Publizist Andreas Zumach spricht kritisch über die aktuelle Medienlandschaft

„Journalistische Qualität sinkt durch Kostendruck“

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Pastor Heinz-Dieter Freese (rechts) tauschte am Mittwochabend seinen angestammten Platz auf der Kanzel mit dem etablierten Journalisten und Medienprofi Andreas Zumach.

Martfeld - Von Ulf Kaack. „Geprüfte Sicherheit!“ – so lautet der Titel der diesjährigen, übrigens zum 42. Mal veranstalteten Seminarreihe der Kirchengemeinden Martfeld und Schwarme sowie der Volkshochschule Bruchhausen-Vilsen. Am Mittwochabend eröffnete der Journalist und Publizist Andreas Zumach in der Martfelder Kirche den Brückenschlag zwischen weltlichen und geistlichen Themenfeldern.

Keine Frage, der Referent ist ein absoluter Hochkaräter. Seit 40 Jahren ist Andreas Zumach (61) journalistisch tätig, war häufig in ausländischen Krisenherden unterwegs und arbeitet aktuell für die Berliner Tageszeitung. „Bild dir deine Meinung“ lautete sein Thema, in dem er sich kritisch mit der aktuellen Medienlandschaft sowie den Formen und Mechanismen der Berichterstattung auseinandersetzte.

Ganz wesentlich tragen die Medien zu unserer Meinungsbildung und zu unserem subjektiven Sicherheitsgefühl bei, analysierte Zumach und warf einen kritischen Blick auf die heutige Informationsindustrie: „Wer stellt die Nachrichten zusammen, wer prüft ihre Quellen und analysiert ihren Wahrheitsgehalt?“

Die Nachrichtenlandschaft hat sich durch Technisierung und die Vervielfachung gerade durch private Medien in den vergangenen drei Jahrzehnten stark verändert. Nicht zu ihrem Vorteil, so die Expertenmeinung. Was eigentlich zu mehr Vielfalt und Ausgewogenheit führen sollte, erzeugte nach Zumachs Worten Kosten-, Zeit- und Konkurrenzdruck. Dadurch sank die journalistische Qualität in der kritischen Politik- und Auslandsberichterstattung fast ins Bodenlose.

„Das Internet hat den Printmedien erheblich Einnahmeneinbußen besonders im Anzeigengeschäft gebracht, was zu Einsparungen bei den Journalisten führte“, sagte Andreas Zumach. „In der Folge bedienen sich die Zeitungen und Magazine gerade bei anspruchsvollen und kostenintensiven Themenkomplexen vorwiegend bei den Agenturmeldungen, die letztendlich auf eine oder nur ganz wenige Quellen zurückgehen. Die Korrespondenten sind nahezu ausschließlich freie Mitarbeiter, die unter wirtschaftlichem und zeitlichem Druck arbeiten. Da flutscht schon mal die eine oder andere News ungefiltert durch!“

Lobbyismus, aufgeblähte PR-Agenturen und nicht zuletzt staatliche Instanzen verbreiten Informationen, deren Wahrheitsgehalt nur selten durch Sekundärquellen überprüft wird. Zumach: „Während der Golfkriege wurden die vordergründig hervorragenden Bilder und Meldungen ganz bewusst und ausschließlich vom US-Militär gesteuert. Es gab keine zweite Instanz. Das änderte sich 1996 mit dem Aufkommen des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera. Der zeigte mit einem mal Fakten, die den Amerikanern so gar nicht ins Konzept passten.“

Auch die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit sowie die Manipulationsmöglichkeiten durch Smartphones und andere digitale Techniken prangerte der Medienprofi an. Bedrohungssituationen wären häufig überzeichnet, Nachrichten von propagandistischen Interessen gesteuert: „Viele Meldungen sind einfach dümmlich, inhaltslos und von Voyeurismus geprägt. Das führt schnell zu einer Schieflage in der Sicht auf das Tatsächliche. Der mündige Bürger sollte sich schon ganz genau überlegen, welche Quellen er sich für den Prozess seiner individuellen Meinungsbildung zu Eigen macht“, lautete das Resümee von Andreas Zumach vor den rund 80 gespannt lauschenden Zuhörern in der Catharinen-Kirche.

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