Reiner Janßen aus Martfeld wohnt in einem architektonischen Hingucker

Ein Haus aus Schiffscontainern

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Dieses ungewöhnliche Haus aus Überseecontainern steht im Martfelder Baugebiet Alter Kamp.

Martfeld - Von Anne Schmidtke. „Ich habe mir meinen Traum erfüllt. Das ist einfach geil, ein irres Gefühl“, sagt Reiner Janßen. Der Martfelder ist vor ein paar Wochen in einen ganz besonderen architektonischen Hingucker gezogen: Er lebt seit Anfang Dezember in einem zweigeschossigen weiß-blauen Eigenheim aus Überseecontainern im Neubaugebiet Alter Kamp.

Das außergewöhnliche Gebäude heißt „Havshuset“. Ein großes Holzschild mit roten Buchstaben über dem Eingang weist darauf hin. „Der Name ist Schwedisch und heißt übersetzt Meereshaus“, erklärt Reiner Janßen. Er finde die Bezeichnung passend, schließlich hätten drei der fünf verwendeten Stahlkisten schon auf Schiffen die Weltmeere überquert. „Drei Container habe ich von Reedereien gebraucht gekauft, zwei sind komplett neu.“ Es gebe massig, ausgediente Container. Viele seien aber in einem sehr schlechten Zustand. Er hätte in die meisten angebotenen reichlich Geld stecken müssen, damit sie wieder tadellos gewesen wären. „Da war es günstiger, neue zu kaufen“, berichtet der Bauherr.

Zurzeit ist der 59-Jährige dabei, es sich in seinem neuen, 105 Quadratmeter großen Zuhause gemütlich zu machen. „Ich muss noch Türen, die Küche und einige Schränke fertig bauen. Da ich als Restaurator sämtliche erforderlichen Maschinen habe, kann ich das alles selbst machen“, betont Reiner Janßen, der in Thedinghausen-Werder einen Antiquitätenhandel und eine Restaurationswerkstatt betreibt. Die besagten Aufgaben möchte er noch in diesem Jahr erledigen. Denn danach stehen weitere Projekte an. Er will einen Gartenteich anlegen, die Außenfassade seines Hauses mit Holz verkleiden, im Garten und auf dem Dach Terrassen anlegen sowie das Dach begrünen.

„Ich habe noch viele Ideen, die ich alle umsetzen möchte“, sagt der Martfelder. Besonders stolz ist er darauf, dass er aufgrund seiner Eigenleistungen vor allem im Innenbereich viel Geld sparen konnte. Er habe die Elektro- und Sanitärinstallationen mit Ausnahme der Hauptanschlüsse selbst erstellt. „Meine Arbeit hat bisher einen Gegenwert von rund 45000 Euro“, berichtet der Bauherr. Für Material inklusive der Container habe er bislang etwa 55000 Euro ausgegeben.

Die Idee, ein Heim aus Stahlkisten zu bauen, kam ihm bereits 2004. Damals war er in Dessau und schaute sich die Bauhaus-Meisterhäuser an. Ihm habe die „quadratisch praktische Bauweise“ sofort gefallen. „Wer kein Standardhaus haben und schnell bauen möchte, ist mit einem Containerhaus gut bedient.“ Wenn der Korpus stehe, könne man sich mit dem Innenausbau Zeit lassen. Ein weiterer Vorteil des Hauses sei, dass die Strahlung zum Beispiel von Mobilfunk-Sendemasten nicht durch die Stahlwände dringe. „Ich habe somit innen aber auch keinen Handyempfang“, erklärt Reiner Janßen. Zudem könne er nicht kabellos im Internet surfen.

Wegen der Außergewöhnlichkeit des Gebäudes würden sich viele Personen dafür interessieren. Daher sei neben der Kreiszeitung auch ein Team von Radio Bremen dabei gewesen, als eine Fachfirma im Februar 2015 die Container im Neubaugebiet Alter Kamp aufgestellt habe. Der dabei entstandene Kurzfilm ist im Internet auf dem Videoportal „Youtube“ abrufbar und wurde bereits mehr als 29000 Mal angesehen. „Mich rufen aus ganz Europa Leute an und fragen, ob sie mal zu einem Besichtigungstermin kommen können“, sagt Reiner Janßen. Nach Terminabsprachen (Telefon 0171/9465805) öffne er sein Haus, denn er gebe seine Erfahrungen gerne weiter.

Nicht nur an die vielen Telefonate, sondern auch an die Geräusche im Haus muss der Bauherr sich noch gewöhnen. „Jeder, der schon mal umgezogen ist, kennt das“, erklärt Reiner Janßen. Kurz nach dem Wechsel aus einer Martfelder Mietwohnung in sein Eigenheim habe er bei einem Wolkenbruch nachgeschaut, ob es reinregne, weil es sich so angehört habe. „Glücklicherweise sind die Container absolut dicht. Da kommt keine Feuchtigkeit durch.“

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