Schlagfertigkeit, die imponiert

Juraj Sivulka befasst sich am 27. April mit Erich Kästner

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„Kurz und bündig“ ist eines seiner Lieblingsbücher von Erich Kästner, sagt Juraj Sivulka.

Schwarme - Von Vivian Krause. Gartenarbeit ist für Juraj Sivulka nicht einfach Gartenarbeit. Es ist Zeit zum Lernen. Zwischen Abschneiden und Ablegen eines Astes in der Schubkarre passt noch eine Zeile eines Gedichts von Erich Kästner. Dieser Poet ist es auch, der beim Auftritt des Barriers Juraj Sivulka in Robberts Huus in Schwarme im Mittelpunkt stehen wird. Dafür übt der Deutsch- und Sportlehrer seit März. Das 20 Din-A4-Seiten umfassende Manuskript stellte er vor vier Jahren erstmals vor. Ein Zufall sei es, dass Sivulka in diesem Jahr, dem 120. Geburtsjahr von Kästner, diesen Dichter für sein Programm in Schwarme im Rahmen der Reihe „Stationen eines Lebens“ wählte. Ein weiterer Grund: Sivulka gastiert bereits zum neunten Mal in Robberts Huus. Bei 15 Dichtern, die der gebürtige Slowake im Repertoire hat, bleibe nicht mehr so viel Auswahl, sagt er schmunzelnd.

Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Für ihn stehe eine sehr greifbare, nachvollziehbare Literatur. Dass er jedoch Kinderbücher verfasst – darunter „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das doppelte Lottchen“ – war nicht Kästners Idee, sagt Sivulka und spricht von einem Zufall. Der Poet begegnete der Verlegerin Edith Jacobsohn. Sie sagte: „Schreiben Sie ein Kinderbuch!“ Und das tat Kästner. Für „Emil und die Detektive“ brauchte er nur wenige Monate. Erschienen ist das Buch dann im Verlag von Jacobsohn.

Doch von Anfang an: 1917 wurde Kästner zum Militärdienst einberufen. Die Zeit machte ihn zum Antimilitaristen. Erich Kästner bekam für sein sehr gutes Abitur (1919) ein Stipendium der Stadt Dresden. Er studierte anschließend Germanistik, Geschichte, Philosophie, Zeitungskunde und Theaterwissenschaften in Leipzig. Neben dem Studium arbeitete er als Journalist bei der Neuen Leipziger Zeitung. Nach der Veröffentlichung des Gedichts „Nachtgesang des Kammervirtuosen“ zum 100. Todestag von Ludwig van Beethoven wurde er entlassen. Die Zeilen waren zu anzüglich. So zog er 1927 nach Berlin. Wenig später veröffentlichte er seine erste Gedichtsammlung. Zu der Zeit traf er auch die Verlegerin Jacobsohn. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging er nach München. Dort starb er am 29. Juli 1974. 

Zwar war Kästner nie verheiratet, er hatte jedoch Liebesbeziehungen, Affären sowie einen Sohn, Thomas. Sivulka meint, Kästner war nicht bindungsfähig. Der Grund: seine Mutter Ida. Für sie war Erich Kästner ihr Ein und Alles. Ihr schrieb er zahlreiche Briefe. Auch diese werden ihren Platz während der Veranstaltung in Schwarme finden. Unterstützt wird Juraj Sivulka von seiner 16-jährigen Tochter Lara. Sivulka betont, dass der Wechsel zwischen einer Männer- und einer Frauenstimme sehr belebend wirkt. Und Lara steht bei Weitem nicht das erste Mal mit ihrem Vater auf der Bühne, der sie als „begnadete Vorträgerin“ bezeichnet. Beim ersten gemeinsamen Vortragen war sie sechs Jahre alt, erinnert Sivulka sich. Wie derzeit im Garten spazierte der 50-Jährige damals vom Wohn- ins Kinderzimmer und zurück und lernte Texte. Irgendwann sagte er eine Passage auf – die dann von einer Stimme aus dem Kinderzimmer fortgeführt wurde. „Lara hat sich das Gedicht gemerkt, was ich jeden Abend vorgelesen habe“, sagt Sivulka, auch heute noch sichtlich beeindruckt.

Beeindruckend an Erich Kästner sei, dass er in der Kindheit die Liebe zur Literatur entdeckte und dieser bis zuletzt treu blieb, meint Sivulka. Zudem hat Kästner damals Texte geschrieben, die heute noch Aktualität haben und besitze eine Schlagfertigkeit in seinem Wort, „die sehr imponierend ist“. Wer sich davon überzeugen will, kann dies in Schwarme tun.

Die Veranstaltung:

Der Abend in Robberts Huus an der Hoyaer Straße 2 in Schwarme beginnt am Samstag, 27. April, um 19 Uhr. Bernhard Schencke begleitet Juraj Sivulka und seine Tochter Lara am Piano. Der Eintritt kostet zwölf Euro. Erhältlich sind die Tickets bei der Kreissparkasse und Volksbank in Schwarme sowie an der Abendkasse. Reservierungen sind möglich per E-Mail an kultur@robberts-huus.de.

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