Wanderausstellung im Museum Nienburg 

Als das Rind den Job des Traktors machte

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Die Sponsoren Dieter Isensee (Wirker-Stiftung Nienburg, von links), Michael Duensing (Landschaftsverband Weser-Hunte), Bernd Heckmann (Avacon) freuen sich mit Museumsleiterin Kristina Nowak-Klimscha auf die neue Wanderausstellung. Auch die Göllner-Spedition und die Neuhoff-Fricke-Stiftung sind Förderer.

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Die beiden kleinen Rinder aus Bronze stehen unter dem Glaskasten und wirken ein bisschen wie das Spielzeug eines Kindes. Dabei sind sie Tausende von Jahren alt, und könnten sie sprechen, hätten sie eine Menge zu erzählen. Sie würden von einer Zeit berichten, lange, lange vor Christi Geburt, in der das Rind einer der wichtigsten Verbündeten des Menschen war, weil es ihm dabei half, die Felder zu bestellen und so sein Überleben zu sichern.

Das machte die Tiere wertvoll. So sehr, dass sie richtige Bestattungen bekamen und Teil eines Kultus wurden. Ausdruck dieser Verehrung und Wertschätzung sind die kleinen Bronze-Rinder, die Besucher ab Donnerstag, 23. März, im Museum Nienburg betrachten können. Denn dann eröffnet um 19 Uhr die Sonderausstellung „Die Erfindung des Traktors – Steinzeitkraft verändert die Welt“.

Das klinge zunächst nach einer Ausstellung, die die landwirtschaftlichen Maschinen in den Fokus nehme, doch „es ist eine getarnte archäologische Wanderausstellung“, erklärt Museumsleiterin Kristina Nowak-Klimscha. Diese sei eine Leihgabe der Arche Nebra und in zwei Teile geteilt.

In dem ersten, der im Museum im Fresenhof gezeigt wird, geht es um die Zeit, in der allein die Kraft der Menschen und Tiere die Versorgung aller sicherstellte. Und zwar, als die Menschen begannen, sesshaft zu werden, etwa 6 000 Jahre vor Christus. Zu sehen ist unter anderem der 3D-Druck eines Scheibenrades mit Achse aus Slowenien. Das Original wird auf 3 200 Jahre vor Christus datiert, also ungefähr 300 Jahre nach der Erfindung des Rades um 3 500 vor Christus.

Als Kontrast zu den uralten Fundstücken dienen die riesigen Comic-Zeichnungen, die den Alltag der Steinzeitmenschen darstellen. Die Figürchen mit den runden Gesichtern, die sich beispielsweise mit verbissenen Mienen mühen, ein störrisches Rind vorwärtszuschieben, lockerten das Ganze auf und machten es auch für Kinder interessant, so Nowak-Klimscha. Die Tafeln dazu erklären, wie es dazu kam, dass Menschen die Kraft der Tiere für sich nutzten, und mit welchen technischen Innovationen sie auf andere Herausforderungen reagierten.

Ältester Pflug Deutschlands ist „made in Nienburg“

Normalerweise könnte das Museum noch einen besonderen Schatz präsentieren, der sogar die Signatur „Made in Nienburg“ trägt – und zwar den ältesten Pflug Deutschlands aus der Zeit um 2 000 vor Christus. Er wurde in Mehlbergen in der Gemeinde Balge gefunden, ging aber an das Focke-Museum in Bremen, das diesen nur ungern verleiht. „Aber wir haben ein Bild davon in der Ausstellung“, sagt Nowak-Klimscha.

Der zweite Teil der Präsentation ist im Quaet-Faslem-Haus zu finden. Dort erleben die Besucher einen gewaltigen Zeitsprung, denn sie können moderne landwirtschaftliche Maschinen bestaunen. Dieser große Satz in die Gegenwart habe seine Berechtigung, so Nowak-Klimscha. „Nach der Erfindung des Rades passierte 5 000 Jahre nur sehr wenig. Beispielsweise der Pflug, der in der Steinzeit erfunden worden ist, wurde noch im Mittelalter genutzt, bis er vom Streichbrett abgelöst wurde, mit dem es erstmals möglich war, die Erde zu wenden. Erst mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert gibt es eine mächtige Wandlung in der Landwirtschaft.“ Wer sich noch weiter über Arbeitsgeräte aus diesem Bereich informieren möchte, kann dies im Spargelmuseum tun, das auch ein paar Pflugscharen und einen Traktor aus den 1970er-Jahren in petto hat.

Zur Eröffnung der Wanderausstellung kommen die Trecker-Freunde Erichshagen standesgemäß auf ihren Oldtimern.

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