Ausschuss spricht über Tourismusförderung

Wo die Reise hingehen soll

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Das jährliche Oldtimer-Treffen am 1. Mai auf dem Brokser Marktplatz ist für Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann ein Höhepunkt im touristischen Kalender.

Br.-Vilsen - Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann ist mit der Entwicklung des Tourismus’ in der Samtgemeinde zufrieden. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt er. Ob die Politik das genauso sieht, dürfte sich heute Abend herausstellen. Dann spricht der Tourismusausschuss über die „Tourismusförderung in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen“. Ein Thema, das in jüngster Zeit mehrfach für Unmut gesorgt hat.

Der Martfelder Kommunalpolitiker Heinrich Lackmann legte als Erster den Finger in die Wunde: Er kritisierte Anfang Dezember vergangenen Jahres während einer Sitzung des Gemeinderats, dass die Martfelder über die Samtgemeindeumlage auch für die touristischen Angebote im Flecken Bruchhausen-Vilsen mitbezahlen müssen. Das war zwar nichts Neues, immerhin wurde das Thema Tourismus schon im Sommer 2013 auf Samtgemeindeebene gehievt, als die Tourismusausschüsse von Samtgemeinde und Flecken fusionierten – doch Lackmann brachte mit seiner Äußerung einen Stein ins Rollen.

Einen Monat später verlangte Hermann Schröder, Ratsherr aus Schwarme, im Tourismusausschuss, dass die Gemeinden Süstedt, Asendorf, Martfeld und Schwarme endlich auch in den Fokus rücken und zum touristisch am stärksten geförderten Flecken aufschließen sollen. Seine Forderung, ein Tourismuskonzept müsse her, stieß auf offene Ohren.

In dem Konzept solle es um die touristische Weiterentwicklung der Mitgliedsgemeinden gehen, forderte Schröder und ärgerte sich über die Verwaltung. Sie habe seinen Antrag, eine touristische Route von Bruchhausen-Vilsen durch das Schwarmer Bruch zum Erbhof in Thedinghausen sowie eine Aussichtsplattform im Bruch zu installieren, mehr als ein halbes Jahr ignoriert. Rathaus-Mitarbeiterin Christa Gluschak betonte daraufhin, dass die Verwaltung nicht untätig sei. Sie werde weiter Gespräche mit den Bürgermeistern der Gemeinden und bald auch mit Thedinghausen führen.

Tatsächlich hat die Samtgemeinde zwischenzeitlich einige Schritte in diese Richtung zurückgelegt, betonen Bormann und Gluschak. Details wollten sie auf Nachfrage nicht verraten, um der heutigen Sitzung nicht vorzugreifen. Fest steht indes: Bevor der Ausschuss ab 19 Uhr im Rathaus Bruchhausen-Vilsen tagt, fahren die Mitglieder zum Erbhof nach Thedinghausen. Dieser Ausflug findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, anders als die eigentliche Sitzung, bei der es um eine „Auswertung der Gespräche mit Vertretern der Mitgliedsgemeinden“ sowie um die „weitere Vorgehensweise“ geht.

„Wir stellen vor, wo es hingehen soll“, sagt Gluschak, macht aber gleich klar, dass es kein Konzept im eigentlichen Sinne gebe, wohl aber „nette Ideen und kritische Gedanken“.

Nicht nur Worte, sondern Taten fordert Hermann Schröder schon lange. Sein Antrag zu Fahrradroute und Aussichtsplattform, den er bereits am 29. März 2015 formuliert hat, steht heute endlich auf der Tagesordnung. Da geht es zum einen um den Turmbauverein Bruchhausen-Vilsen, der einen Aussichtsturm in der Samtgemeinde bauen möchte – ein Vorhaben, für das sich Schröder „möglichst rasch“ politische Rückendeckung wünscht. Bislang zeigte sich die Politik zwar wohlwollend, hat aber noch kein klares Bekenntnis zu dem Projekt abgegeben.

