Altes Martfelder Pastorenhaus von 1535 bekommt einen neuen Standort

Relikt aus der Reformationszeit

Die dunklen Ständer auf dem Dachboden lassen die Ausmaße des alten Pastorenhauses von 1535 erahnen.

Martfeld - Von Regine Suling. Das Besondere liegt im Verborgenen. Es ist nur ein einziger Raum, der 8,50 mal 6,80 Meter misst und von einem ungewöhnlich hohen Dach gekrönt ist. Ein altes Pastorenhaus von 1535 am Eichenweg ist vermutlich das älteste Gebäude in Martfeld und das aktuelle Großprojekt des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Martfeld. Rund 300 000 Euro an Finanzmitteln und Spenden organisierte der Verein, um das Haus und ein Grundstück an der Kirchstraße zu kaufen. Dort soll das alte Pastorenhaus nach Abschluss des Projektes seinen neuen Platz haben.

„Das Gebäude wird später groß erscheinen, weil es sehr hoch ist“, sagt Martin Tolksdorf. Wer das alte Pastorenhaus von 1535 im Eichenweg in Martfeld sehen will, der muss ganz genau hinschauen, wenn er sich im Inneren des Hauses aufhält. „Noch mehr sehen wir, wenn die Hülle weg ist“, erzählt der Architekt bei der Begehung des ungewöhnlichen Bauwerks. Das besondere Gebäude versteckt sich noch in einem ebenfalls denkmalgeschützten Haus von 1791, das seinerzeit um das Pastorenhaus herum gebaut wurde.

Seit den 1980er Jahren ist der Bau unbewohnt. Seit 2002 sei schon klar gewesen, welche Besonderheit sich in dem Gebäude verbirgt. Als ein auswärtiger Interessent anklopfte und das Gebäude ab- und an anderer Stelle wieder aufbauen wollte, rief das den HVV endgültig auf den Plan, um das außergewöhnliche Haus in und für Martfeld zu erhalten. Dafür kaufte der HVV der Kirchengemeinde das entsprechende Grundstück ab.

Dass das Haus erhaltenswert sei, steht für die Aktiven außer Frage. Denn Otto Homfeld, der erste lutherische Prediger Martfelds, baute das Ein-Raum-Haus für seine Familie im Pfarrgarten, um seiner Frau und den gemeinsamen Kindern auch nach seinem Tod eine sichere Unterkunft bieten zu können. Keine Selbstverständlichkeit in der Reformationszeit, in der Otto Homfeld wohl einer der ersten Pastoren war, die Frau und Kinder hatten. „Diesen historischen Aspekt finde ich total faszinierend“, sagt Sabine Krzikalla, die sich auch für das Projekt engagiert.

Schon wenige Jahre nach der Fertigstellung des Hauses starb der Pastor. Seine Familie musste aus dem Pastorenhaus ausziehen – und fand damit in der von Otto Homfeld gebauten Heimstatt eine gute Unterkunft. „Die war schon recht edel zu dem Zeitpunkt“, sagt Martin Tolkdsdorf und deutet oben auf dem Dachboden auf die hölzernen Spitzen des Ständerwerks, die aufwändig verziert sind. Wer dort oben steht, erkennt mit etwas Vorstellungskraft das alte Pastorenhaus von 1535, kann sich die Ausmaße und auch die Höhe des Gebäudes gut vorstellen.

Unten im Haus gibt es auch noch viele Indizien, die das versierte Auge auf das Haus hinweisen, was im Verborgenen liegt. „Ungewöhnlich ist, dass alle Hölzer sehr scharfkantig sind. Man hat damals hochwertiges Holz genommen und handwerklich gut gearbeitet. Das wird relativ viel Geld gekostet haben“, glaubt Martin Tolksdorf. „An der Innenkonstruktion fehlen einige der Ständer, die hat man abgeschnitten“, erzählt er. Das war vermutlich der Fall, als das Haus von 1791 drum herum gebaut wurde und um mehrere kleine Zimmer erweitert wurde.

Wie geht es jetzt weiter in dem Projekt? Nachdem die HVV-Aktiven auf dem Grundstück klar Schiff gemacht hatten, räumte zuletzt eine professionelle Entrümplungsfirma das Gebäude leer und füllte mehrere Container. Jetzt folgen der Bauantrag und die Vorbereitung der Ausschreibung. „Wir arbeiten hier im Denkmalschutz. Da sind die Arbeitsverfahren aufwändiger und die Materialien anders“, erklärt Martin Tolksdorf.

Für ihn komplett neu sind zwei Aspekte: „Das Alter des Gebäudes. So etwas hatte ich auch noch nicht. Und außerdem sehen wird noch nicht richtig, was es wird – das alte Pastorenhaus von 1535 ist noch nicht sichtbar.“

Zunächst soll es frei gelegt werden. Dazu wird das Haus, von dem es umschlossen wird, abgebaut. „An Ort und Stelle werden dann die fehlenden Ständer ergänzt“, sagt der Architekt. Im Anschluss werde die Konstruktion ausgesteift und stabilisiert, auf Rollen gesetzt und voraussichtlich mit einem dicken Seilzug an ihren wenige Hundert Meter entfernten neuen Bestimmungsort verrollt. „Das wird selten gemacht“, weiß Martin Tolksdorf. Dieses Procedere sei aber wichtig: „Durch das Verrollen bleibt das Denkmal bestehen“, erläutert Anton Bartling, Vorsitzender des HVV Martfeld. Geplant sei es, das Gebäude noch in diesem Jahr zu verrollen.

Dass der Erhalt des Hauses für Martfeld von großer Bedeutung sei, liegt für Anton Bartling auf der Hand. „Das wird ein Denkmal an die frühe Reformationsgeschichte – und an die Geschichte des Pastoren und seine Familie.“

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