Beamte fassen falsche Kollegen

MEK-Einsatz im Haus von junger Familie: Polizei erklärt Vorgehen und bringt Geschenke mit

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Nina Herold und Sohn Phil im Garten des Hauses an der Schlossweide in Bruchhausen-Vilsen, der am Montag Schauplatz des Einsatzes war.

Erfolgreicher Schlag der Polizeiinspektion Diepholz gegen eine organisierte Verbrecherbande: Die Ermittler haben drei Tatverdächtige festgenommen, die bundesweit als falsche Polizisten Straftaten begangen haben sollen. Bei einem Zugriff in Bruchhausen-Vilsen war eine junge Familie in einen MEK-Einsatz verwickelt worden, ohne persönlich beteiligt zu sein (wir berichteten).

Landkreis Diepholz – Immer wieder hat die Polizei vor ihren falschen Kollegen gewarnt: Jetzt hat eine Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Diepholz drei dringend Tatverdächtige entlarvt, die im ganzen Bundesgebiet Straftaten begangen haben sollen. Drei mutmaßliche Täter sind festgenommen. Einen von ihnen fasste die Polizei in Bruchhausen-Vilsen, wie Thomas Gissing als Pressesprecher der Polizeiinspektion am Donnerstag berichtete. Der Tatverdächtige wurde am späten Montagnachmittag in Bruchhausen-Vilsen aufgespürt und gefasst. „Weitere Festnahmen erfolgten zeitgleich im Rhein Main Gebiet“, so Thomas Gissing.

Ehemann wurde in Handschellen gelegt

Bei dem Einsatz in Bruchhausen-Vilsen im Bereich der Schlossweide waren die Ermittler der Polizeiinspektion Diepholz von einem mobilen Einsatzkommando (MEK) unterstützt worden. Betroffen war – wie bereits berichtet – auch das Haus der Familie Herold. „Ohne eine Erklärung“, so klagte Mutter Nina Herold, hätte das Einsatzkommando ihr Haus durchsucht. Ihr Ehemann Nils war in Handschellen gelegt und sie selbst sowie ihr Sohn Max von den Polizisten in Schach gehalten worden. Den Beamten war es, so hatte der Polizei-Pressesprecher nach dem MEK-Einsatz betont, um das Gebäude gegangen – und nicht um dessen Bewohner.

„Zwei Beamte haben geklingelt“

Er hatte weitere Informationen nach Abschluss der Ermittlungen angekündigt – und legte sie am Donnerstag vor: „Da sich der Tatverdächtige in einem Mehrfamilienhaus aufhalten sollte und es unter den Wohnungen Verbindungen gab, wurden alle in Frage kommenden Wohnungen durchsucht.“

Nina Herold ist erleichtert, dass die Polizei den Tatverdächtigen gefasst und so weitere Straftaten verhindert hat. Die von ihr mehrfach geforderte Erklärung zum MEK-Einsatz hat sie am Donnerstag-Mittag erhalten: „Zwei Beamte haben geklingelt“, berichtet die dreifache Mutter. Sie hätten ihr die Vorgehensweise der Polizei bei einem solchen Einsatz ganz genau erklärt: „Die Beamten konnten nicht ausschließen, dass wir Kontakte zu dem Verdächtigen haben, und haben uns deshalb festgehalten“, sagt die 31-Jährige – und fügt hinzu: „So ist nunmal die Vorgehensweise.“

Nina Herold wertet Geschenke als Entschuldigung

Dass die Familie nichts mit dem Tatverdächtigen zu tun hat und es ausschließlich um das Gebäude an der Schlossweide ging, in dem sie erst seit drei Monaten lebt, ist unstrittig. Trotzdem habe es offensichtlich ein fatales Missverständnis gegeben, berichtet Nina Herold: „Die Polizei dachte, man habe uns das bereits am Montag erklärt. Das war aber nicht so! Wir haben keine Informationen erhalten.“ Und das sei nicht korrekt gewesen.

Die Beamten hätten bei ihrem erklärenden Hausbesuch Spielzeug-Präsente für ihre Söhne Phil (ein Jahr alt) und Max (zwölf) mitgebracht, erklärt Nina Herold – und wertet das als Entschuldigung. „Max hat sich gefreut, dass die Polizei reagiert hat“, sagt die 31-Jährige. Ist der Fall für sie damit abgeschlossen? „Wir überlegen noch, ob wir weitere Schritte einleiten“, antwortet die junge Mutter. „Denn es hätte ja auch jemand anderen treffen können.“

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