Samtgemeinde hat Probleme, Stellen zu besetzen / Flexibleres Gesetz gewünscht

Neue Erzieher braucht das Land

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Rathaus-Mitarbeiterin Cattrin Siemers (rechts) besucht gern die Kindertagesstätten der Samtgemeinde. „Kinder geben einem viel“, sagt sie. Das bestätigt Kristin Kurowski (Zweite von links), Leiterin der Kinderkrippe Zwergenburg in Bruchhausen-Vilsen: „Der Beruf ist sehr vielseitig. Für mich ist es ein Traumjob.“ J

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Kinder müssen in den Kindergärten und Krippen gut betreut werden – da sind sich wohl alle einig. Wie die Betreuung auszusehen hat, schreibt das Land Niedersachsen in seinem „Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder“ (KiTaG) vor. Allerdings stellen die Vorschriften die Kommunen immer wieder vor Schwierigkeiten. Das fängt beim Personal an: „Wir haben arge Probleme, genug Erzieher zu bekommen“, sagt Cattrin Siemers, Fachbereichsleiterin Bildung bei der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen.

Zurzeit sind zwar alle rund 80 Stellen in den Kindertagesstätten der Samtgemeinde besetzt, aber wenn ein Erzieher beispielsweise durch Krankheit oder Schwangerschaft ausfällt, geraten Siemers und ihr Team schon mal ins Schleudern. Denn sie müssen sofort für Ersatz sorgen. Zwölf Vertretungskräfte, die indes teilweise in Teilzeit oder als Aushilfe angestellt sind, stehen der Samtgemeinde zur Verfügung; bei Grippewellen können sie jedoch oft nicht alles auffangen. „Ich würde mir mehr Vertretungskräfte wünschen. Aber es ist schon schwierig, Erzieher für feste Stellen zu bekommen. Als Springer will fast niemand arbeiten“, erklärt Siemers. Durch die Einführung der Krippen ist die Zahl der Stellen stark gestiegen, die Erzieher haben also viele Jobs zur Auswahl.

Kurzfristig ungelernte Kräfte, zum Beispiel Mütter, einspringen zu lassen, verbietet das Land. „Per Gesetz muss jede reguläre Kindergartengruppe immer mindestens von einem Erzieher und einem Kinderpfleger oder Sozialassistenten betreut werden“, sagt Siemers. „Ausnahmeregelungen gibt es nicht.“ Kommen im Kindergarten zwei Betreuer auf 25 Kinder, sind es in Krippen sogar drei auf 15 Kinder. Um Integrationsgruppen mit 18 Kindern haben sich drei Kräfte zu kümmern, davon eine heilpädagogisch ausgebildete. Die Vertretungskräfte müssen mindestens eine Ausbildung zum Sozialassistenten haben.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter ausfällt und kein Ersatz da ist? „Dann müssen wir die Gruppe schließen. Das ist schon passiert.“ Siemers würde gerne in solchen Fällen vorübergehend eine dem Kindergarten bekannte Tagesmutter oder Mutter einsetzen. „Aber das Gesetz erlaubt es nicht. Ich wünsche mir da mehr Flexibilität.“

Beim Land muss die Samtgemeinde regelmäßig nachweisen, dass sie die Quote der fest eingesetzten Erzieher und der Vertretungskräfte erfüllt. Trotzdem zahlt das Land nur für erstere Finanzhilfe, für die Springer erhalten die Kommunen laut Siemers keinen Cent. Sie findet das „unlogisch“. Immerhin hätten die Erzieher zusätzlich zu den regulären Schließzeiten in den Ferien noch Urlaubstage, dazu kämen Fortbildungen und Krankheiten. „Im Schnitt fehlt jeder Erzieher dadurch 20 Tage im Jahr.“ Ohne Springer wäre der Betrieb also nicht aufrechtzuerhalten.

Sämtliche angemeldeten Kinder unterzubringen und möglichst viele Elternwünsche zu erfüllen, ist für Siemers und ihre Kollegen nicht immer einfach. Und auch die sich regelmäßig ändernden Vorgaben des Lands tragen ihren Teil dazu bei, dass das Team immer wieder neu reagieren muss. So soll in diesem Sommer ein neues Gesetz für die Kindertagesstätten herauskommen. Einen Entwurf, geschweige denn den fertigen Text, hat Siemers bis heute nicht gekriegt.

„Ich bin gespannt auf die Veränderungen“, sagt die Fachbereichsleiterin. „Aber wir müssen ja auch darauf reagieren können. Ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich etwas an die Hand bekommen.“ Gehört hat sie, dass es eine Faktorisierung für die Kids geben soll, nach der sich die neuen Gruppenstärken berechnen. „Kinder zwischen drei und sechs Jahren sollen wohl den Faktor 1 erhalten, Kinder mit Förderbedarf 2 oder 3, und auch Krippenkinder einen höheren Faktor.“

Bis heute hält sich das Klischee, dass Erzieher nur mit den Kindern spielen und einen entspannten Job haben. Siemers weiß, dass viel mehr dazu gehört. „Der Beruf ist über die Jahre immer anspruchsvoller geworden. Wir haben jetzt Krippen, Sprach- förderung, den Ganztagsbetrieb mit Mittagessen, weniger Schließzeiten in den Ferien, und immer mehr Kinder gehen immer früher in Krippe und Kindergarten“, zählt sie auf. „Die Erzieher müssen Beobachtungsbögen ausfüllen und den Entwicklungsstand der Kinder beurteilen. Auch die Ansprüche der Eltern sind gestiegen.“

Siemers wünscht sich, dass sich die Bedingungen für die Lehrlinge verbessern. Aktuell dauert die schulische Ausbildung vier Jahre – ohne Bezahlung. „Es wäre gut, wenn sich das ändert. Wir brauchen den Nachwuchs.“ Begrüßen würde sie es auch, wenn die Erzieher nicht tariflich fest in Gruppen eingeordnet wären, sondern sich durch Fortbildungen weiter qualifizieren und eine bessere Bezahlung erlangen könnten.

Wer Nachfragen hat oder sich für eine Stelle als Erzieher bei der Samtgemeinde interessiert, erreicht Siemers unter Telefon 04252/391314.

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