Früh aufstehen für Bambi

Rehkitzrettung per Drohne: Wärmebildkamera hilft bei der Suche im hohen Gras

Drohnenpilot Bernd Struve fand mithilfe seiner Drohne und zusammen mit Achim Kehlbeck fünf Rehkitze auf einer Fläche von insgesamt 43 Hektar.
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Drohnenpilot Bernd Struve fand mithilfe seiner Drohne und zusammen mit Achim Kehlbeck fünf Rehkitze auf einer Fläche von insgesamt 43 Hektar.

Oerdinghausen – Leise surrt die Drohne über dem Feld, hoch oben in der Luft. Die Augen von Drohnenpilot Bernd Struve ruhen derweil auf dem Bildschirm, den er vor sich trägt. Gleichzeitig behält Landwirt Achim Kehlbeck den großen Monitor im Blick, der im Auto aufgebaut ist und auf dem ebenfalls der Bereich genau zu sehen ist, den die Drohne gerade abfliegt.

Sie ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die insbesondere Rehkitze im Gras aufspüren soll. Denn nur wenig später soll das Gras für den ersten Schnitt des Jahres gemäht werden, um einsiliert und als Kuhfutter genutzt zu werden.

„Um sechs bis acht Hektar abzufliegen, brauche ich etwa 16 bis 20 Minuten“, sagt Bernd Struve, der aktuell ehrenamtlich im Einsatz ist, um Landwirte wie Achim Kehlbeck dabei zu unterstützen, Rehkitze zu finden. „Wir haben an unserem Trecker zwar auch einen Wildwarner, aber das Rehkitz würde sich dann nur ducken und nicht weglaufen“, berichtet der Landwirt, der beim Absuchen der Felder trotz Drohneneinsatz auf eine gute Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Jägern setzt. Wichtig ist es, die Kitze aufzuspüren, um ihr Leben zu schützen.

Das bewahrt übrigens auch das Leben der Kühe: Denn das Gras muss ohne Fremdkörper einsiliert werden. Überreste von Tieren darin könnten zu Krankheiten oder sogar zum Tod der Rinder führen. „Aber selbst ein Jagdhund kann ein Kitz nicht wittern“, sagt Bernd Struve. Denn die jungen Kitze hätten noch keinen Eigengeruch. Also steigt die Drohne in eine Höhe von 45 Metern auf, um die Tiere zu orten.

Kaum zu erkennen: Ein Rehkitz liegt im hohen Gras, wo es fast schon zu gut versteckt ist.

Das geht am besten frühmorgens, wenn die Außentemperaturen noch gering sind. Denn die Kitze selbst haben nur eine Körpertemperatur von 25 Grad. „Ich brauche schon einen Temperaturunterschied von acht bis zehn Grad, damit es einen schönen Kontrast auf dem Bildschirm gibt und ich etwas sehen kann“, so Bernd Struve.

Und plötzlich tritt genau dieser Fall ein: Auf dem Bildschirm blinkt ein weißer Fleck. Niklas Venske, der derzeit auf dem Hof von Achim Kehlbeck als Auszubildender im Einsatz ist, wirft sich die Transporttasche über die Schulter und geht zu der Stelle auf dem Feld, auf dem das kleine Kitz vermutet wird. An Ort und Stelle gibt er dann per Funkgerät Entwarnung: Es handelt sich nur um einen Hasen, der dann weghoppelt.

Landwirt Achim Kehlbeck behält den großen Monitor im Blick. Auf dem wird nämlich die Aufnahme der Wärmebildkamera gezeigt.

Doch dass sich der Drohneneinsatz lohnt, hat sich schon früher an diesem Morgen gezeigt: Auf einer Fläche von insgesamt 43 Hektar finden Bernd Struve und Achim Kehlbeck fünf Rehkitze. Diese werden von Niklas Venske in die Transsporttaschen gelegt, bis das Feld abgemäht ist. Danach werden sie an Ort und Stelle wieder ausgesetzt, damit die Ricken sie an der richtigen Stelle wiederfinden können. Wichtig ist es dabei, dass die Rehkitze nur mit Handschuhen angefasst und in die mit Gras ausgelegten Körbe gesetzt werden, damit ihre Mütter sie im Anschluss auch wieder annehmen.

Das gesamte Vorhaben bedarf einer guten Vorbereitung. Die Drohne wird im Vorfeld mit dem entsprechenden Ackerschlag und der geplanten Flugbahn programmiert. „Ich arbeite immer auf beiden Seiten mit einer Überlappung von drei Metern“, sagt Bernd Struve. So entgeht ihm kein Quadratmeter des Feldes. Dann lässt er seine Drohne steigen. Diese fliege auch nur den zuvor definierten Bereich ab. Häuser würden dabei nicht überflogen, sagt der Drohnenpilot, der alle nötigen Lizenzen in der Tasche hat und sich mittelfristig als Drohnenpilot selbstständig machen will.

Die Drohne überfliegt jeden einzelnen Quadratmeter des Feldes, und die an ihr befestigte Kamera erkennt Temperaturabweichungen von zwei bis drei Grad sofort.

Schon wieder zeigt sich ein weißer Fleck, der sich aber als frisch aufgeworfener Maulwurfshügel entpuppt. „Die Kamera sieht Temperaturabweichungen von zwei bis drei Grad sofort“, erläutert Bernd Struve. Lag der Hügel wenige Augenblicke in der gerade aufblitzenden Sonne, wirkt sich das sofort auf seine Temperatur aus. „Die Ortung von Rehkitzen ist nur beim ersten Schnitt notwendig“, erläutert Landwirt Achim Kehlbeck. Wenn die zweite Mahd der Saison ansteht, sind die Kitze nämlich schon so groß, dass sie weglaufen können.

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