Planungsausschuss spricht über Landschaftskonzept / „Landwirte einbeziehen“

Bruch soll erlebbarer werden

Br.-Vilsen - Die Bruchlandschaft als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als Ort der Erholung bewahren und weiterentwickeln – das ist das Ziel eines Landschaftskonzepts, welches die Oldenburger Gesellschaft für räumliche Planung und Forschung NWP entwickelt hat. Am Montagabend stellte Mitarbeiter Johannes Ramsauer dem Planungsausschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen das Konzept vor.

Zu Beginn der Sitzung erläuterte Bauamtsleiter Bernd Bormann den Hintergrund: „Wir wurden von der einen oder anderen Gemeinde gebeten, ein Konzept zu erarbeiten, um darauf aufbauend Bebauungspläne erlassen zu können.“ Der Bruch reicht von Schwarme über Bruchhausen-Vilsen bis nach Uenzen und Süstedt.

Bormann sagte, dass das Konzept nicht bindend sei: „Ob das, was sich Johannes Ramsauer vorstellt, auch so umgesetzt werden soll, wird sich in Beratungen in der Samtgemeinde und den Mitgliedsgemeinden zeigen.“ Ramsauer sprach von einer „informellen Vorplanung“: „Das Konzept ist wichtig als Abwägungsgrundlage für alle raumwirksamen Entscheidungen.“

Der Experte ging kurz auf die Entwicklung der alten Kulturlandschaft ein, die Anfang des 19. Jahrhunderts aus Mooren, landwirtschaftlichen Flächen und Bruchwaldstrukturen bestanden hatte. „Danach kam die Melioration. Um 1900 waren alle Hauptkanäle und Zuläufe der Gewässer angelegt: Die wesentlichen heutigen Strukturen waren schon da.“ Im Zuge der Melioration sollte der Bruch wirtschaftlich nutzbar gemacht werden.

Heute umfasst das Gebiet laut Ramsauer 30 geschützte Biotope. Es gebe Bereiche mit einer „relativ hohen“ Bedeutung für Brutvögel. Auf verschiedenen Karten hat der Experte mögliche Maßnahmen, unterteilt in die Kategorien „Biologische Vielfalt“, „Landschaftsbild“ und „Attraktivitätssteigerung“, vermerkt. Wünschenswert seien zum Beispiel eine Renaturierung der Eyter und eine Erhöhung des Grünland-Anteils. Eine „Sicherung der offenen bis halboffenen Landschaft“ würde Ramsauer ebenso begrüßen wie eine „Attraktivitätssteigerung des Freizeitwegenetzes“ und den „Erhalt der kulturhistorisch bedeutsamen Elemente wie Schleusen und Meliorationskanal“.

Ramsauer unterteilte den Bruch in acht Entwicklungsgebiete und stellte am Montag zwei davon exemplarisch vor. Im nördlichsten Bereich, der in Schwarme liegt, etwa schlägt er eine Mischung aus Grünland und Äckern vor. Auch Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung der Eyter und zum Vogelschutz sind im Konzept vorgesehen. Der Experte empfiehlt Verweilmöglichkeiten an der Eyter und im Bereich der alten Schleuse. Wichtig sei, die Sicht nicht durch zusätzliche Bepflanzungen zu behindern.

Ziele in Uenzen: Mehr Grünland, mehr Wald

Zweites Beispiel war das Uenzer Moor bei Ortheide, das Geest- und Moorbereiche vorhält. „Da gibt es ganz andere Potenziale“, machte Ramsauer die Vielfältigkeit des Bruchs deutlich. Dort seien der Erhalt und die Entwicklung naturnaher Gewässer zu wünschen, ebenso wie eine Erhöhung des Grünland- und des Waldanteils sowie der Erhalt der kulturhistorisch bedeutsamen Eschböden.

Nach Ramsauers ausführlichem Vortrag meldeten sich nur wenige Politiker zu Wort. Johann-Dieter Oldenburg (SPD) fragte: „Wo bleibt die Landwirtschaft?“. Bormann antwortete, dass es sich nicht um „ein Konzept für oder gegen die Landwirtschaft“ handelt: „Wir wollen ein Miteinander. Wir können keine Maßnahmen umsetzen, wenn uns nicht jemand die Flächen zur Verfügung stellt.“ Reinhard Thöle (SPD) ergänzte: „Ohne die Landwirte kann der Plan nicht mit Leben gefüllt werden. Wir müssen die Betriebe in die Lage versetzen, für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.“

In der Einwohnerfragestunde sagte der Süstedter Jochen Kracke: „Ich wundere mich, dass so viel über Tourismus gesprochen wird. Im Bruch ist im Sommer kaum wer.“ Bormann erklärte daraufhin, dass man den Tourismus in bestimmten Bereichen des Bruchs weiterentwickeln und die Erlebbarkeit verbessern wolle.

Die Räte der Gemeinden Schwarme, Süstedt und Bruchhausen-Vilsen werden sich nun mit dem Konzept befassen, bevor es im Planungsausschuss wieder auf den Tisch kommt.

mah

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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