Trio erforscht Gaststättenwesen

Schmuggler saßen einst in Gasthäusern auf der Lauer

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Das einstige Hotel Dörgeloh hat eine wechselvolle Geschichte.

Samtgemeinde - Von Dieter Niederheide. Es gibt eine Reihe wundersamer Geschichten zum Thema Gaststättenwesen in und um Bruchhausen-Vilsen.

Das haben Elisabeth Meyer (Archivarin der Samtgemeinde), Karl Sandvoß (Heimatforscher und 21 Jahre Samtgemeindearchivar) und Hermann Hamann (ehrenamtlicher Mitarbeiter im Archiv) bei ihren Recherchen festgestellt. 

Das Trio hat für ein Projekt des Kreisheimatbunds Diepholz bisher rund 120 Gaststätten erfasst und so dafür gesorgt, dass Bruchhausen-Vilsen kein weißer Fleck auf der Karte bleibt. Die Erkenntnis der drei Experten: „Gab es früher in jedem Dorf zwei bis drei Kneipen und kein Dorf ohne, hat sich das zum Gegenteil verkehrt. Die Dorfkneipen sind weg.“

Laut Karl Sandvoß (80) haben er und seine beiden Mitstreiter bei der Erfassung vornehmlich auf Akten des Archivs zurückgegriffen; aber auch andere Unterlagen, zum Beispiel verschiedene Dorfchroniken, waren hilfreich.

Eines der ältesten Hotels im Bereich des heutigen Fleckens Bruchhausen-Vilsen war das Hotel Dörgeloh. Dessen Geschichte begann vermutlich 1871 als Hotel Louisville, 1989 wurde das Gebäude schließlich zur Kreissparkassenfiliale umgebaut. Dazwischen ist viel passiert. Im Saal des Hotels gab es zeitweise ein Kino namens „Kur-Lichtspiele“, zudem war eine Tankstelle der Deutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft (Dapolin) ans Haus angegliedert. Bei Shell konnte einst beim Gasthaus Wohlers-Meyer getankt werden, bei BV beim Café Ehlers.

So sah es um 1900 im Hotel Dörgeloh aus.

Doch zurück zum Hotel Dörgeloh. Die Historie endete, wie Hermann Hamann (65) erfasst hat, 1982 mit den Wirtsleuten Schlobohm. Als sie aufhörten, gab es keinen Nachfolger. Bruchhausen-Vilsen verlor ein Hotel mit gutem Namen.

An der Bundesstraße 6 existierten früher 13 Gaststätten, heute sind es immerhin noch neun im Bereich von Graue bis Süstedt. Einige waren in früheren Zeiten als Zollstationen dienlich. Karl Sandvoß berichtet, dass damals Schmuggler in den Kneipen „op de Luer“ saßen, um bei Bier und Branntwein zu schauen, ob Zöllner anwesend waren oder gerade mal nicht. Sie wollten den Zoll an die Obrigkeit sparen.

Die älteste bekannte Konzession, die im Bereich der Samtgemeinde vergeben wurde, bekam im Jahr 1855 die Gaststätte Ramke in Steinborn bei Asendorf. Wie das Experten-Trio verrät, kann die Gaststätte aber auch schon früher gegründet worden sein.

Experten in Sachen alte Gasthäuser: (von links) Karl Sandvoß, Elisabeth Meyer und Hermann Hamann.

Eines der älteren Gasthäuser ist auch das heute noch bestehende Mügge am Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen, das schon 1804 in Unterlagen genannt wurde. Auch dort gab es früher eine Zollstation, die Straße hieß damals Bassumer/Rethemer Straße.

Ohne Zweifel urig ging es in der Gaststätte Horstmann, der kleinsten Kneipe am Marktplatz, zu. Willy Horstmann, zu allen Seiten breit gebaut und außerdem mit Bassstimme ausgestattet, war Anfang der 1960er-Jahre nicht nur Wirt, sondern auch Milchfahrer und Landwirt. Wer bei ihm unrasiert einen Mackenstedter bestellte, bekam zu hören: „Erst möst du di rasieren, sonst gifft dat nix“. Der Gast ging, kam rasiert zurück und erhielt seinen Korn.

Auch in anderen Orten der Samtgemeinde sind Heimatforscher auf der Spur der Gaststätten, deren Geschichte und Geschichten schließlich Heinz Feldmann und Ralf Weber für den Kreisheimatbund im Syker Kreismuseum bearbeiten. Nach Abschluss des Projekts soll es ein Buch und eine Ausstellung zum Thema geben.

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