Gewässer in Ochtmannien renaturiert

„Region der 1 000 Schlatts“

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Anhand von Kartenmaterial informierte Jan Kanzelmeier von der Stiftung Naturschutz (Zweiter von rechts) Nina Steigerwald vom Ökologischen Heimatverein Ochtmannien (von links), Bernd Schneider (Grüne) und Lars Bierfischer (SPD) über das Projekt „Augen der Landschaft“.

Ochtmannien - „Das Projekt ,Augen der Landschaft – neu entdeckt’ hat hier hervorragend geklappt“, sagte Jan Kanzelmeier von der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz während eines Ortstermins am renaturierten Schlatt am Fuchsberg in Ochtmannien. Er und seine Kollegen seien sehr zufrieden mit der Entwicklung des Gewässers und würden die Maßnahme weiter begleiten. An dem Ortstermin nahmen auch Mitglieder der SPD- und der Grünen-Fraktion des Fleckenrats Bruchhausen-Vilsen, Christa Gluschak von der Samtgemeindeverwaltung, Thomas Baalmann von der Geschäftsstelle Sulingen des Amts für regionale Landesentwicklung Leine-Weser sowie einige Bürger teil.

Schlatts sind muldenförmige Kleingewässer, die aus spät- oder nacheiszeitlichen Verwehungen über nicht verwehbaren Bodenschichten, zum Beispiel Ton, entstanden sind. Sie führen dauerhaft oder zum Teil auch nur zeitweise Wasser, da sie vom Regen abhängig sind. Jan Kanzelmeier berichtete, dass der Landkreis Diepholz als „Region der 1000 Schlatts“ betitelt werden könne. Allerdings seien dort nur noch 20 Prozent der einstigen Schlatts vorhanden. Viele seien im Laufe der Zeit von Menschen zugeschüttet worden, zum Beispiel der Schlatt am Fuchsberg. Er wurde einst mit Mutterboden und Sand befüllt.

Das Schlatt am Fuchsberg in Ochtmannien liegt idyllisch gelegen inmitten von Feldern.

Der Experte informierte, dass das Ziel des Projekts „Augen der Landschaft“ sei, Schlatts in ihrem ursprünglichen Landschaftscharakter wieder herzustellen. Daher habe man die Verfüllungen am Fuchsberg im Spätsommer 2015 entfernt, sodass sich in der Mulde wieder Wasser ansammeln konnte. Die tiefste Stelle beträgt nun zwei Meter. Im Durchschnitt ist das Schlatt 0,5 Meter tief. Laut Kanzelmeier kann es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Torfbänke aus dem Gewässer herausgucken. Der genaue Zeitpunkt hänge von den Niederschlägen, der Wärme und der Verdunstung in den nächsten Wochen ab.

Er informierte, dass Schlatts erheblich zur Erhöhung der Strukturvielfalt und zum Schutz gefährdeter Arten beitragen. In diesem Zusammenhang erläuterte der Experte, dass einige Projektflächen gezielt ausgewählt werden, um zum Beispiel die Population des Laubfrosches zu stabilisieren. „Laubfrösche sind meine Lieblingstierart“, berichtete Kanzelmeier. Er und die anderen Projektbeteiligten hätten überlegt, die Tierart auch an dem Schlatt am Fuchsberg anzusiedeln. „Wir haben uns letztendlich dazu entschieden, abzuwarten, ob sie sich von alleine hier ansiedelt oder nicht“, sagte der Experte.

Die Stiftung Naturschutz plant, weitere Schlatts in Hittloge, Wohldheide, Ochtmannien und im Hittloger Moor zu renaturieren. Zwei befinden sich bereits in der Westernheide in Berxen. „Dort konnten durch die Flurbereinigung Flächen zusammengelegt werden, die wir dann gekauft haben, um die Schlatts entstehen zu lassen“, sagte Kanzelmeier.

Für das Projekt „Augen der Landschaft“, das von Anfang 2013 bis Ende 2017 läuft, hat die Stiftung Naturschutz etwa 500 000 Euro zur Verfügung. Das Geld stammt unter anderem aus eigenen Mitteln, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, vom Landkreis Diepholz und von der Flurbereinigungsbehörde. „Wir stecken nicht nur Geld in den Wegebau, sondern auch in landschaftspflegerische Maßnahmen, zum Beispiel in das Schlattprogramm“, sagte Thomas Baalmann von der Geschäftsstelle Sulingen des Amts für regionale Landesentwicklung Leine-Weser. Er ist unter anderem zuständig für die Flurbereinigung Ochtmannien-Weseloh. Beim Schlatt am Fuchsberg mussten keine Flächen gekauft oder getauscht werden. „Wir haben die Fläche von der Eigentümerin, die aus Hoyerhagen stammt, gepachtet“, berichtete Kanzelmeier.

Bei dem Ortstermin äußerte Nina Steigerwald vom Ökologischen Heimatverein Ochtmannien einen Wunsch bezüglich des Benser Wegs in Ochtmannien. Sie appellierte an die Anwesenden, den Sandweg zu erhalten. Das sei im Rahmen der Flurbereinigung möglich. „Uns geht es um den Charakter des historischen Wegs“, sagte sie. Der aktuelle Plan der Flurbereinigungsbehörde sieht vor, die Spurbahn (Fahrspuren aus Beton) auf den Sandweg zu installieren. Damit sind Steigerwald und ihre Mitstreiter nicht zufrieden. Sie schlugen vor, die Spurbahn nördlich des Benser Wegs verlaufen zu lassen. „Dann kann der Sandweg erhalten bleiben“, sagte Steigerwald. Von ihrer Variante profitierten unter anderem Reiter, Wanderer und Autofahrer sowie die Flora und Fauna, die auf den Sandboden angewiesen sei. Die Vertreter der Fraktionen hörten ihr aufmerksam zu, und Ehler Meierhans, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Flurbereinigung Ochtmannien-Weseloh, sicherte zu: „Wir setzen uns im Herbst zusammen und gucken, was machbar ist.“

asc

Das Projekt:

Mit dem Projekt „Augen der Landschaft – neu entdeckt“ der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz sollen einige stark beeinträchtigte oder verschollene Schlatts wiederhergestellt werden. Um die Standorte der historischen Gewässer zu erfassen, sichten die Projektbeteiligten alte Karten, Luftbilder und andere Informationssysteme. Anschließend nehmen sie Bodenproben, führen Gespräche mit den Eigentümern der Flächen und erarbeiten mögliche Maßnahmen.

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