Sabrina Palm, Steve Crawford und Conor Mallon in der Nolteschen Scheune

Kapriziöse, teils eigenwillige Klangmischungen kommen an

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Sabrina Palm und Steve Crawford (rechts) spielten bereits mehrfach in Süstedt. Erstmals dabei war am Samstag Conor Mallon mit Flöten und dem Uilleann Pipe, einem Dudelsack.

Süstedt - Von Dagmar Voss. Einen fidelen Abend – wobei die Fiedel von Sabrina Palm eine Hauptrolle spielte – erlebten mehr als 100 Zuhörer am Samstag in der Nolteschen Scheune. „Fresh Folk from Scotland“ stand auf dem Programm, das Sabrina Palm, Steve Crawford und Conor Mallon mit Leben füllten, mit beschwingten Tänzen und klangvollen Balladen, mit traditionellen Stücken aus dem Norden Englands und zeitgenössischen Liedern von der Insel. Nicht nur aus Schottland, auch aus Irland stammte die Musik, die manch melancholische Klangfarbe beinhaltete.

„Es gibt wenig Platz zum Tanzen, aber Sitztanzen kann man ja auch“, schlug die aus Bonn stammende Sabrina Palm vor, die zum wiederholten Mal in Süstedt gastierte. Und schon ließ sich manch einer darauf ein, denn diese fetzigen Jigs, Reels und Strathspeys bringen es einfach mit sich, Hände, Füße und Schultern zu bewegen.

Zu Sabrina Palm gesellte sich wieder einmal der Schotte Steve Crawford mit Gitarre und seiner warmen Stimme, außerdem zum ersten Mal Conor Mallon mit Flöten und Uilleann Pipe. Zu diesem speziellen Dudelsack erklärte der Ire einiges; zum Beispiel, dass er um den Bauch getragen und mit den Ellbogen aufgepumpt wird. Der All-Ireland-Champion gab auf den Uilleann Pipes im zweiten Set ein beeindruckendes Solo zum Besten.

Die drei jungen Musiker zauberten gute Laune in den Raum, wenn sie aus ihrem musikalischen Gepäck im Vier-Viertel- oder Sechs-Achtel-Takt Stücke aus der William-Christie-Sammlung aus dem 19. Jahrhundert erklingen ließen – oder auch mal eine etwas nachdenklichere Stimmung bei solch traurigen Liedern wie „The Bonny house of Airwe“, wobei die Akkorde eher fröhlich wirkten im Kontrast zum Text.

Es soll vier Kategorien von Liedern geben, die Christie zusammengestellt hat, wobei auch die Kategorie „ganz alt“ dabei ist, erklärte Sabrina Palm. Und daraus gab es dann das „My bonny laddie has won my heart“. Allerdings sei der Text verloren gegangen, also müssten die Zuhörer sich den selbst ausmalen. Bei den sachten Klängen war es für die meisten sicher kein Problem, daraus ein schönes eigenes Liebeslied zu fantasieren.

Ein weiterer Komponist aus dem 19. Jahrhundert, nämlich Francis Childs und dessen Sammlung traditioneller irischer Lieder, hatte dem Trio Pate gestanden, so für „Die Rabenballade“, die es ins Deutsche übertragen hat. Crawford gab zu, dass es für ihn schon etwas zungenbrecherisch sei, ein deutsches Lied zu singen, doch seine Stimme ließ die schwarzen Schwingen der Raben im Geiste fliegen.

Noch bluesiger wurde es bei weiteren selbst geschriebenen Stücken oder Anleihen zeitgenössischer Lieder. Mit seiner einfühlsamen Stimme entführte Steve Crawford das begeisterte Publikum nach Schottland, zu Themen über Liebe und Tod, die See und die Berge.

Mit ihren kapriziösen Klangmischungen und ihrer Mixtur alter und neuer Werke aus dem angelsächsischen Raum schafften die Musiker gute Laune. Gemeinsam brachten sie mit ihrem teils eigenwilligen Zusammenspiel die Konzertgäste zum Schwingen. Ob und wie viel Whiskey oder Guinness floss, konnte nicht herausgefunden werden. Jedoch ernteten die Musiker lang anhaltenden Applaus, der sie zu manch einer Zugabe veranlasste, etwa der Ode an die Mutter Natur.

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