Resonanz liegt weit unter Erwartungen

Mensa, die unendliche Geschichte

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Mediengruppe Kreiszeitung

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Rund 250000 Euro investierte die Samtgemeinde im Jahr 2014 in einen Umbau der Mensa-Küche am Schulzentrum Bruchhausen-Vilsen. Gebracht hat es wenig: Nur 60 Mittagessen werden dort im Schnitt am Tag ausgegeben. Angepeilt hatten Politik und Verwaltung eine Zahl im dreistelligen Bereich. Daher sah der Schulausschuss am Donnerstagabend auch „dringenden Handlungsbedarf“, wie Vorsitzender Wolfgang Griese (CDU) es formulierte.

Die unendliche Geschichte der Mensa begann 2006 mit deren Bau. In den ersten Jahren kochte und lieferte ein Caterer das Mittagessen. Doch der Erfolg blieb aus: Irgendwann aßen laut dem damaligen Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch nur noch durchschnittlich 15 Jugendliche in der Mensa: „Dabei ist sie für mindestens 100, eher 200 Schüler ausgelegt.“ Um diese Zahl zu erreichen, ließ die Samtgemeinde die Küche schließlich so umbauen, dass vor Ort gekocht werden kann.

Seit September 2014 betreibt die Tiltscher Catering Gesellschaft aus Stuhr die Mensa und bietet dort montags bis donnerstags Mittagessen im „Tiefkühl-Mischsystem mit hohem Frischeanteil“ an. Zwar verzeichnete die Verwaltung schon an den ersten Tagen des neuen Systems eine steigende Nachfrage – aber der erhoffte Boom blieb aus. Und so stolperte Griese am Donnerstag über die im Haushaltsplan 2016 angegebene Zahl von jeweils 60 Mensa-Essen an vier Tagen. Die Samtgemeinde bezuschusst jedes Gericht mit 55 Cent, während die Schüler selbst drei Euro bezahlen.

„Es gibt sehr gute Tage, wo wir wesentlich mehr Essen zählen, aber auch sehr schlechte“, erklärte Cattrin Siemers, Ressortleiterin Bildung im Rathaus. Die Nachfrage hänge stark davon ab, ob der Stundenplan der Schüler Nachmittagsunterricht vorsehe, aber auch von Klassenfahrten, Praktika und Co.

„Viel ist das ja nicht“, stellte Griese fest und erntete Zustimmung von seinem Parteikollegen Heinrich Klimisch: „Wir sind mal von ganz anderen Zahlen ausgegangen.“ Er fragte nach dem Grund für die mangelnde Resonanz. „Es liegt nicht an der Qualität, da haben wir mehrfach nachgefragt“, lautete Siemers‘ Antwort. Vielleicht sei die „Völkerwanderung zum Dönerladen“ schuld, sinnierte Klimisch, und irgendwer rief: „...und zu Aldi.“ Ein Oberschüler, der zu den beratenden Ausschussmitgliedern gehört, sagte, dass er nur wenig Nachmittagsunterricht habe und deshalb meist zu Hause esse. Er wisse jedoch von einigen Mitschülern, dass sie sich lieber bei Aldi, Netto, beim Dönerladen oder am Schulkiosk verpflegen.

Ein Grund dafür könnte der organisatorische Aufwand sein, meinte Gymnasiast Leo Heckmann. Er bestätigte, dass das Essen „sehr gut“ ist – anders als die Anmeldeformalitäten: „Viele Schüler scheuen den Aufwand einer Online-Anmeldung und finden es nicht gut, auch bezahlen zu müssen, wenn sie vergessen, das Essen abzubestellen.“ Eine Schülerin fügte hinzu: „Wir wollen gerne spontan entscheiden, ob wir in der Mensa essen, aber das geht ja nicht.“ Aktuell müssen sich die Mädchen und Jungen mindestens zwei Tage vorher anmelden, wenn sie in der Mensa speisen wollen.

Griese bat um Verbesserungsideen – und blickte in ratlose Gesichter. „Ich weiß nichts mehr“, gab Siemers zu. „In keiner Schule sieht es anders aus, da kann man auch nach Syke oder Weyhe gucken.“ Sie schlug vor, testweise auf die Anmeldepflicht zu verzichten und zu gucken, ob die Schüler spontan mehr Hunger haben.

Sozialdemokratin Nicole Uhde gab zu bedenken, dass die Mensa künftig ausgelasteter sein dürfte, wenn dort auch für die Kindergarten- und Krippenkinder gekocht wird (wir berichteten über diese Überlegung). „Das wären noch mal 170 Essen täglich“, stimmte Siemers zu.

Michael Albers (SPD) sprach von einer „never ending story“ und bat die Verwaltung, neue Anmeldemodelle auszuprobieren. „Dafür wäre ich notfalls auch bereit, mehr Geld zu zahlen.“

Hart ins Gericht mit der Entscheidung für den Mensa-Umbau ging Werner Pankalla (CDU). Er wohnte dem entsprechenden Beschluss des Schulausschusses im November 2013 als Gast bei, war aber nicht stimmberechtigt. „Wir machen Sachen, die wir uns gar nicht richtig überlegen“, sagte er. „Das war rausgeschmissenes Geld.“ Seine Ausschusskollegen widersprachen. Griese: „Den Schülern ein Mittagessen anzubieten, ist laut Gesetz eine Pflichtaufgabe.“

Kommentar:

Von Mareike Hahn

Werner Pankalla polarisiert. In fast jeder politischen Sitzung fordert der Christdemokrat, kein Geld mehr für übertriebene Investitionen rauszuwerfen, sondern sich endlich auf die Tugend der Sparsamkeit zu besinnen. Wenn er mal wieder einen Satz mit den Worten „Meine Wähler wollen“ anfängt, sorgt er manchmal für Gelächter und manchmal für Kopfschütteln. Manchmal aber hat er einfach Recht. So wie bei der Diskussion über die Mensa. Zwar konnte niemand wissen, dass der Umbau wenig Erfolg bringen würde – wohl aber, dass viele Schulen mit vielen verschiedenen Mittagessen-Systemen dasselbe Problem haben. Und wer seine eigene Pubertät nicht ganz vergessen hat, den dürfte nicht überraschen, dass Pizza und Döner den meisten Jugendlichen besser schmecken als jedes noch so leckere Mensa-Gericht. „Wir machen Sachen, die wir uns gar nicht richtig überlegen“, sagte Pankalla. Diesmal waren seine Worte überhaupt nicht zum Lachen.

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