Zum anderen beantragt Schröder, dass die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen zusammen mit der Samtgemeinde Thedinghausen eine Fahrradroute vom neuen Aussichtsturm entlang der Eyter zum Erbhof „vervollständigen“ soll. Entlang dieser Route erhofft sich Schröder den Bau weiterer Schutzhütten und einer Aussichtsplattform.

Die Verwaltung schlägt in ihrer Sitzungsvorlage vor, zu einem späteren Zeitpunkt über die Unterstützung der Aussichtsturm-Pläne zu entscheiden. Als Grund gibt Christa Gluschak, die die Vorlage erarbeitet hat, die noch ausstehende Entscheidung für einen endgültigen Standort an.

Bezüglich der geforderten Aussichtsplattform mit Schutzhütte schlägt die Verwaltung ein positives Votum vor. Sie verweist auf die „Paddel und Pedale“-Rundtour, die Bruchhausen-Vilsen, Thedinghausen und Hoya schon verbinde. Eine Plattform könne man sicher 2018 installieren, wenn im Zuge der Flurbereinigung „Schwarmer Bruch“ ein Biotop an der Eyter entstehen soll, schreibt Gluschak. Ob die Mitglieder des Tourismusausschusses damit einverstanden sind, bleibt abzuwarten.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt: „Bericht aus dem ,TourismusService’“. Auch dort gab es zuletzt viel Bewegung. Mit Catrice Ehlers stellte die Samtgemeinde zwar schon im Mai 2015 eine Nachfolgerin für die heute frisch gebackene Rentnerin Jutta Filikowski ein – aber die Freude über den frischen Wind erlitt bald einen Rückschlag. Denn Ehlers geht im Juni in den Mutterschutz. „Wir freuen uns, dass sie ein Kind bekommt“, sagt Bormann. „Aber natürlich schreien wir nicht ,Hurra’, denn sie fällt erst mal aus.“ Er sei aber sicher, dass das die Samtgemeinde nicht zurückwerfe, immerhin bleibe der Posten nicht unbesetzt. 26 Personen hätten sich auf die ausgeschriebene, auf zwei Jahre befristete Vertretungsstelle beworben. Wer sie bekommt, wird heute Abend Thema sein.

Der neue Mitarbeiter soll die von Ehlers entwickelten Ideen weiterverfolgen. Von denen wurden einige bereits umgesetzt, sagt Gluschak. Im Programm der Gästeführungen gebe es neue Angebote, und im Zuge des Maifestivals am 22. Mai werde es erstmals ein „Festival Internationale“ mit Beteiligung von Flüchtlingen geben. Die Infotafeln in den Orten werden zurzeit erneuert, und am Heiligenberg sei ein Walderlebnispfad geplant. Auch in Sachen Barrierefreiheit „sind wir dabei, Gespräche zu führen“, sagt Gluschak. Im ersten Schritt soll das Pflaster am „TourismusService“-Büro unterbrochen werden, damit es auch Gehandicapte gut erreichen können. Wer Gästezimmer oder Ferienhäuser im Flecken einrichtet, bekommt schon lange eine finanzielle Unterstützung, ergänzt Gluschak.

Bormann fallen auf Anhieb einige touristische Highlights ein, beispielsweise das jährliche Oldtimer-Treffen am 1. Mai und die Museumseisenbahn. Dass sich der Fremdenverkehr vorwiegend im Flecken abspielt, ist dem Schwarmer bewusst. „Aber die anderen Mitgliedsgemeinden haben auch viel zu bieten.“

Die Entwicklung des Tourismus’ ist ein Prozess, sind sich Gluschak und Bormann einig. Dass Fortschritte Zeit brauchen, ist auch Hermann Schröder bewusst. Aber dass Schwarme, Martfeld, Süstedt und Asendorf trotz vieler Vorstöße in den vergangenen Jahren noch immer unter ferner liefen rangieren, kann er nicht nachvollziehen. „Alles kreist um den Flecken Bruchhausen-Vilsen“, sagt er. „Für die anderen Mitgliedsgemeinden muss mehr getan werden.“

mah

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