Songs von den Beatles und Michael Jackson begeistern die Gäste beim Abschlusskonzert

Rockmusik statt Bach und Mendelsohn

Rainer Halweg, Daniel Suling, Dietrich Wimmer und David Klosik (von links) erhielten vom Publikum lang anhaltenden Beifall für ihren Auftritt. Foto: UWE CAMPE

Br.-Vilsen - Von Uwe Campe. Am Erntedankfest 1959 wurde die Orgel in der Vilser St.-Cyriakus-Kirche eingeweiht. Grund genug für den Kirchenmusiker Dietrich Wimmer, den 60. Geburtstag seines Lieblingsinstruments im Jahresverlauf mit einer sechsteiligen Konzertserie zu feiern, die am vergangenen Sonntagabend – wieder am Tag des Erntedankfests – ihren krönenden Abschluss fand.

Für das letzte Konzert hatte sich Wimmer etwas Besonderes ausgedacht und diesmal nicht Werke der klassischen Orgelkomponisten Bach, Telemann oder Mendelsohn, sondern vielmehr Rockmusik ausgewählt, genauer gesagt einen Rückblick auf die vergangenen sechs Jahrzehnte Rockgeschichte. Da die dafür notwendigen Voraussetzungen an der Orgel allein nur schwer umzusetzen gewesen wären, lud Wimmer den Sänger Rainer Halweg, den Bassisten David Klosik und den Schlagzeuger Daniel Suling zur Verstärkung ein. Jeder von ihnen sei, wie er in seiner Begrüßung betonte, ebenso „musikverrückt“ wie er.

Ein beachtlicher Stimmumfang

In der Folge nahm das gut eingespielte Quartett die Zuhörer mit auf eine musikalische Zeitreise und interpretierte für jedes der vergangenen sechs Jahrzehnte, die die Vilser Orgel bislang erlebt hat, ein oder zwei typische Stücke. Von Wimmer und Halweg durch das Programm geführt, ging es los mit dem Song „Gimme some lovin’“ der Spencer Davis Group aus dem Jahr 1966. Dabei lieferte Sänger Halweg – auch ohne Noten lesen zu können – gleich schon einmal eine Kostprobe seines beachtlichen Stimmumfangs. Schön anzuhören war auch das darauffolgende „Yesterday“ der Beatles, bevor mit „Shine on you crazy diamond“ der britischen Popgruppe Pink Floyd aus dem Jahr 1975 ein erstes wirkliches Ausrufezeichen gesetzt wurde. Im Gegensatz zum Original spielte das Intro aber nicht auf E-Gitarren, sondern – opulent und mächtig – auf der Orgel. Im Verlauf des mehr als zehnminütigen Stücks fielen Bass, Schlagzeug und schließlich der Gesang erst nach und nach und geradezu behutsam ein. Diesen ganz ungewöhnlichen Musikgenuss quittierten die Besucher, von denen viele Personen etwa das Alter der Vilser Orgel gehabt haben mögen, dann auch mit langem und lautstarkem Applaus.

Von 1980 bis ins Jahr 2010

Mit dem ruhigen Schlaflied „Lullaby to Sarah“ des Italieners Angelo Branduardi aus dem Jahr 1976 hatten die Besucher Gelegenheit, den Puls wieder etwas herunterzufahren. Gleichzeitig leitete das Programm über in die 1980er-Jahre, für die stellvertretend das Lied „99 Luftballons“ der deutschen Sängerin Nena erklang. Die darauffolgende Interpretation von „Tears in heaven“ näherte sich dann schon beängstigend dem Original des englischen Altmeisters Eric Clapton aus dem Jahr 1992 an. Mit „Clocks“ der britischen Rockband Coldplay aus dem Jahr 2002 wurde dann die Millenniumsgrenze überschritten, um endlich mit „Geboren um zu leben“ der deutschen Gruppe Unheilig in den 2010er-Jahren anzukommen.

Damit war dieses zweifellos geglückte, bei den Besuchern gut ankommende Experiment allerdings noch nicht beendet, denn jetzt ging es mit vier weiteren Songs wieder zurück. Über den erstmals 1995 veröffentlichten „Earth song“ des Amerikaners Michael Jackson, „Karma Chameleon“ der britischen Band Culture Club aus dem Jahr 1983 und „La Cathedrale de Strasbourg“ der niederländischen Formation Focus aus dem Jahr 1974 näherte man sich dem Ausgangspunkt der Reise, der mit dem vom Publikum mitgesungenen oder zumindest mitgeklatschten 1968er-Klassiker „Hey Jude“ der Beatles schließlich erreicht wurde.

Allein gemessen an dem nach jedem Stück gespendete intensiven Beifall der etwa 150 Besucher, die den Musikern schließlich auch noch eine Zugabe abverlangten, war das außergewöhnliche Konzert als voller Erfolg anzusehen und stellte, wie auch Veranstalter Wimmer hinterher befand, sicherlich den Höhepunkt der gesamten Serie dar.

Aber nicht nur auf künstlerischer Ebene, auch finanziell durfte man mehr als zufrieden sein, kam doch bei der nach Konzertende am Ausgang erfolgten Sammlung für die zu überholende und zu reinigende Orgel ein beträchtlicher Spendenbetrag zusammen.

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