Premiere von „För ümmer Disco“: Uhlenspeelers ernten Lachsalven in Serie

Glitter, Knitter und Botox-Brüller

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Auf der Theaterbühne in Robberts Huus (von links): die Schauspieler Ilona Schulenberg, Werner Sudmeyer, Maike Münch und Wilfried Brückner.

Schwarme - Von Horst Friedrichs. Auf Glitter folgt Knitter – und dann wieder Glitter? Das war die Frage aller Fragen und zugleich der rote Faden des turbulenten Bühnengeschehens am Samstagabend in Robberts Huus in Schwarme. Da ging es ums Älterwerden, ums Jungbleiben und um Botox-Brüller – ohne Pardon für die Lachmuskeln des Publikums.

Diese wurden stark strapaziert beim plattdeutschen Dreiakter „För ümmer Disco“, den die Schwarmer Uhlenspeelers mit Schwung und schauspielerischem Können auf die weltbedeutenden Bretter brachten. Belohnt wurden sie durch Lachsalven in Serie, viel Beifall auf offener Szene und nicht enden wollenden Schlussapplaus.

Bis auf den letzten Platz besetzt war die liebevoll zum Theatersaal hergerichtete Diele des alten Bauernhauses, das sich längst zu einem Kulturzentrum ersten Rangs entwickelt hat. Für die Pflege der plattdeutschen Sprache könnte es keinen passenderen Ort geben als diesen. Genau das geschah auf höchst amüsante Weise, als dort am Sonnabend die Komödie „För ümmer Disco“ als Doppel-Premiere inszeniert wurde, nämlich als Ur-Aufführung des Stücks von Andreas Wening und Wolfgang Binder sowie als Schwarmer Erst-Inszenierung. Viel Spaß op Platt war angesagt, und in großen Scharen strömten die Freunde der in den eigenen dörflichen Reihen produzierten kurzweiligen Unterhaltung herbei.

Die verwicklungsreiche Handlung kreiste um die „Glitter-Boys“, deren Wiederentdeckung wie eine Bombe einschlägt. Das fast friedliche Familienleben der Fiesebargs gerät ziemlich aus den Fugen, als eine exaltierte Besucherin aus der Showbranche hereinplatzt und das geheime Vorleben des in die Jahre gekommenen Familienvaters Andreas Fiesebarg (Werner Sudmeyer) schonungslos enthüllt. Mit einem unterschriftsreifen Vertrag wedelnd, bringt Eventmanagerin Regina Rautenstengel (Maike Münch) die bis dato vorherrschende Beschaulichkeit in kaskadenhafte Wirrungen und überraschende Wendungen. Eben denen begegnen Ehefrau Birgit Fiesebarg (Gunda Dohmeyer) und Tochter Lena (Vanessa Lange) zunächst fassungslos, doch dann mit mehr und mehr Enthusiasmus.

Feinsinnige Dialoge

und derbe Späße

Bevor sie sich von der Hausfrau zur mondänen Geschäftsfrau wandelt, äußert Ehefrau Birgit eine einprägsame Feststellung zum 80er-Jahre-Duo „Glitter-Boys“: Die Mitglieder müssten heute eigentlich „Knitter-Boys“ heißen. Glitter-Boy Nummer zwei, Bodo Käselau (Wilfried Brückner), versucht die Knitterspuren denn auch mittels Botox aus der Welt zu schaffen, was ihm Sprachstörungen ebenso einträgt wie schwankhafte Gesichtsschwellungen – und für Heiterkeitsstürme beim begeisterten Publikum sorgte.

In dem Wechselspiel von feinsinnigen Dialogen und derben Späßen, die auch Ausflüge in die Regionen unterhalb der Gürtellinie nicht scheuten, reicherten weitere Charaktere das humorige Bühnengeschehen an: die durchgeknallte Glitter-Boys-Fanclub-Leiterin Elvira Puvogel (Ilona Schulenberg), Dr. Richard Wurm (Heinrich Meyer-Thomas), der Hausarzt des Alt-Stars Andreas, und Coco Cabana (Sabine Neddermann), eine aufreizend gekleidete C-Prominente, die anfangs Hochdeutsch spricht und sich erst später als „platt“ zu erkennen gibt.

Mit gleich drei Rollen wartete Ramon Schulenberg auf, der zunächst den Journalisten Jens Schneckenreiter gab, dann den arroganten Fernsehproduzenten Viktor Winsel und nicht zuletzt den zeitlos eleganten kubanischen Tanz- und Catwalk-Lehrer Hossa Rodriguez. Das turbulente und mitreißende Bühnengeschehen wird sich noch in drei Aufführungen in Robberts Huus entfalten: am 12., 13. und 19. März. Sie sind alle bereits ausverkauft.

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