900 000 Euro fließen in Instandsetzung des Vilser Kirchturms / 2020 folgt letzter Bauabschnitt

Reparatur in luftiger Höhe

Bauhistorikerin Inga Probst, Ingenieurin Cornelia Roeder, Peter Schmitz (Kirchenvorstand) und Christian Baus (Leiter des Amts für Bau- und Kunstpflege Verden, von links) bei einer bauhistorischen Bestandsaufnahme des Turms. Foto: NALA HARRIES

Br.-Vilsen - Von Nala Harries. Vom Vilser Kirchturm ist derzeit nicht viel zu sehen, denn ein neunstöckiges Gerüst versperrt die Sicht auf den im 13. Jahrhundert erbauten Turm. „Statisch gesehen musste jetzt etwas passieren. Im Mauerwerk sind Risse vorhanden und das Mauerwerksgefüge hat sich an einigen Stellen bereits gelöst, in Teilbereichen fehlt den Feldsteinen die Haftung“, erklärte Christian Baus, Leiter und Architekt im Amt für Bau- und Kunstpflege Verden. So begann im Juli die Restaurierung.

Gemeinsam mit Bauhistorikerin Inga Probst und Ingenieurin Cornelia Roeder aus Hildesheim nahm Baus zuerst eine bauhistorische Bestandsaufnahme des 48 Meter hohen Turms vor. „Wir lernen, zu verstehen, in welcher Bauphase welches Material wie verwendet wurde. Hierbei spielt auch die Zusammensetzung und die Verarbeitung des Mauer- und Fugenmörtels eine große Rolle. Zudem kann man deutlich erkennen, dass der Fugenmörtel im 13. Jahrhundert und auch in späteren Bauphasen steinbündig, also bis zur Vorderkante der Feldsteine, verarbeitet wurde“, meinte Baus. Mit den gewonnenen Erkenntnissen gibt Probst Hinweise an die Ingenieurin, wo sich historisch wertvolles Mauerwerk befindet und somit Steine stehen gelassen werden dürfen.

Im Laufe der Gebäudegeschichte seien viele verschiedene Mörtelarten verwendet worden. Einer davon stamme noch aus dem 13. Jahrhundert (Zeit der Erbauung) und habe sich gut gehalten, meinte Baus. Ein weiterer Mörtel stamme aus dem 16. Jahrhundert (Sanierung) und weise ebenfalls gute Eigenschaften auf.

Diese Erkenntnisse würden nun in die Rezeptur des neuen Mauer- und Fugenmörtels mit einfließen. Die Arbeiten sind bereits gestartet.

Stile aus verschiedenen Epochen

Am Mauerwerk und den Fenstern des Kirchenschiffs lassen sich äußerlich erhebliche bauliche Unterschiede feststellen, die Hinweise auf verschiedene Bauphasen und Epochen geben, sagte Peter Schmitz vom Kirchenvorstand während einer Führung über das Gelände. Zuerst habe sich der romanische Stil in Vilsen durchgesetzt, was unter anderem an den relativ kleinen Fensteröffnungen zu erkennen sei. Auch die Verwendung von Feld- und Sandsteinen spreche für die romanische Architekturepoche (seit dem zehnten Jahrhundert), erklärte Schmitz. Die kleinen Fensteröffnungen wurden mit Beginn der Gotik Mitte des zwölften Jahrhunderts dann zugemauert und durch großflächige Glasfenster ersetzt. Zudem besserte man zu dieser Zeit das Mauerwerk hauptsächlich mit Backsteinen, statt mit Sand- und Feldsteinen aus. Beide baulichen Stile sind bei einem Blick auf das Vilser Kirchenschiff sehr gut zu erkennen.

Drei Bauabschnitte seit 2010

„Zwischen 2010 und 2011 erfolgte dann der erste Bauabschnitt, bei dem das Dach des Kirchenschiffs erneuert wurde“, sagte Schmitz. 2014/2015 schloss sich der zweite Bauabschnitt mit der Sanierung des Mauerwerks an der Nordseite des Kirchenschiffs an. In diesem Jahr sei nun der Kirchturm an der Reihe, welcher zuletzt 1875 instandgesetzt wurde. „Dieser Abschnitt ist sehr teuer und kostet rund 900 000 Euro“, erklärte das Mitglied des Kirchenvorstands.

An den historisch bedeutenden Wandbereichen müsse in erster Linie der Wasserablauf am Mauerwerk wiederhergestellt werden. Zudem würden hinter einigen Steinen in den Fugen bereits Pflanzen wachsen, weswegen dort das Mauerwerksgefüge aus Mörtel und kleinen Feldsteinen erneuert werden müsse. „Trotzdem wollen wir so viel historische Substanz wie möglich bewahren und das ursprüngliche Erscheinungsbild bei der Instandsetzung miteinbeziehen“, sagte Baus.

2020 solle dann der vierte und letzte Bauabschnitt folgen, bei dem es um die Sanierung des Kirchturmdachs und die Zimmerarbeiten im Inneren geht. Insgesamt seien im vergangenen Jahrzehnt knapp zwei Millionen Euro in die Sanierung investiert worden, meinte Schmitz. Die Mittel würden von der Landeskirche Hannover sowie der Europäischen Union zur Verfügung gestellt werden. „Wir hätten alles gern in einem Rutsch erledigt, aber dazu waren die Kosten einfach zu hoch“, fügte Schmitz hinzu.

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