Experten inspizieren Torso in Martfeld

Rettung der Mühle

Sie inspizierten die Mühle von innen und außen (von links) Eigentümer Lothar Klerings, der ehrenamtliche Denkmalschützer Bernd Kunze, der hauptamtliche Denkmalpfleger beim Landkreis, Heiner Hickmann, die Expertin für Materialuntersuchungen, Antje Rinne, Eigentümerin Marion Hofmann sowie die Mitarbeiter eines Braunschweiger Planungsbüros, Julian König und Ralf Starke. Foto: Uwe Campe

Martfeld - Von Uwe Campe. Birken und Büsche wachsen aus dem zum Teil schon stark beschädigten Mauerwerk, der Putz ist großflächig abgeblättert und die Fensterscheiben sind stellenweise herausgebrochen. Unaufhörlich nagt der Zahn der Zeit an der ohnehin nur noch als Torso vorhandenen, einst so stolzen und formschönen Stührmühle an der Bruchhauser Straße in Martfeld. Der 23 Meter hohe, 1878 von dem Mühlenbauer Fahlenkamp errichtete Galerie-Holländer war damals das Produkt des sogenannten Martfelder Mühlenkriegs und sollte nach Vorstellungen des Müllers Carl Ludwig Meyer der zuvor in der Ortsmitte von einer Interessengemeinschaft gebauten, heute noch vorhandenen Fehsenfeldschen Mühle Konkurrenz machen. Ein langes Mühlenleben war der Stührmühle jedoch nicht beschieden, denn bereits mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb eingestellt. 1945 erlitt sie zudem schwere Schäden durch englischen Beschuss. Da bereits 1949 die Flügel abgenommen werden mussten, nutzte man bis 1954 noch einen Elektromotor, um zumindest geringfügige Mahltätigkeiten auszuführen. Die Mahlgänge und die übrige Innenausstattung wurden anschließend nach und nach verkauft. Die Königswelle ist noch vorhanden. Die seit 1994 ein Notdach tragende Mühlenruine steht unter Denkmalschutz.

An Bestrebungen für eine zumindest teilweise Sanierung hat es in der Vergangenheit nicht gefehlt, indes liefen alle entsprechenden Vorstöße bislang ins Leere. Die heutigen Eigentümer Marion Hofmann und Lothar Klerings haben jetzt einen erneuten Versuch gestartet, zu retten, was zu retten ist. Um zunächst einmal auszuloten, was überhaupt möglich und machbar ist, hatten sie daher mit dem hauptamtlichen Denkmalpfleger beim Landkreis, Heiner Hickmann, dem ehrenamtlichen Denkmalschützer Bernd Kunze aus Martfeld, der Expertin für Materialuntersuchungen Antje Rinne (Rinteln) und den beiden Mitarbeitern eines Braunschweiger Planungsbüros, Julian König und Ralf Starke, gleich mehrere Fachleute zu einem ersten Sondierungsgespräch eingeladen.

Nachdem die Experten die Mühle sowohl von außen als auch von innen gründlich in Augenschein genommen hatten, kamen sie schnell zu dem Ergebnis, dass akuter Handlungsbedarf besteht, soll das Gebäude nicht dem baldigen und dann wohl auch endgültigen Verfall preisgegeben werden. Das Hauptproblem bildet an vielen undichten Stellen eindringendes Wasser und darüber hinaus auch der vegetative Bewuchs mit seinem das Mauerwerk schädigenden Wurzelwerk.

Die Fachleute waren sich rasch einig, dass als erster Schritt ein Konzept für eine Notsicherung entwickelt und das Gebäude in diesem Zusammenhang eingerüstet werden müsste. Sodann könnten die ersten und dringendsten Reparaturen durchgeführt, der Bewuchs entfernt und eine genaue Untersuchung des Mauerwerks vorgenommen werden. Denkmalpfleger Hickmann erklärte sich bereit, zu eruieren, inwieweit dafür finanzielle Unterstützungen seitens des Landes oder anderer öffentlicher Stellen zu erhalten seien. Nach einer erfolgten Notsicherung könnte man dann Überlegungen für eine Fassadeninstandsetzung und ein zukünftiges Nutzungskonzept anstellen. Soweit ist es aber noch lange nicht und die Eigentümer würden sich glücklich schätzen, wenn zunächst einmal der erste Schritt auf dem Weg zur Erhaltung der Mühle gegangen werden würde.

Mühlenfest

Am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag öffnet die Stührmühle in Martfeld ab 14 Uhr. Es gibt Kaffee, Kuchen, Bratwurst und Getränke sowie ein Programm. Weitere Infos folgen.

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