Reiner Janßen baut in Martfeld ein Haus aus Hochseecontainern / „Es war eine Herausforderung, einen Statiker zu finden“

Box auf Box

Ein Modul des Containerhauses hängt am Haken und wird an seine Position gehievt.
+
Ein Modul des Containerhauses hängt am Haken und wird an seine Position gehievt.

Martfeld - Von Andree Wächter. Das Baugebiet Alter Kamp in Martfeld füllt sich. Inzwischen stehen dort mehrere architektonische Hingucker. Ein weiterer wurde in dieser Woche aufgestellt. Bauherr Reiner Janßen verwirklicht seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern. Vier 40-Fuß- und ein 20-Fuß-Container werden jetzt zu Büro, Küche und Wohnzimmer umgebaut. Zur Erklärung: Ein 40-Fuß-Container hat eine Länge von 12,192 Metern.

Ein Laster fährt im Schritttempo durch das Wohngebiet. Er transportiert einen 40-Fuß-Container. Vorsichtig manövriert der Fahrer seinen Lastwagen durch die enge Gasse, an deren Rand ein paar Autos stehen. Ganz am Ende des Baugebiets befindet sich das Grundstück von Reiner Janßen. Der Bauherr weist den Lkw-Fahrer ein.

Reiner Janßen schaut aus seinem zukünftigen Büro.

Am Zielort steht schon ein großer gelber Autokran bereit. Sein Ausleger ist weit außerhalb Martfelds zu sehen, er ist höher als der Kirchturm. Mitarbeiter einer speziellen Aufbaufirma hängen vier große Karabinerhaken in die vier Ösen am Containerdach ein, an jede Ecke einen. Der Kran hebt im Zeitlupentempo den umgebauten Container vom Lkw-Auflieger. Der Betrachter fühlt sich beinahe wie an einem Hochseehafen.

Konzentriert setzt der Kranführer das Wohnmodul wie einen überdimensionalen Legostein punktgenau auf die aus dem Boden ragenden Doppel-T-Träger-Stützen. Während dieser Arbeit startet der Lkw schon wieder, der Fahrer holt die nächste Box. In weniger als einem Arbeitstag befinden sich alle Container an ihrem vorgesehenen Ort.

Wie bei jedem anderen Haus auch, mussten ein Architekt und ein Statiker zunächst alles berechnen. Die Experten haben die Anzahl der Stützen und die Größe des Betonfundaments ermittelt. Auf einem Schiff dürfen acht Hochseecontainer bei exakter Stapelung übereinander stehen. In Martfeld sind es zwar nur fünf, aber die kommen nebeneinander, und die Seiten wurden teilweise komplett entfernt oder dreifach-verglaste Fenster eingebaut.

Bauherr Janßen: „Es war schon eine Herausforderung, dafür einen Statiker zu finden.“ Doch sein Architekt Martin Tolksdorf, der das Bauvorhaben fachlich begleitet, ist zum Glück gut vernetzt. Nach seinen Plänen entstand das 105 Quadratmeter große Wohnhaus. „Wir stehen hier gerade in meinem zukünftigen Schlafzimmer. So viele Menschen werden dort nie wieder reinkommen“, scherzt Janßen mit einigen Nachbarn und Schaulustigen.

Noch bis vor wenigen Monaten haben drei der Stahlkisten die Weltmeere per Schiff bereist. Nach sechs bis zehn Jahren

Die Container sind auf den Stützen exakt positioniert.

fangen die Reedereien an, Container auszumustern. „Ich habe drei gebrauchte und zwei neue Container gekauft“, sagt der werdende Opa Janßen. Es sind kostengünstige Hausteile: Eine gebrauchte Box ist schon ab 1000 Euro zu haben, eine neue ab 3500 Euro. „Wichtig ist, dass die Besitzer die Container aus dem Register abmelden“, erklärt der Bauherr, der in Thedinghausen-Werder einen Antiquitätenhandel und eine Restaurationswerkstatt betreibt. Ähnlich wie beim Auto mit dem Nummernschild haben die Frachtkisten eine Kennzeichnung. Anhand dieser können sie weltweit zugeordnet werden.

