Start am 9. November

Planetarium im Alten Gaswerk: „Wunder von Jena“ nimmt Betrieb auf

Romke Schievink und seine Lebensgefährtin Bea Tilanus haben nicht nur ein ausgeprägtes Faible für den Sternenhimmeln, sondern auch für die sich bietenden technischen Möglichkeiten, diesen abzubilden.
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Romke Schievink und seine Lebensgefährtin Bea Tilanus haben nicht nur ein ausgeprägtes Faible für den Sternenhimmeln, sondern auch für die sich bietenden technischen Möglichkeiten, diesen abzubilden.

Br.-Vilsen – Eigentlich hätte das Planetarium im Alten Gaswerk schon im Sommer seinen Betrieb aufnehmen und die Besucher in die nächtliche Sternenwelt entführen sollen, aber dann machte die Pandemie den Betreibern einen dicken Strich durch die Rechnung.

Zwar wurde Bruchhausen-Vilsens neueste Attraktion bereits am 27. August offiziell eröffnet. So richtig losgehen konnte es bislang jedoch nicht. Der Grund waren die derzeit allgemein beklagten Transportprobleme, die dazu führten, dass die in China bestellte Kuppel erst kürzlich eingetroffen ist. Zweieinhalb Monaten später als vorgesehen. Wochenlang war das Alte Gaswerk zuvor aufwendig hergerichtet worden, um die fünfeinhalb Meter hohe und einen Durchmesser von neun Metern aufweisende Kuppel aufnehmen zu können.

Dann begann die Warterei, wie Romke Schievink, der aus den Niederlanden stammende Neu-Bruchmühlener und Initiator des Projektes, berichtet. Geduldig wurde diese ertragen, schließlich haben er und Lebensgefährtin Bea Tilanus nicht nur ein ausgeprägtes Faible für den Sternenhimmel, sondern auch für die sich bietenden technischen Möglichkeiten, diesen abzubilden. Gemeinsam wollen sie das Planetarium in den kommenden zwei Jahren betreiben. Neben der zeitlichen Verzögerung waren nach ihren Worten die sich verdoppelten Transportkosten ein ebenso unerwünschter wie nicht zu unterschätzender Pandemie-Effekt. Umso erfreulicher sei hingegen, dass der chinesische Hersteller der Kuppel, bei der es sich immerhin um eine Sonderanfertigung handelt, seinen ursprünglich vereinbarten Preis gehalten habe.

Auf Chinesisch verfasste Bauanleitung stellt kein Problem dar

Die sich ähnlich einem Fußball aus fünf- und sechseckigen Flächen zusammensetzende Kuppel ist inzwischen eingetroffen und aufgestellt worden. Dass nur eine auf Chinesisch verfasste Bauanleitung mitgeliefert wurde, sei dann auch eher eine lustige Randnotiz und kein wirkliches Problem gewesen, meint Romke Schievink. Er freut sich jedenfalls, bei dieser mühevollen Arbeit von den Männern des Reparatur-Cafés und dem 15-jährigen, aus Syrien stammenden Nachbarjungen Zain Watar, tatkräftig unterstützt worden zu sein. Inzwischen konnte auch die schwarze Schalldämmung, ohne die der Schall wie in einem Parabolspiegel lautstark im Zentrum der Kuppel gebündelt würde, installiert werden. Bevor man am 9. November starten kann, sind noch die lichtundurchlässige, weiße Projektionsfläche im Innern der Kuppel anzubringen und weitere vorbereitende Arbeiten zu erledigen. „Wir haben in den kommenden Tagen noch einiges zu tun“, stellt der Betreiber fest.

Herzstück der Einrichtung wird das legendäre Planetarium „Model 1“ der Firma Carl-Zeiss-Jena sein, von dem vor mehr als 100 Jahren gerade einmal zwei Geräte angefertigt wurden. Die damaligen Zeitgenossen schwärmten ehrfurchtsvoll vom „Wunder von Jena“. Während sich eines von beiden heute nicht mehr funktionstüchtig im Deutschen Museum in München befindet, hat man von seinem Zwilling lange Zeit angenommen, dass es bei einem Brand des Museums in Den Haag im Jahr 1976 zerstört worden sei. Hobby-Astronom Romke Schievink teilte diese Auffassung jedoch nicht und machte sich auf die Suche, um nach langwierigen Recherchen schließlich auch fündig zu werden. Ungezählte Stunden hat er danach gemeinsam mit niederländischen Freunden darauf verwendet, das schwerbeschädigte Gerät wieder auf Vordermann zu bringen.

„Model 1“ zwei Jahre lang in Bruchhausen-Vilsen zu erleben

Mit Erfolg, wie man heute sieht und wovon sich die Besucher ab dem 9. November auch selbst überzeugen können, denn für die kommenden zwei Jahre hat das Museum in Den Haag Romke Schievink das „Model 1“ überlassen. In Vorführungen von 20 bis 60 Minuten soll demnächst der Sternenhimmel der Nordhalbkugel gezeigt und erklärt werden. Der Betreiber möchte das Planetarium besonders an den Wochenenden öffnen, vor allem während der Saison der Museumseisenbahn. Darüber hinaus soll es auch unter der Woche Vorstellungen geben, etwa für Schulklassen, so die Absprache mit der Gemeinde. Kontaktaufnahmen sind über das örtliche Touristenbüro möglich.

Zusätzlich zum „Model 1“ verfügt Romke Schievink derzeit über drei weitere, allerdings deutlich kleinere Projektoren, wie etwa ein ebenfalls vor Ort zu sehendes Goto-Planetarium mit einer Drei-Meter-Kuppel. Für ein vermutlich aus den 1940er- oder 1950er-Jahren stammendes Zeiss-Planetarium wird ebenfalls eine besondere Kuppel mit einem Durchmesser von sieben Metern angefertigt. Zusammen mit weiteren astronomischen Geräten, etwa mehreren Teleskopen, wird es vorerst im Alten Gaswerk zu sehen sein. Später soll es dann in der im vergangenen Jahr vom Betreiberpaar erworbenen Wassermühle in Bruchmühlen aufgestellt und für Vorführungen genutzt werden.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Neben der Gemeinde, die ihnen das Alte Gaswerk für ihre Zwecke überlassen hat, danken Romke Schievink und Bea Tilanus ausdrücklich allen Unterstützern, die dieses ehrgeizige Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben. Stellvertretend nennen sie Günter Schweers, der ein Fahrzeug seiner Taxiflotte bereitgestellt hat, um das immerhin 800 Kilogramm schwere „Model 1“ aus dem westfälischen Gronau nach Bruchhausen-Vilsen zu bringen, sowie die EWE-Stiftung, die die Anschaffung von Beamer, Laptop und Klimaanlage gesponsert hat.

„Bislang alles so gut hinbekommen zu haben, ist für mich an sich schon ein kleines Wunder. Jetzt freue ich mich auf die Besucher“, resümiert Betreiber Romke Schievink sichtlich gut gelaunt.

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