Berufsverband verdeutlicht prekäre Lage

Treffen mit CDU-Politikern: Schausteller fordern klares Signal

Ein gemeinsamer Rundgang über das Gelände des BruVi-Parks: Niedersachsens CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner (vorne, Zweiter von links) stellt den Schaustellern einige Fragen zu ihrer aktuellen Situation.
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Ein gemeinsamer Rundgang über das Gelände des BruVi-Parks: Niedersachsens CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner (vorne, Zweiter von links) stellt den Schaustellern einige Fragen zu ihrer aktuellen Situation.

Br.-Vilsen – Die Pandemie ließ viele Schausteller an ihre Existenzgrenze stoßen. Wie schwierig ihre Lage ist, verdeutlichte der Berufsverband jetzt bei einem Treffen mit CDU-Politikern.

Die Schausteller sind in einer schwierigen Lage. Die Corona-Pandemie macht den Veranstaltern von Volksfesten und Kirmessen seit mehr als einem Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung und bringt viele von ihnen somit an ihr Existenzminimum. Das Unverständnis in ihren Reihen wird zunehmend größer, denn während beispielsweise Diskotheken mittlerweile wieder öffnen dürfen, kämpfen sie weiterhin mit strengen Auflagen.

Wie hart die Zeiten aktuell sind, verdeutlichte der Vorstand des Berufsverbands für Schausteller und Marktleute (BSM) Oldenburg jetzt während eines Treffens mit dem niedersächsischen CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner und den CDU-Politikern Volker Meyer, Marcel Scharrelmann, Frank Schmädeke, Axel Knoerig, Claudia Staiger, Sarah Kolley und Georgina Stummer im BruVi-Park in Bruchhausen-Vilsen.

Nach einem Rundgang über das Gelände kam die Gruppe im Biergarten der Familie Stummer zusammen, wo es schnell ans Eingemachte ging. So ergriff gleich der Vorsitzende des Berufsverbands, David Eisenhauer, das Wort, um den Anwesenden vor Augen zu führen, wie dringend die Schausteller ihre Hilfe benötigen würden. „Wir haben bereits versucht, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Aufmerksamkeit auf unsere aktuelle Situation zu lenken“, sagte er. 2020 habe das mit den Geldern aus der Aufstockung der Überbrückungshilfen 2 auch gut funktioniert. „Doch momentan sind wir an einem Punkt angelangt, wo wir mit dem Rücken zur Wand stehen.“ Denn für die Schausteller fehle jegliche weitere Unterstützung, und eine Besserung der Öffnungsperspektive sei ebenfalls nicht in Sicht.

Vielleicht könnte man einen Kompromiss eingehen und erst bei 5 000 Gästen die 3-G-Regel einführen.

Um überhaupt in die diesjährige Saison starten zu können, mussten alle Geschäfte umgebaut werden, sodass sie den coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln entsprechen. „Wir waren gezwungen, in Vorkasse zu treten, da viele von uns noch auf die Auszahlungen der Überbrückungshilfe warten“, brachte David Eisenhauer das Problem auf den Punkt. Darüber hinaus mussten auch die Kosten für die regelmäßigen Tüv-Abnahmen gedeckt werden – und das, obwohl die Karussells kaum in Betrieb waren. „Wenn man diese Termine nicht wahrnimmt, erlischt die Betriebserlaubnis. Das ist nicht wie bei einem Auto, was man einfach wieder anmelden kann“, erläuterte Henry Stummer, zweiter Vorsitzender des BSM Oldenburg. Statt wirklich zu helfen, die finanzielle Situation aufzubessern, würden die zuständigen Behörden beispielsweise vorschlagen, die Fahrgeschäfte zu verkaufen. Henry Stummer hielt diese Idee jedoch für wenig durchdacht. „Der Käsewagen im BruVi-Park ist normalerweise rund 300 000 Euro wert. Doch aktuell aufgrund der Lage hat er einen Wert von null Euro“, erklärte er die Bredouille.

Zwar wurde den Schaustellern mit den Pop-up-Parks eine Alternative geboten und damit eine Chance, dass wieder Geld in die Kassen gespült wird. Doch das sei kein Vergleich zu Veranstaltungen aus vergangenen Jahren ohne coronabedingte Einschränkungen. Um die Besucherzahlen im BruVi-Park steht es sogar schlechter als noch 2020. Der Grund: die Einlasskontrollen. Zwar dürften maximal 1 000 Gästen der Eintritt gewährt werden, diese müssten sich aber vorab mit der Luca-App anmelden oder einen Zettel ausfüllen.

