzer zu einer Fleischwunde.

Jetzt wird es ernst – die erste Patientin des Tages kommt zum Sanitätsraum im Jugendhaus. Per Telefon wird der Einsatz an die Kollegen im Container gemeldet. „Wundversorgung“, heißt der aktuelle Auftrag. Eine Schnittverletzung wird gereinigt, desinfiziert und ein Pflaster draufgeklebt. Schnittwunden seien eine der häufigsten Verletzungen beim Heiratsmarkt, sagt Block. „Am Wochenende vor allem durch gebrochene Gläser.“

Der Zusammenhalt im Team ist groß. „Das ist ein bisschen wie eine Familie“, sagt Block. Die echte Familie müsse besonders tolerant sein. Denn die DRKler sind nicht nur fünf Tage kaum zu Hause, sondern auch darüber hinaus im Einsatz.

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