Wolfgang Griese beendet eine Ära

„Politik hat Suchtcharakter“

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„Ein gemischtes Gefühl“: Heute leitet Wolfgang Griese zum letzten Mal eine Sitzung des Samtgemeinderats.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. In Bruchhausen-Vilsen geht eine Ära zu Ende: Letztmalig leitet der Vorsitzende Dr. Dr. Wolfgang Griese (75) eine Sitzung des Samtgemeinderats, und zwar Dienstag ab 19 Uhr im Rathaus. Der Bruchhausen-Vilser hat bei der Kommunalwahl nicht mehr kandidiert – nach drei Jahrzehnten im Kreistag, im Samtgemeinderat und im Fleckenrat. Ein Interview:

Heute leiten Sie zum letzten Mal eine Sitzung des Rats der Samtgemeinde. Was ist das für ein Gefühl?

Es ist ein gemischtes Gefühl. Auf der einen Seite bedaure ich nach 18 Jahren Ratsvorsitz das plötzliche und endgültige Ende dieser Tätigkeit. Den Vorsitz eines Gremiums wie des Samtgemeinderats zu übernehmen, ist eine komplexe Aufgabe, deren Herausforderungen ich mich gerne gestellt habe. Die sich daran anschließende Zeit ohne kommunalpolitische Aktivitäten wird für mich anfangs sicher sehr gewöhnungsbedürftig sein – und vielleicht werde ich darunter auch etwas leiden. Da Kommunalpolitik aber auch sehr zeitgefräßig sein kann, freue ich mich auf der anderen Seite auf einen Lebensabschnitt, der nicht so dominant von Terminen bestimmt wird.

Wie werden Sie die neu gewonnene Zeit nutzen?

Politik war zwar ein wichtiger Teil meines Lebens, aber nie mein ganzes Leben! Neben der Politik gab es für mich immer zahlreiche andere Interessen, denen ich mehr oder weniger intensiv nachgekommen bin. Da Zeit ein äußerst begrenztes Gut ist, kam auch einiges zu kurz, und eben hier soll nachgebessert werden. So werde ich mehr Zeit mit der Familie und Freunden verbringen, viel reisen, lesen und schreiben, mich verstärkt den schönen Künsten widmen, meine Präsenz im ein oder anderen Club erhöhen, viele Stunden in der Natur verbringen und lernen, dass Muße die Lebensqualität deutlich erhöhen kann.

Haben Sie sich auf die letzte Sitzung besonders vorbereitet?

Die Sitzung des Samtgemeinderats ist für mich noch nicht die letzte Sitzung, die ich zu leiten habe. Es stehen noch, neben einer Kreistagssitzung, Schulausschusssitzungen auf Kreis- und Samtgemeindeebene an. Dennoch ist diese letzte Samtgemeinderatssitzung für mich etwas Besonderes und natürlich auch mit Emotionen behaftet. Neben der Behandlung wichtiger Sachthemen wie Breitbandausbau im Landkreis Diepholz sieht die Tagesordnung auch die Ehrung und Verabschiedung von Ratsmitgliedern vor. Da ich die Würdigung der ausscheidenden Ratsmitglieder selbst vornehmen werde, bedarf dies auch einer sich von den Sachthemen unterscheidenden Vorbereitung.

Was wird Ihnen fehlen?

Politik hat Suchtcharakter, und dies ist der Grund, dass viele Politiker nicht loslassen können. Ich gehe davon aus, dass auch ich infiziert bin. Und so werden mir wahrscheinlich die Möglichkeiten der politischen Einflussnahme ebenso fehlen wie das an der Sache orientierte Streitgespräch mit Mitgliedern der Verwaltung und des Rats.

Werden Sie die Kommunalpolitik in Bruchhausen-Vilsen auch weiterhin verfolgen?

Aber ja! Nach meinem Demokratieverständnis kann ich mir nichts anderes vorstellen. Der Rückzug aus der aktiven kommunalen Ratsarbeit nach 30 Jahren bedeutet doch nicht, dass damit das politische Interesse abgelegt wird. Wir haben das große Glück, in einer freiheitlichen Demokratie leben zu können und obendrein noch in einem herrlichen Luftkurort in landschaftlich reizvoller Umgebung. Und da das alles andere als selbstverständlich ist, sollten wir, ob Ratsmitglied oder nicht, ein waches Auge darauf haben, dass diese Rahmenbedingungen nicht gefährdet werden.

Was geben Sie dem neuen Samtgemeinderat mit auf den Weg?

Im Gegensatz zu manch einem anderen politischen Gremium haben wir in der Samtgemeinde eine Diskussionskultur praktiziert, die sachorientiert in einem dialogischen Verfahren das Für und Wider abwägt und so zu einer profunden Entscheidung führt. Politik ist die Kunst des Möglichen und basiert in einer Demokratie auf dem Kompromiss. Eine solche Sichtweise ist zwar weder spektakulär noch presseattraktiv, aber dafür effektiv und im Hinblick auf eine Problemlösung zielführend. Ich wünsche dem neuen Samtgemeinderat, dass diese Sicht der politischen Auseinandersetzung weiter Bestand hat.

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