Sarah Floy wollte erst gar nicht nach Deutschland, fühlt sich hier aber sehr wohl

Eine Amerikanerin in Bruchhausen-Vilsen

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Sarah hält übers Internet Kontakt zu ihren Eltern Elaine und Paul.

Br.-Vilsen - Von Andree Wächter. Die typisch deutsche Kaffee-und-Kuchen-Zeit würde Sarah Floy gerne in ihre Heimat, die USA, importieren. Zurzeit nimmt die 18-jährige Amerikanerin an einem Austauschprogramm der weltweit tätigen Organisation Rotary Club teil. Seit September und noch bis Juli besucht sie die elfte Klasse des Gymnasiums in Bruchhausen-Vilsen.

Sarah Floy

„Das ist eine tolle Sitte, sich am Nachmittag an den Tisch zu setzen, ein Stück Kuchen zu essen und eine Tasse Kaffee zu trinken“, sagt Sarah Floy. In ihren bisher rund neun Monaten in Deutschland hat sie noch andere Traditionen schätzen gelernt. „Weihnachtsmarkt und Osterfeuer sind in den USA auch unbekannt“, sagt die Amerikanerin aus dem Bundesstaat Minnesota. Weiterhin war ihr der Öffentliche Personen-Nahverkehr nicht bekannt. „Es fährt kein Bus durch meine Stadt“, sagt Sarah Floy. Ihr Heimatort Owatonna hat rund 25000 Einwohner. Natürlich gibt es auch amerikanische Dinge, die Sarah Floy gerne in Deutschland einführen würde. So existiert in den USA das Verkehrsschild „Stop four away“. Es bedeutet: Wer zuerst an der Kreuzung hält, fährt auch als erstes. Das erfordert viel Disziplin von den Autofahrern. Unterschiede sieht sie auch beim Thema Sport. In den USA verbringen die Jugendlichen viel Freizeit in den Schulen. Jede Schule hat ihre eigenen Sport-Teams, teilweise mit Cheerleadern und Musikkapellen. Vereinsstrukturen wie in Deutschland gibt es in den USA nicht. Auf den Sport muss Sarah hier dennoch nicht verzichten. In Bruchhausen-Vilsen geht die Austauschschülerin zum Schwimmen, Zumba, Joggen und fährt Fahrrad.

Tagsüber besucht Sarah Floy das Gymnasium Bruchhausen-Vilsen. „Es war für mich erst ungewohnt, jeden Tag einen anderen Stundenplan zu haben“, sagt Sarah Floy. An ihrer Heimatschule ist der Stundenplan gleich geschaltet. Das bedeutet, dass sie jeden Tag zur selben Zeit das selbe Fach hat.

Nach der Schule fährt Sarah nach Martfeld-Hollen. Dort wohnt sie bei Imke Wicke und deren Familie. Die erste Zeit ihres Deutschland-Aufenthalts verbrachte sie bei Christel Stampe (Bruchhausen-Vilsen) und Almut Schweers (Süstedt).

Bei ihren Gasteltern fühlt sich Sarah sehr wohl. Dabei wollte die 18-Jährige eigentlich gar nicht nach Deutschland. „Mein Ziel war ein Land, in dem man Spanisch spricht, denn ich habe es vier Jahre lang in der Schule gelernt“, sagt Sarah Floy in fließendem Deutsch. Als sie im September ankam, sprach sie noch kein Wort der deutschen Sprache.

Dass sie trotzdem hier landete, liegt am Rotary-Prinzip: Wenn ein Schüler aus Deutschland ins Ausland geht, dann kommt im Gegenzug ein anderer hierher. Vorab können die zukünftigen Austauschschüler eine Länderwunschliste ausfüllen. „Manchmal passiert es aber, dass die Wünsche nicht erfüllt werden können. Unsere übergeordnete Ebene gleicht die Austausche aus“, sagt Peter Schütz vom Rotary Club Bruchhausen-Vilsen. Rotary organisiert rund 8000 Schüleraustausche pro Jahr weltweit.

Über das Austauschprogramm nimmt Sarah Floy an mehreren Reisen in Europa teil. Sie heftete sich Pins der besuchten Länder an ihre Jacke. Weitere Pins bekam sie von anderen Austauschschülern. So entsteht ein einmaliges Erinnerungsstück.

Kontakt zu ihren Eltern Elaine und Paul Floy hält Sarah über Facebook, Whatsapp und Skype. Zuerst waren ihre Eltern wenig begeistert von ihrer Idee, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Doch sie stimmten zu. Denn Rotary ist weltweit vertreten, und man hat überall Ansprechpartner. Wenn Probleme auftreten, kann man sie besprechen – zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen.

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