Ratsmitglieder fangen Meinungsbild ein

Martfelder „Event Center“: Ist das Problem der Lärm? Ja und Nein!

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Das Martfelder „Event-Center“ regt zu Diskussionen an.

Martfeld - Von Vivian Krause. Mit neuen Erkenntnissen nach Hause zu gehen, diesen Wunsch hatte Martfelds Bürgermeisterin Marlies Plate zu Beginn einer vom Gemeinderat initiierten Infoveranstaltung rund um das „Event-Center“ in Martfeld geäußert.

Letztlich gab es am Ende des Abends im Gasthaus Dunekack in Kleinenborstel, wie auch schon zuvor, zwei Lager unter den Bürgern – einer von ihnen bezeichnete diese klar als „pro und kontra“. Der Gemeinderat wird nun laut Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann über die Aussprache beraten und dann eine Entscheidung treffen.

Marlies Plate bat am Dienstagabend zu Beginn der Veranstaltung, miteinander und nicht übereinander zu reden. Gesprochen wurde vor allem über das Thema Lärmbelästigung durch Veranstaltungen im „Event Center“ an der Freesenstraße in Martfeld. Inhaber Devran Kurt darf derzeit im Jahr bis zu vier Sondergenehmigungen für Veranstaltungen im „Event Center“ beim Landkreis beantragen. Ob es dann zu laut ist oder nicht, darüber waren sich die Anwohner beim Infoabend nicht einig. Sätze wie „ich habe mich nie belästigt oder gestört gefühlt“ trafen auf Aussagen wie „der Schall kommt direkt zu uns rüber“.

Jede dort gefeierte Hochzeit sei spätestens um Mitternacht zu Ende gewesen, machten einige Anwohner deutlich. Laut Ferdi Kurt, dem Bruder von Devran Kurt, sei das gesamte Grundstück eingezäunt. Zudem habe die Familie eine „automatische Ampelanlage“ eingebaut. Die Funktionsweise erklärt er so: Sobald eine bestimmte Dezibelzahl überschritten wird, leuchtet ein Lämpchen orange auf. Sollte der DJ darauf nicht regieren, hat dieser keinen Strom mehr und muss die ganze Technik neu starten.

Lärmschutzwand ein Vorschlag

Ein Vorschlag eines Anwohners war das Errichten einer Lärmschutzwand. „Wegen mir muss da jetzt vor meinem Haus nicht irgendeine Wand gezogen werden“, sagte eine Martfelderin, die nach eigenen Angaben direkt gegenüber des „Event Centers“ wohnt.

Zu Gast im vollbesetzten Saal war auch Stephan Maaß, Fachbereichsleiter Planen und Bauen beim Landkreis. Er klärte die Besucher über die rechtliche Situation auf. „Wir würden der Familie Kurt gerne eine Baugenehmigung erteilen.“ Dafür müssten jedoch die rechtlichen Grundlagen vorhanden sein.

Ein Rückblick: Im Jahr 2011 kaufte Devran Kurt die ehemalige Lagerhalle. Das Bauamt des Kreises erteilte einen Bauvorbescheid. Es folgte seitens der Familie die Sanierung des Gebäudes. Im Herbst 2012 revidierte der Landkreis seine Einstufung des „Event Centers“ als Versammlungsstätte, es handele sich laut der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts um eine Vergnügungsstätte, wie Maaß am Dienstagabend sagte. 

Die Nutzung als solche sei im Gewerbegebiet „Am Funkturm“ jedoch nicht zulässig. „Wir haben einfach einen Fehler gemacht“, sagte Maaß. Die Voraussetzung für eine Baugenehmigung wäre die Änderung des B-Plans. Darüber will der Gemeinderat nun entscheiden. Der „Fehler“ sei laut Bormann zwischen der Familie und dem Landkreis gerichtlich geklärt worden.

Gaststätte wäre unzulässig

Eine andere Möglichkeit sei laut Maaß, eine Gaststätte mit Saalbetrieb zu betreiben. „Gaststätten sind zulässig im Gewerbegebiet“, sagte er. Dann aber müsste der Umsatzanteil der Gaststätte gegenüber dem des Saalbetriebs überwiegen. „Wir können so eine Baugenehmigung nur erteilen, wenn ein entsprechender Bauantrag vorliegt. Das heißt, die Familie Kurt müsste das wollen.“ Eine Gaststätte gebe es laut Bormann bereits durch das angrenzende „Stevens Bistro“. Dieses betreibt der Bruder von Devran Kurt, Nihat Kurt.