Wir sind momentan an einem Punkt angelangt, wo wir mit dem Rücken zur Wand stehen.

Das halte viele davon ab, überhaupt herzukommen. „Mit den Maßnahmen ist die Gemeinde auf Nummer sicher gegangen, eigentlich gelten diese Regeln erst ab einer Inzidenz von 35“, sagte Henry Stummer. Wenn mit der neuen Corona-Verordnung ab einer Inzidenz von 50 dann wie geplant auch noch alle Besucher nachweisen müssten, dass sie entweder geimpft, getestet oder genesen sind, und damit die sogenannte 3-G-Regel eingeführt werde, verschlechtere sich die Lage nochmals dramatisch. „Was sollen wir mit den Jugendlichen machen, von denen derzeit nur wenige geimpft sind? Sie gehören schließlich zu einer unserer größten Zielgruppen“, meinte David Eisenhauer mit Blick in Richtung Sebastian Lechner und Volker Meyer. Darüber hinaus sollen Tests zukünftig kostenpflichtig sein, was es noch schwieriger mache, Besucher in die Parks zu locken. „Die 3-G-Regel ist nicht unser Allheilmittel“, fasste Eisenhauer zusammen.

Außerdem konnte er ebenso wenig wie seine Schaustellerkollegen verstehen, warum Volksfeste und Pop-up-Parks wie der in Bruchhausen-Vilsen stets Großveranstaltungen zugeordnet werden. Für die gelten im Übrigen strengere Corona-Regeln als beispielsweise für Innenstädte und Wochenmärkte. „Mit den breiten Gassen ähnelt es hier doch wohl eher einer Innenstadt. Und das Argument, dass bei uns auf dem Markt angeblich so viel Party gemacht wird, hält einfach nicht mehr mit, wenn Diskotheken bereits wieder geöffnet haben“, sagte David Eisenhauer und drückte damit auch im Namen seiner Schaustellerkollegen sein Unverständnis aus. Die ausgearbeiteten Hygienekonzepte für die Kirmessen seien sicher und würden von den Gesundheitsämtern bejubelt werden. Doch bessere Öffnungsperspektiven gebe es trotzdem nicht. „Wir wissen nicht einmal, ob wir jetzt nach Rodewald zum Herbstmarkt fahren können oder nicht. Das ist doch schier Wahnsinn.“

David Eisenhauer, BSM-Vorsitzender

Schon bald stehen zudem die Weihnachtsmärkte an, bei denen die Schausteller einen Großteil ihres Jahresumsatzes machen. Auch für die würde dringend eine Lösung benötigt. Mit ihnen könnte beispielsweise ein kontrolliertes öffentliches Freizeitangebot geschaffen und auf diese Weise größere private Treffen vermieden werden. „Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse oder gute Worte mehr. Wir brauchen Hilfe. Ich will ein klares Signal“, forderte der Vorsitzendende des Berufsverbands.

Mit seinen Ausführungen schien der Verband bei CDU-Generalsekretär Sebastian Lechner auf Verständnis zu stoßen, denn der schlug daraufhin vor, in die neue Corona-Verordnung „schaustellerisch-spezifische“ Regeln miteinzubringen. Außerdem hielt Lechner die Begrenzung auf 1 000 Personen für zu gering. Weiterhin bestätigte er die Schausteller in ihrer Meinung, dass eine Kirmes eher einem Wochenmarkt ähnele als einer Großveranstaltung wie beispielsweise einem Konzert. „Vielleicht könnte man einen Kompromiss eingehen und erst bei 5 000 Gästen die 3-G-Regel einführen“, meinte er und bat in diesem Zuge seinen Kollegen Volker Meyer, die Situation der Schausteller mit in die Beratungen zur neuen Corona-Verordnung miteinfließen zu lassen.

Ob und inwieweit die Mitglieder des Berufsverbands die Politiker wirklich überzeugen konnten, wird sich vielleicht schon am Mittwoch, 25. August, zeigen. Dann sollen die neuen Regelungen des Landes Niedersachsen in Kraft treten.

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