Eine weitere Bedingung der Reedereien: Die Firmenlogos müssen entfernt werden. Janßen hat seine Hausteile neu lackieren lassen: Die Martfelder Container haben einen blauen und weißen Anstrich bekommen. Die Lackierer verwendeten Hochseefarbe. Die Farbe, die die Stahlwände vor Rost durch das salzige Meerwasser schützt, reicht aus, damit die norddeutschen Regenschauer dem Eigenheim nichts anhaben können. Gegen Wind und Erschütterungen verschweißt ein Fachmann die Container untereinander und mit den Stützen.

Bevor die Boxen im Wohnbaugebiet aufgestellt wurden, hat Janßen selbst Hand angelegt. „Als Restaurator konnte ich viele Vorarbeiten selber machen. Meine Eigenleistung hat einen Gegenwert von rund 45000 Euro“, schätzt der Bauherr. Alle anderen Kosten summieren sich auf zirka 100000 Euro.

In Martfeld entsteht ein Eigenheim aus Hochseecontainern

Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter
Bauherr Reiner Janßen hat seinen Traum vom Eigenheim aus Hochseecontainern erfüllt. © Mediengruppe Kreiszeitung / Wächter

Die Idee für ein Containerhaus hatte Janßen schon länger. Er wollte kein Eigenheim von der Stange. Inspiriert wurde er 2002 beim Besuch des Bauhauses in Dessau. Jetzt folgt die Umsetzung.

Trotz der modularen Bauweise entspricht das fertige Eigenheim allen erforderlichen Energienormen und Vorschriften. Im Inneren wird ein Holzgerüst an die Außenwände geschraubt. Daran wird Dämmstoff befestigt. Um die Luftzirkulation zu gewährleisten, ist zwischen Blechwand und Dämmung ein 50 Millimeter großer Spalt. Auch sonst wird der Besitzer nach dem Einzug keinen Luxus missen müssen. Es ist, objektiv betrachtet, ein fast normales Haus, bei dem die Außenwände nicht aus Holz oder Stein sind, sondern eben aus Stahlblech.

Einen großen Vorteil hat Janßen: Er kann sein Haus mitnehmen. Dazu müsste er nur die Schweißnähte entfernen und Transporter bestellen. Doch erst einmal will Janßen in Martfeld ankommen. Im August möchte er in den neuen vier Wänden aus Stahl wohnen.

Bei dieser Bauweise entfällt das Richtfest. Alternativ dazu wird der Wohnkomplex getauft. „Das Haus wird einen Namen bekommen“, verrät Reiner Janßen. Ideen sammelt der Antiquitätenhändler bis zum 14. März per E-Mail an werder-antik24@gmx.de. Für den Namenspaten lobt Janßen einen Gutschein für sein Geschäft aus.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

Tränen bei Joker Gregoritsch: Österreich schreibt Geschichte

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

EM-Drama in Kopenhagen: Dänen-Star Eriksen kollabiert

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Meistgelesene Artikel

GAR in Fahrenhorst: „Ein nützlicher Betrieb am falschen Standort“

GAR in Fahrenhorst: „Ein nützlicher Betrieb am falschen Standort“

GAR in Fahrenhorst: „Ein nützlicher Betrieb am falschen Standort“
Wiehe-Bad Bruchhausen-Vilsen: Erste Hinweise / LKA in Ermittlungen eingeschaltet

Wiehe-Bad Bruchhausen-Vilsen: Erste Hinweise / LKA in Ermittlungen eingeschaltet

Wiehe-Bad Bruchhausen-Vilsen: Erste Hinweise / LKA in Ermittlungen eingeschaltet

Kommentare