„Wir haben unser Hab und Gut investiert“, sagte Ferdi Kurt. Er machte deutlich, dass es sich um einen Veranstaltungssaal für alle handele, egal welcher Herkunft die Personen sind und welchen Glauben sie haben. Nicht nur Hochzeiten, auch Geburtstage, Vereinsfeste, Flohmärkte – all das sei in den Räumlichkeiten möglich.

Wie könnte also eine Lösung aussehen? In Frage käme laut Bormann, der an dem Abend die Moderation übernahm, nur ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, der nur für das eine Grundstück, nicht für das gesamte Gewerbegebiet gelte. In einem solchen Plan können laut Maaß Nutzungsarten, die nicht gewollt sind, ausgeschlossen werden.

Offene Fragen zum Schluss

So würde die Ansiedlung beispielsweise einer Diskothek ausgeschlossen. Zum Hintergrund: Zuvor hatte Maaß auf Nachfrage eines Anwohners deutlich gemacht, dass eine Vergnügungsstätte beispielsweise auch eine Spielhalle, eine Diskothek oder ein Bordell sein könnte. In dem vorhabenbezogenen B-Plan seien zudem Angaben zu Betriebszeiten und zum Lärmpegel möglich.

Was passiert, wenn der Rat nichts zulässt? Wie lange kann die Familie Kurt das noch halten? Was passiert danach? – mit diesen offenen Fragen schloss die Bürgermeisterin die Veranstaltung. Das Thema wird die Martfelder also noch eine Weile beschäftigen.

Ferdi Kurt, Bruder von Devran Kurt, spricht mit der Kreiszeitung über das „Event Center“:

Wie sah der ursprüngliche Plan zur Nutzung des „Event Centers“ aus? 

Wir haben uns schon vor dem Kauf beim Bauamt erkundigt. Der Plan war, einen Veranstaltungssaal mit einer Größenordnung von bis zu 600 Personen zu bauen. Der Saal hat 1 200 Quadratmeter, ohne Tische und Stühle würden bis zu 1 000 Leute reinpassen. Das wollten wir aber nicht. Für uns war klar, es muss elegant sein, mit Sitzgelegenheiten, Bühne und Theke. Nach einem ausdrücklichen „Ja“ von der Seite des Bauamts haben wir die Halle erworben. Es folgten Auflagen, die wir alle erfüllt haben – wie Brandmeldeanlagen, Notausgänge, Parkplätze et cetera. 

Haben sich die Pläne mittlerweile geändert?

Nein. Es ist ein Veranstaltungssaal. Es ist ein multifunktionaler Saalbetrieb, den man für fast alle Zwecke nutzen kann. Es geht hier nicht nur um türkische Hochzeiten, wir sind in erster Linie Geschäftsleute. Es ist uns daher egal, an wen wir das vermieten. Wir haben auch Anfragen für Seminare, Theateraufführungen, Weihnachtsfeiern und deutsche Hochzeiten gehabt. Nur bei vier Veranstaltungen im Jahr sind die Termine schnell vergeben. 

Was ist mit kleineren Events? 

Es gibt bereits einen Clubraum für Veranstaltungen für bis zu 35 Personen. Zudem haben wir die Idee, im „Event Center“ eine Trennwand einzuziehen. Mittlerweile sind wir an einem Punkt, an dem wir sagen, wir stecken dort keine Investitionen mehr rein, solange wir nicht in schriftlicher Form eine feste Zusage haben. 

Wie können Sie die Halle halten?

Wir können das nur halten, indem wir alle an einem Strang ziehen und das gemeinsam finanzieren. Hinter dem „Event Center“ stehen fünf Brüder, wir sind alle, neben der Arbeit im „Event Center“, selbstständig oder erwerbstätig. 

Welche Pläne haben Sie für den Fall, dass der Gemeinderat gegen einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan stimmt? 

Dann wird es darauf hinauslaufen, dass wir die Variante Gaststätte mit Saalbetrieb in Betracht ziehen. 

vik

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