„Please, get in line!“

Redakteurin Vivian Krause tanzt mit der Gruppe „Winchester Line-Dancer“

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Bei Redakteurin Vivian Krause (hinten rechts) sitzen die Schritte zwar nicht sofort, aber die „Winchester Line-Dancer“ um den Vereinsvorsitzenden Carsten Buchholz (links) geben sich alle Mühe, ihr die Choreografie beizubringen.

Br.-Vilsen - Von Vivian Krause. Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und durchforste ihn nach typischer Cowboy-Kleidung. Vor meinem inneren Auge sehe ich Lucky Luke und Woody aus „Toy Story“. Beide Filmfiguren tragen einen Hut, ein Hemd und eine Weste. Ob sie sich wohl auch einmal im Linedance probieren würden, dem Tanz, den einst die Cowboys auf Viehweiden an Lagerfeuern tanzten? Ich jedenfalls werde das tun. Und zwar bei den „Winchester Line-Dancer“.

Eine rot-schwarz-karierte Bluse springt mir ins Auge. Perfekt. So kann ich im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen aufschlagen. Dort nämlich proben die „Line-Dancer“ immer dienstags.

Als ich den Saal betrete, wird mir klar, dass ich mit meiner Bluse und meiner schwarzen Hose im Gegensatz zum Tanzleiter ein wenig underdressed bin. Bernd Anders schaut mich strahlend an, stellt sich mir vor und erklärt mir den Ablauf des Abends. Während er spricht, schweift mein Blick immer wieder zu seinem Cowboyhut und seiner Lederweste.

Als dann immer mehr „Line-Dancer“ in den Raum kommen und mit ihnen auch immer mehr Hüte, werde ich noch neidischer. Warum hatte ich selbst keinen Mut zum Hut? „Die Schuhe müssen über den Boden rutschen“, reißt Bernd – hier duzen sich alle – mich aus meinen Gedanken. Ich teste die Gleitfähigkeit meiner Treter. Passt. Wichtig ist auch, dass sie beim Auftreten möglichst laut sind. Auch das passt. „Please, get in line!“, ruft Bernd plötzlich in den Raum. Und schon stellen sich meine Mittänzer auf – in mehreren Reihen, wie gefordert. Zum Einstieg performen sie einen ihnen bekannten Tanz. Ich schaue erst einmal zu. „Der ist einfach, ein Anfängertanz“, ruft jemand, bevor die Countrymusik startet. Gut aus sieht es schon mal, aber ob ich das auch hinbekomme?

Alle mitgekommen? Nicht so wirklich.

„Jetzt tanzen wir den noch mal ganz langsam“, sagt Gruppenmitglied Meike. Gemeinsam mit Hadburga, die alle „Hatti“ nennen, zeigt sie auch denjenigen, die ihn noch gar nicht können, wie der Tanz geht: den rechten Fuß auf die Hacke nach vorne stellen, wieder zurück, dasselbe mit links. „Alle mitgekommen?“, fragt sie. Nicht so wirklich. Dann geht es einen „Shuffle“ nach vorne und wieder vor, ran, vor, vor, tip, vor, ran, vor, tip. „Bist du auch mitgekommen?“, fragt Meike. Ich merke, dass ich gemeint bin. Ein verlegenes Lachen wird mein fehlendes Talent schon wieder wettmachen. Alle lachen mit. Funktioniert.

Zum Glück bin ich nicht die einzige blutige Anfängerin. Vor mir steht ebenfalls ein Neuling. Blöd für mich. Denn: Orientiere ich mich an einem Vordermann oder einer Vorderfrau, die auch noch nicht so ganz schrittfest ist, sehe ich noch ungelenker aus. „Jetzt üben wir die nächsten acht Schritte“, sagt Meike. Hilfe! Ich kann doch die bisherigen noch gar nicht.

„Zuerst tanzt du noch mit dem Kopf“

Nachdem alle Schritte – zumindest bei den anderen – sitzen, wird Musik angestellt. Zum Song „Boot Scootin’ Boogie“ tanzen wir die gleichnamige Choreografie mehrere Male hintereinander. „Zuerst tanzt du noch mit dem Kopf“, hat mir Bernd gesagt. Irgendwann würde das wie von alleine gehen. Von wegen. Immer wieder setze ich den falschen Fuß nach vorne oder bewege mich in die falsche Richtung. Dabei beginnen wir doch mit einem ganz einfachen Tanz. Was soll’s.

Es folgt ein neues Lied. Und ein weiteres. Und noch ein Titel. Einige „Line-Dancer“ stellen sich an den Rand und schauen zu, andere tanzen weiter. Immer wieder wechselt die Besetzung, die übrigens bunt gemischt ist. Der Altersdurchschnitt der rund 40 Mitglieder liegt bei etwa 30 Jahren, erfahre ich. So tanzen Jung und Alt rund zehn verschiedene Choreografien an diesem Abend, die teilweise neu einstudiert werden. Wer kann, reiht sich ein. Und ich? Ich schaue zu. Bin beeindruckt. Schaue noch ein bisschen zu. Und gehe schließlich zurück auf die Tanzfläche, als ich den „Boot Scootin’ Boogie“ wieder erkenne. Und ich meine, nach rund einer Stunde schon ein paar Schrittfolgen zu beherrschen.

„Winchester Line-Dancer“ in Bruchhausen-Vilsen

Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg
Die „Winchester Line-Dancer“ nahmen Redakteurin Vivian Krause mit in ihre Reihen. © Oliver Siedenberg

„Weißt du, was am besten aussieht?“, fragt mich eine Mittänzerin. Hoffnungsvoll erwarte ich ein Lob für meine halb gelungene Darbietung. Laut Pia – die wirklich viele Tänze beherrscht und mit Bernd in den Pausen mehrere Soli auf die Tanzfläche legt – ist es mein Lächeln. Na, das macht Mut.

Immerhin sagen die Tänzer zum Abschied, ich soll gerne wieder kommen. Ein gutes Zeichen, wie ich finde. Drei Mal dürfe ich bei den „Line-Dancer“ reinschnuppern, bevor ich mich entscheide, ob ich dauerhaft bei ihnen mittanzen will. Dann muss ich sie aber auch überzeugt haben. Immerhin treten sie regelmäßig auf – beispielsweise beim Erdbeermarkt in Asendorf, bei der „Blue Emotion“-Show der Tanzsportgemeinschaft Bruchhausen-Vilsen oder beim „Schleusinger Countryfestival“ in Thüringen.

Ich bin mir sicher, dass auch Woody und Lucky Luke ihren Spaß bei der Truppe gehabt hätten. Denn die „Line-Dancer“ sind mindestens genauso cool wie Cowboys.

Wer bei den „Winchester Line-Dancer“ mittanzen möchte, meldet sich per E-Mail an winchesterline-dancer@web.de.

Infos über Linedance

Beim Linedance tanzen mehrere Personen eine einstudierte Schrittfolge. Dabei stehen sie in Reihen vor- und nebeneinander. Getanzt wird ebenso zu Countrymusik wie auch zu Pop, Irish Folk oder Rock ‘n’ Roll. Das Tempo ist mal langsam, mal schnell. Fortgeschrittene beherrschen zum Teil mehr als 100 verschiedene Tänze.

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