Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch verabschiedet sich heute / „Es war eine intensive Zeit“

„Ein klein wenig Wehmut ist da“

Ein letztes Bild vor dem Rathaus in Bruchhausen-Vilsen: Horst Wiesch.
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Ein letztes Bild vor dem Rathaus in Bruchhausen-Vilsen: Horst Wiesch.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Abschied nehmen heißt es heute für Horst Wiesch. Nach mehr als 14 Jahren im Amt begeht der 61-Jährige seinen letzten Tag als Samtgemeindebürgermeister in Bruchhausen-Vilsen.

Herr Wiesch, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag als Samtgemeindebürgermeister?

Ja, ziemlich genau. Das war ein Freitag. Alle Mitarbeiter des Rathauses haben mich im Ratssaal empfangen, das war sehr schön. Ich bin danach für Einzelgespräche durchs Haus gegangen. Und es gab eine kleine Eröffnung eines Gewerbebetriebs. Es ging also gleich gut los.

Heute verabschieden Sie sich aus Ihrem Amt. Fällt Ihnen das schwer?

14 Jahre und vier Monate kann man nicht einfach so abschütteln. Es ist eine sehr intensive Zeit gewesen. Deshalb gibt es da ein klein wenig Wehmut, gar keine Frage – aber ich freue mich auch, künftig selbstbestimmter mein Leben führen zu können. Insbesondere freue ich mich, viel mehr Zeit für meine Frau zu haben. Das ist in den letzten Jahren oft zu kurz gekommen.

Wie werden Sie morgen den ersten Tag nach Ihrer Pensionierung verbringen?

Den Tag werde ich mit meiner ganzen Familie verbringen. Da sind alle meine Kinder und Enkelkinder da, darauf freue ich mich sehr. Wir werden erst mal zusammen frühstücken und vielleicht auch alles ein bisschen Revue passieren lassen.

Sie haben schon mehrfach angedeutet, dass Sie noch nicht richtig an den Ruhestand denken. Was haben Sie vor?

Ich werde Geschäftsführer bei der HKW bleiben, der Harzwasser-Kommunale Wasserversorgung GmbH. Ich habe auch noch weitere Eisen im Feuer, dazu werden die Menschen schätzungsweise im Laufe des Novembers mehr erfahren.

Wie lautet Ihr Fazit der vergangenen 14 Jahre?

Die Zeit ist sehr schnell vergangen. Es war eine sehr, sehr gute Zeit. Ziele, die man hatte, sind auf jeden Fall erreicht worden, wenn nicht sogar mehr als erreicht. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, und die Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung hat gut geklappt.

Was sind die wichtigsten Ziele, die Sie erreicht haben?

Erst mal ist es nicht selbstverständlich, dass die Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung so gut läuft. Ein konkretes Ziel war, dass alle Gemeinden ins Dorferneuerungsprogramm kamen, was ja auch gelungen ist. Ziel war auch, die Samtgemeinde familienfreundlich zu gestalten, was ebenfalls gelungen ist. Es ist schon etwas Besonderes, Schulträger und damit für alle Schulen vor Ort verantwortlich zu sein. Es ist auch gelungen, hier mit dem Gymnasium eine neue Schule zu installieren, das war sicher ein Ziel, das ich von Anfang an gehabt habe. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Samtgemeinde noch mehr zusammengewachsen ist, dass alle Beteiligten nicht nur auf ihre Kirchtürme gucken, sondern auch das Ganze im Blick haben.

Was hätten Sie gerne anders gehabt?

Ich kann nicht sagen, dass ich etwas völlig anders hätte haben wollen. Es ist, wie es ist, und daran arbeitet man, hat man gearbeitet. Manche Dinge kann man nicht ändern, weil die Gesetze entsprechend sind. Aber in der Summe ist alles wirklich gut gelaufen.

Haben Sie Ihre Entscheidung, Bürgermeister zu werden, nie angezweifelt?

Eine Zeit, in der ich mich gefragt habe, ob ich das noch ertragen kann, war die Zeit der Windkraft-Planung 2008.

In dieser Zeit wurden Sie persönlich angefeindet.

Ja, das war schade, dass manche da nicht trennen konnten zwischen meiner Person und den schlechten Nachrichten oder gesetzlichen Vorgaben, die ich überbringen musste.

Woran werden Sie sich besonders gern erinnern?

Ein Highlight im Jahr war natürlich immer der Brokser Heiratsmarkt. Und jedes Jahr zum Geburtstag habe ich ein Ständchen bekommen von Kindern aus dem Kindergarten, das war wunderbar. Zurückerinnern werde ich mich an viele Begegnungen mit vielen Menschen. Und ich werde mich daran erinnern, wie die Entwicklung hier in der Samtgemeinde gelaufen ist, wenn ich durch die Gegend fahre.

Sie wohnen in Sulingen. Werden Sie weiter regelmäßig nach Bruchhausen-Vilsen kommen?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin ja zurzeit Präsident des Rotary Clubs, und der tagt jede Woche hier in Bruchhausen-Vilsen. Und ich werde immer meine Vilsa-Kisten abholen (lacht). Der Rat des Fleckens hat mir zum Abschied für ein Jahr jede Woche eine Kiste mit Vilsa-Wasser geschenkt.

Was wünschen Sie der Samtgemeinde?

Ich wünsche der Samtgemeinde, dass sie in Zukunft mit ihren Aufgaben zurechtkommt, insbesondere, dass die Finanzen stimmen. Dass die Zusammenarbeit weitergeführt wird und man Egoismen ein klein wenig hinter sich lässt. Und dass sich die Samtgemeinde weiterentwickelt, wie sie es bisher getan hat – nicht nur in meiner Zeit, sondern auch davor. Dass sich der demografische Wandel nicht so stark bemerkbar macht wie in anderen Regionen. Dass sich weiter Menschen hier ansiedeln und wohlfühlen, dass die Familienfreundlichkeit weiter großgeschrieben wird. Und dass die Menschen hier Arbeit finden und die schöne Natur erleben können.

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