Bundesfreiwilligendienst

Rieke hat als Bufdi bei „Lebenswege begleiten“ in Bruchausen-Vilsen viel Verantwortung gelernt

Junge Frau sitzt am Schreibtisch und telefoniert
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Bevor Rieke Brümmer das Büro der Schülerfirma leiten musste, hat sie dort erst einmal alles umgeräumt. „Ich habe aber gemerkt, dass ich nicht immer am Schreibtisch sitzen möchte“, ist ihre Erkenntnis nach dem Bundesfreiwilligendienst beim Verein „Lebenswege begleiten“.

Br.-Vilsen – „Im Moment ist geschlossen. Würden Sie bitte später wiederkommen? Wir haben gerade eine Besprechung.“ So freundlich wie bestimmt vertröstet Rieke einen älteren Herrn, der ein Problem mit seinem Fahrrad hat. Eigentlich ist sie gar nicht so. Weil ihre Nummer an der Tür des Fahrradschuppens steht, klingelt bei ihr zu allen möglichen Tageszeiten das Telefon.

Die nächste Stunde ist jedoch reserviert fürs Abschiednehmen. Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD) geht zu Ende. „Ich habe viel Verantwortung gelernt“, heißt das Fazit für Rieke Brümmer.

Das Jahr als „Bufdi“ verbrachte die 17-Jährige aus Uenzen beim Verein „Lebenswege begleiten“ in Bruchhausen-Vilsen. Ein Heimspiel. Seit Rieke die sechste Klasse besuchte, gehört sie zum Team und harten Kern der Schülerfirma „Fahrradschuppen“. Zunächst als Ganztagangebot an den Schulen im Ort, jetzt unter der Regie des Vereins geführt, ist der Fahrradschuppen eine Anlaufstelle, die Radfahrer nicht mehr missen möchten. In harmonischem Nebeneinander mit dem lokalen Fahrradhändler reparieren die Schüler für kleines Geld alles, was an einem Drahtesel defekt sein kann. Auch Rieke kann schrauben, das habe sich aber nur so ergeben. Sie hatte die Regie im Büro.

„Das hat sie richtig gut gemacht“, bescheinigt Bianca Hrabowski, als eine der Hauptamtlichen bei Lebenswege Riekes Ansprechpartnerin während des freiwilligen Jahres. Ingo Rahn, Initiator der Fahrradwerkstatt und Gründer von Lebenswege, erinnert sich vor allem daran, dass Rieke als erste Amtshandlung den Schreibtisch verrückt und das kleine Büro nach ihren Vorstellungen umgestaltet hat. „Ich habe in dem Jahr aber gemerkt, dass ich nicht immer im Büro sitzen möchte“, gibt Rieke eine für sie wichtige Erkenntnis aus der Zeit wieder, die sie Überbrückungsjahr zwischen Schule und Ausbildung nennt.

Wenn sie auch erst spät erkannt habe, dass durchaus „ein Schrauber“ in ihr steckt, freut sie sich nach dem Jahr als „Bufdi“ auf ihren Ausbildungsbeginn im August. In einer eher kleinen Firma in Brinkum will sie das Handwerk der Werbetechnikerin erlernen. Autos und Schilder folieren, Werbung auf Lkw-Planen bringen, Klamotten bedrucken, all das lernt sie als angehende Schilder- und Lichtreklameherstellerin. Ob das ein Job für Mädchen ist? Als begabte Fußballspielerin und langjähriges Mitglied in der Jugendfeuerwehr stellt sich diese Frage für sie nicht. Sollte es aber immer noch etwas für vermeintlich „typische“ Mädchen geben, wäre das eher nichts für sie, erzählt sie.

Aus dem Büro mögen die Aktiven von Lebenswege Rieke kaum wegdenken. „Sie hat die Kundenbetreuung ja komplett allein gemacht“, sagt Ingo Rahn. „Dabei hatte ich eine Telefonphobie“, gesteht Rieke. Diese Abneigung musste und konnte sie jedoch ablegen. „Es bringt einen weiter“, sagt sie über den Bundesfreiwilligendienst. „Ich kann das nur empfehlen“, meint sie.

Rieke ist die sechste Jugendliche, die bei Lebenswege die Chance genutzt hat, sich beruflich zu orientieren und die Persönlichkeit zu entwickeln. Ein erklärtes Ziel des Nachfolgeangebots des Zivildienstes, das auch immer noch als Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bekannt ist. Ab 16 Jahren stehen Jugendlichen und jungen Erwachsenen sogar über das 27. Lebensjahr hinaus derzeit bundesweit 35000 ganz unterschiedliche Stellen zur Verfügung. „Wir sehen, wie die jungen Leute in dieser Zeit reifen“, berichtet Bianca Hrabowski aus Sicht des Arbeitgebers.

Beim Verein Lebenswege begleiten verbrachte Rieke einen Teil ihrer Bufdi-Zeit bei den Lerncamps. Außerdem gehörten die Pflege des Außengeländes und der Putzdienst zu ihren Aufgaben. Auch bei der Schülerhilfe war sie im Einsatz „Das Jahr war abwechslungsreich, es hätte ruhig länger sein können“, erzählt Rieke, die jetzt zwar das Amt des Bufdi abgibt, dem Verein und vor allem dem Fahrradschuppen als Ehrenamtliche aber erhalten bleibt. „Das liegt mir am Herzen“, fasst sie ihre jahrelange Verbundenheit in Worte.

Als Schülerin war sie dankbar über die Möglichkeit, bei der Schülerhilfe selbst kostenlos Unterstützung zu bekommen. Jetzt hat sie den Betrieb aus der anderen Perspektive mitbekommen und Schüler wegen der Corona-Beschränkungen eins zu eins betreut. Auch die Digitalisierung dieser Schwerpunktaufgabe im Verein fiel in ihre Bufdi-Zeit.

„Man sollte gut mit Kindern können“, ist ihr Tipp für einen Nachfolger, „der oder die aber leider noch nicht in Sicht ist“, sagt Axel Hillmann, bei Lebenswege für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Der Verein möchte die Stelle gern wieder besetzen. Auch, weil Rieke im Team fehlen wird, vor allem aber, weil das freiwillige Jahr jungen Menschen Orientierung bieten kann auf den manchmal allzu verzweigten und unübersichtlichen Lebenswegen.

Die Stelle im Rahmen des BFD kann bereits zum 1. August besetzt werden, dafür müsste eine Bewerbung bis zum 16. Juli vorliegen.

Kontakt zu Lebenswege begleiten:

Auf der Loge 17a,

27305 Bruchhausen-Vilsen

04252 9098 326

www.lebenswege- begleiten.de

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