Mit Schäufelchen und Stuckateurspachtel

Archäologen finden in Heiligenberg Hinweise auf Mittelalter-Burg

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Archäologie ist mühevolle Kleinarbeit, und die Ergebnisse sind oft wenig spektakulär. Am Kloster Heiligenberg gehen die Ausgrabungen noch zwei Wochen weiter. Dafür genehmigte der Verwaltungsausschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen spontan 5.000 Euro.

Heiligenberg - Von Michael Walter. Archäologie – das ist für viele immer noch das Indiana-Jones-Klischee: Wenn er erst seinen Studenten im Hörsaal erzählt „Noch niemals in der Geschichte hat ein X irgendwo irgendwann irgendeinen bedeutenden Punkt markiert“, und dann wenige Filmminuten später mit brachialer Gewalt in Venedig einen historischen Fußboden zerdeppert, weil sich darunter der Zugang zu einem geheimen Gang befindet – natürlich markiert in Form eines überdimensionalen X auf dem Fliesenboden.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie – darüber informierte sich am Mittwoch der Verwaltungsausschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen bei einem Besuch der aktuellen Ausgrabungen am Forsthaus Heiligenberg.

Seit etwa vier Wochen sucht auf der Pferdeweide hinterm Hauptgebäude ein kleines Team aus Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nach Spuren der Vergangenheit. Konkret: Nach Hinweisen auf das Kloster, das dort im 13. Jahrhundert gestanden hat. Ganz unspektakulär und unendlich mühsam mit Schäufelchen, Pinselchen und Stuckateurspachtel. Rückenschmerzen programmiert.

1543 wurde das Kloster aufgelöst, letzte Reste 1607 abgetragen. „Der Grundriss des Klosters ist das, was wir suchen“, erklärt Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt für Denkmalschutz. Dazu haben die Studenten eine 4 Meter breite und 50 Meter lange Schnittgrabung ausgehoben.

„Das war eine Mordsarbeit“

Das Ergebnis war zunächst frustrierend. „Nur Bauschutt“, sagt die Leiterin der Studentengruppe, Dr. Simone Arnhold. Und nicht mal besonders alter. „50er Jahre“, schätzt Arnhold. „Omas Sammeltassen mit dem Goldrand waren auch dabei.“

„Ich wollte dem Baggerfahrer schon sagen: Schieb’s wieder zu“, erzählt Wulf weiter. Dann habe man sich aber doch noch zu einer letzten Bohrung entschieden – und stieß dabei auf vielversprechende Abweichungen von den bisher gefundenen Strukturen im Boden. Also wurde weiter gegraben.

„Auch jetzt mussten unsere Studenten sich erst durch eine 1,20 Meter tiefe Schicht Bauschutt schaufeln“, sagt Simone Arnhold. „Das war wirklich eine Mordsarbeit!“ Darunter fanden sie mehrere Pfostenlöcher, also Hinweise darauf, dass an dieser Stelle einmal Pfahlbauten gestanden haben müssen.

Die Konsequenz war den Ausgräbern schnell klar: „Das Kloster war aus Mauerwerk errichtet“, sagt Arnhold. „Diese Strukturen hier sind älter.“ Und Wulf ergänzt: „Wahrscheinlich gehen sie auf die frühmittelalterliche Burganlage zurück, die vermutlich im 9. Jahrhundert hier gestanden hat.“

Und auch am anderen Ende der Schnittgrabung ist das kleine Archäologenteam am Ende doch noch fündig geworden. Bei Aushubarbeiten zur Vergrößerung des Schnitts stieß der Bagger auf Ziegelwerk. Von Hand gruben die Studenten danach die Reste einer umgestürzten Mauer aus. „Die Form der Ziegel und die Ausführung des Verbunds lassen auf das Mittelalter schließen“, sagt Simone Arnhold. „Auch einzelne Keramikscherben, die wir gefunden haben, deuten darauf hin.“ Da im gleichen Bereich auch größere Holzkohlereste gefunden wurden, vermutet Arnhold, dass dort womöglich ein Klostergebäude abgebrannt ist.

Näheres könnten weitere Ausgrabungen ans Licht bringen. Jedoch: „Das Landesamt hat kein Geld und kein Personal“, so Wulf. „Und die Lehrgrabung der Studenten endet Freitag.“

Der Verwaltungsausschuss beriet noch am gleichen Nachmittag darüber und genehmigte 5.000 Euro. Damit kann Simone Arnhold die Ausgrabungen um zwei Wochen verlängern.

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