Unverhofft große Resonanz

Premiere im Testzentrum Bruchhausen-Vilsen: 152 wollten es schwarz auf weiß

Menschen mit Masken stehen Schlange vor geöffneten Fenstern.
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Die Resonanz auf das Testangebot in Bruchhausen-Vilsen ist so groß, dass sich Warteschlangen bilden.

Br.-Vilsen – Der Parkplatz am Gasthaus Mügge ist voll. Nicht bis auf den allerletzten Stellplatz, aber doch so, dass man sich fragt: „Was ist denn hier bloß los?“ Das Bauchgefühl hat ja mittlerweile verinnerlicht, viele Autos bedeuten viele Menschen und viele Menschen, das geht während der Pandemie nicht. Doch, hier geht das. Im Testzentrum am Marktplatz ist man gut vorbereitet.

Obwohl die Betreiber mit dieser Resonanz am ersten Tag (noch) nicht gerechnet haben. 152 Menschen nutzten Montag die Möglichkeit, sich in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen erstmals kostenlos auf das Coronavirus testen zu lassen.

„Wir haben über Mittag zusätzliches Material nach Bruchhausen-Vilsen gebracht“, sagt Aleksandra Thilo vom Betreiberteam über den ersten Tag. Bis 12 Uhr stellte es 68 Bestätigungen aus, am Nachmittag weitere 84.

„Ich muss zum Friseur, dafür brauche ich diesen Test“, nennt Brunhilde Brems den Grund, am ersten Tag schon kurz nach Öffnung ins neu eingerichtete Testzentrum zu kommen. Ihren Termin im Salon habe sie sogar einmal verschieben müssen, damit das Timing stimmt. Ein bestätigter negativer Corona-Test darf derzeit nicht älter als 24 Stunden sein, um als Eintrittskarte zu dienen -- beim Friseur, nach dem Ende der „Notbremse“-Regeln beim Einkaufen, in ausgewählten Gebieten jetzt schon für einen Urlaub.

Ein bisschen Geduld muss man mitbringen, muss oder möchte man ein Stückchen persönliche Freiheit zurück haben. Etwa eine halbe Stunde dauerte es gestern Vormittag, bis man die Terrasse am Gasthaus Mügge mit dem ersehnten gestempelten und unterschriebenen Papier wieder verlassen konnte. Wer wann an welches Fenster treten soll, war nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Die, die darauf warteten, dass ihr Abstrich mindestens 15 Minuten auf den Teststreifen einwirkt, halfen gerne weiter. „Zuerst an das rechte Fenster“, dirigierten sie Neuankömmlinge.

„Die Beschilderung ist zwar rechtzeitig, aber ohne Befestigungsmaterial geliefert worden“, erklärt Aleksandra Thilo diesen Umstand. Bis zum nächsten Öffnungstermin am morgigen Mittwoch soll klar ersichtlich sein, was zu tun ist.

Mit einem kontaktlosen Fiebermessen beginnt die unkomplizierte Prozedur. An der ersten von drei Stationen erhält der Besucher ein auf beiden Seiten bedrucktes Formular, auf dem Angaben zur Person und eine Unterschrift verlangt werden, dass man dem Abstrich zustimmt. Es braucht ein paar Minuten, bis sich die Testwilligen alles durchgelesen haben. An Station zwei „erfolgt der Abstrich regelhaft durch medizinisch geschultes Personal“, wie es im Formular heißt. Diese Personen treten einem mit Mund-Nasen-Schutz, Visier und gelben Schutzkitteln entgegen und entnehmen die Probe mit einem Stäbchen aus einem Nasenloch. Dafür legt der Besucher den Kopf leicht in den Nacken. „Das kann etwas kitzeln“, warnt Charlotte Robbers vor. Sie leitet dieses Testzentrum. Die meisten Besucher empfanden dieses Kitzeln gestern als nicht sonderlich angenehm. Vielen tränte anschließend mindestens ein Auge, denn die Tester führen das Wattestäbchen weiter in den Nasenraum ein, als man es bei einem Selbsttest zu Hause tun soll.

„Das Ergebnis soll ja zuverlässiger als bei den Selbsttests sein“, ist der Wissensstand von Dietmar Selent, der das Kribbeln in der Nase dafür in Kauf nimmt. Als Betreiber einer Fahrschule biete er seinen zwölf Mitarbeitern Selbsttests an, motiviere sie seit gestern jedoch, das Testzentrum in Anspruch zu nehmen. Er selbst sei an Tag eins „aus Solidarität“ gekommen. „Ich finde es gut, dass die Samtgemeinde das organisiert hat“, sagt er und lobt ausdrücklich das Engagement von Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann in dieser Sache.

„Es war ja bisher auch sehr schade, dass wir hier keine Testmöglichkeit hatten“, ist die Meinung von Hajo Köster. Der Schwarmer benötigt ein bestätigtes Ergebnis für eine medizinische Untersuchung. Seine Frau Ute lässt sich gleich mit testen, „dann können wir zusammen in den Baumarkt“, hofft sie. Beide haben bereits Erfahrungen mit dem Testzentrum in Morsum, das vom selben Betreiber organisiert wird. „Da klappt das super“, so ihr Eindruck.

Zufrieden sowohl mit dem Ablauf als auch mit dem Ergebnis war gestern Doris Bartels. Ihre dreiköpfige Familie startete vom Testzentrum aus direkt in einen Kurzurlaub nach Schleswig-Holstein. „Da kann man sich auch testen lassen“, sagt sie. „Aber so müssen wir uns da erst einmal um nichts kümmern“, erklärt sie ihren Besuch im Testzentrum in Broksen.

Ein bestätigtes Testergebnis war Montag allen Befragten die kurze Wartezeit wert. Gastwirtsfamilie Held-Witte sorgt für ausreichend regengeschützte Sitzgelegenheiten. Viele nutzten die gut 15- minütige Wartezeit gerne für einen Schwatz. Die meisten kannten einen der Wartenden, wenn sie ihn oder sie hinter der obligatorischen Maske auch nicht sofort erkannten. Grundsätzlich bleiben die Besucher aber anonym. Beim Eintreffen erhalten die Teilnehmer eine Nummer, unter er sie zu allen nötigen Schritten aufgerufen wird. Weder die persönlichen Angaben noch das Testergebnis sind für die Umstehenden erkennbar.

Noch bequemer wäre der Test, würde einem das Ergebnis elektronisch, zum Beispiel aufs Handy, übermittelt. „Diese Möglichkeit haben wir nicht“, sagt Aleksandra Thilo auf Nachfrage. Sie habe an anderen Standorten jedoch die Rückmeldung bekommen, dass die Besucher ihr Ergebnis lieber schwarz auf weiß direkt in die Hand bekommen wollen.

Das Testzentrum bei Mügge am Marktplatz 13 ist zunächst montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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