Samtgemeinde bietet erneut ein Mentoring-Programm an

Die Politik braucht mehr Frauen

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Ihr Ziel ist es, mehr Frauen für die politische Arbeit zu gewinnen (von links): Marlies Plate, Johann-Dieter Oldenburg, Cattrin Siemers, Ulf Schmidt, Martina Claes, Nicole Reuter, Hildegard Grieb und Christine Schröder. Es fehlt: Bernd Schneider.

Samtgemeinde – In der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen sind derzeit 19 der insgesamt 91 Mandate von Frauen besetzt. Das ist ein Anteil von rund 21 Prozent. Zum Vergleich: Im EU-Parlament sind es circa 36 Prozent, im Niedersächsichen Landtag etwa 28 Prozent.

Zu wenig, finden sieben Kommunalpolitiker, die Gleichstellungsbeauftragte Christine Schröder und Cattrin Siemers, die Allgemeine Vertreterin des Samtgemeindebürgermeisters. Mehr Frauen für die politische Arbeit zu gewinnen, das ist ihr Ziel und jenes des Mentoring-Programms „Frau. Macht. Demokratie.“ des Niedersächischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, an dem die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen zum dritten Mal teilnimmt.

Der Einstieg in die Politik soll dadurch erleichtert werden, dass Frauen rund ein Jahr lang als sogenannte Mentee einen Mentor begleiten. Das funktioniert in einem Tandem-Modell, erklärt Schröder. Zur Kommunalwahl 2021 sollen so Nachwuchspolitikerinnen gefunden werden. Am Mentoring-Programm im Jahr 2016 nahmen insgesamt 375 Frauen teil, davon haben 174 für ein kommunalpolitisches Mandat kandidiert, 114 sind gewählt worden – davon auch zwei in der Samtgemeinde: Alexandra Herzberg und Nicole Reuter (beide Grüne).

Reuter ist nun eine der sieben Mentoren, die Interessierten gerne ihr politisches Alltagsgeschäft nahebringen, von Ausschuss- über Ratssitzungen bis hin zur Planung einer möglichen Kandidatur. Dabei sei es an den Mentees, Schwerpunkte zu setzen. Reuter ist ein Beispiel dafür, dass Lokalpolitik auch neben Familie und Beruf – sie ist Mutter und arbeitet als Ingenieurin – funktionieren kann und sagt über das Programm: „Es war wirklich fantastisch, ich kann es nur empfehlen.“

Ihre Mentorin war Marlies Plate. Die Grünen-Politikerin ist Bürgermeisterin der Gemeinde Martfeld – und damit die einzige in der Samtgemeinde. Auch Plate ist einst über das Mentoring-Programm in die Politik gekommen, erinnert sie sich. Und sagt: „Ich möchte Frauen ermutigen, sich uns anzuschließen.“ Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung sei weiblich. Das spiegele sich in der Politik jedoch nicht wider.

Apropos Bürgermeisterin: Für eine weibliche Amtsnachfolgerin plädiert Johann-Dieter Oldenburg (SPD), der Bürgermeister der Gemeinde Schwarme. Er sowie Ulf Schmidt und Bernd Schneider (beide Grüne) sind die drei männlichen Mentoren des Programms. Laut Schmidt sei es das Ziel, „die Prozente, was den Frauenanteil angeht, hochzutreiben“. Oldenburg sagt, es sei generell schwierig, Mitglieder für den Rat zu bekommen.

„Wenn wir uns in den Räten engagieren, haben wir die Chance, die Orte mitzugestalten“, fügt Martina Claes (SPD) an. Sie ist seit 2016 Mitglied im Flecken- sowie im Samtgemeinderat. Und die Arbeit mache ihr „unendlich viel Spaß“. Hildegard Grieb (Grüne) sagt, dass sie Frauen ermutigen möchte, hinter die Kulissen der politischen Arbeit zu blicken.

Anteil der Frauen:

Samtgemeinderat: 18 Prozent (33 Sitze, davon 6 Frauen)

Rat Martfeld: 30 Prozent (13 Sitze, davon 4 Frauen)

Fleckenrat: 25 Prozent (20 Sitze, davon 5 Frauen)

Rat Schwarme: 23 Prozent (13 Sitze, davon 3 Frauen)

Rat Asendorf: 8 Prozent (12 Sitze, davon 1 Frau)

Es handele sich bei den Angaben laut Christine Schröder zwar um Zahlen, die sich auf die jüngste Kommunalwahl im Jahr 2016 beziehen. Ganz aktuell seien sie jedoch nicht. Zwar war Sabine Voß (Grüne) 2016 noch Mitglied im Asendorfer Gemeinderat. Sie legte ihr Mandat aber im März 2018 nieder (wir berichteten). Nachrücker war ihr Parteikollege Hermes Lemke. Damit sind im Asendorfer Gemeinderat seitdem ausschließlich Männer vertreten. Voß sagte damals: „Ich persönlich würde mich freuen, wenn eines Tages wieder eine Frau hier sitzen würde.“ Asendorfs Bürgermeister Heinfried Kabbert sagt, dass die „Sicht aus Frauenaugen“ im Gemeinderat nicht schlecht wäre. Er fügt jedoch auch an, dass die Bereitschaft da sein müsse. Wer Interesse habe, könne jederzeit die Gelegenheit nutzen, mit den Ratsmitgliedern zu sprechen. Sein Appell für die nächste Kommunalwahl: „Sich einbringen, ob männlich oder weiblich.“

Das Programm:

Bewerbungsschluss ist der 30. August. Es gibt drei Rahmen- sowie eine Auftakt- und Abschlussveranstaltung. Zusätzlich werden im Landkreis Seminare zu speziellen Themen angeboten wie Haushaltsrecht und Bebauungsrecht. Die Teilnahme ist kostenlos. Interessierte melden sich bei Christine Schröder unter Telefon 04252/391116 oder per E-Mail an christine.schroeder@bruchhausen-vilsen.de. Weitere Infos gibt es unter: www.frau-macht-demokratie.de

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